Die Kombination aus Benzinmotor und Elektroantrieb ist dank Toyota/Lexus fast schon alltäglich. Nun kommen die Hybriden auch mit Diesel und da natürlich von Peugeot. Die größere Marke im französischen PSA-Verbund (neben Citroën) lebt seit je in Koexistenz mit den Selbstzündern und hat deren Entwicklung entscheidend (Partikelfilter) vorangetrieben. Sie betrachtet Europa als ihren Kernmarkt, und dort dominiert bis in die obere Mittelklasse der Diesel. Zudem sind sich die Techniker einig, dass dessen Sparpotentiale ziemlich ausgereizt sind. Die Hybrid-Kombination verspricht jetzt neue Knauser-Kaliber.
Etwa der 508 RXH, der auf der Kombiversion des Typs 508 basiert. Peugeot sieht den RXH trotz der engen Verwandtschaft als eigenständiges Modell. Die Differenzierung beginnt beim Preis und setzt sich fort in den technischen Daten. Der RXH kostet 41 900 Euro, rund 8500 Euro mehr als der konventionelle 508 (mit Automatik). In beiden geht der Zweiliter-Diesel mit 120 kW (163 PS) ans Werk. Das maximale Drehmoment des Vierzylinders hat man etwas zurückgenommen, aber zusammen mit dem E-Motor ergeben sich stattliche 450 Nm. Gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 147 kW (200 PS), und diese muss sich nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit der Hybridtechnik auseinandersetzen.
Dabei geht es vor allem ums Gewicht: Das Hybridauto bringt mit Fahrer 1910 Kilogramm auf die Waage. Das verdient für den 4,82 Meter langen Kombi unseren Respekt. Aber der „normale“ 508 SW liegt bei 1680 Kilo: Also gehen etwa 230 Kilo auf das Konto der Hybridtechnik (Speicherbatterie, E-Motor, Elektronik, Antrieb hinten) und erklären, weshalb unsere Fahrten mit dem RXH zwar nicht unvergnüglich, aber doch frei von sensationellen Spar-Erlebnissen verliefen. Dabei wurde auch (abermals) deutlich, wofür sich die Hybridmodelle besonders eignen. Die kürzere Strecke, der Stadtverkehr und die gemächliche Überlandpartie sind ihre bevorzugten Reviere. Das ergibt sich aus der Verbrauchsinterpretation: Beim Ampelhalt schweigen alle Motoren, Start-Stopp rüttelt den Diesel zuverlässig aus seinem Nickerchen, mit sachtem Beschleunigen kann man bis etwa 70 km/h rein elektrisch fahren, der errechnete Hybrid-Stadtkonsum lag bei 5,3 Liter Diesel für 100 Kilometer; über Land und auf der Autobahn (aber hallo, im Stau) wirkt Start-Stopp natürlich überhaupt nicht, und die Hybrid-Technik hat alle Schaltkreise voll damit zu tun, den Diesel im günstigsten Verbrauchskennfeld zu halten und sich selbst zu verwalten.
Das klappt nicht wirklich: Unser Landstraßenverbrauch wurde mit 6,44 Liter errechnet, auf der Autobahn mit einem Temposchnitt von fast 170 km/h waren es 8,4 Liter. Der Blick zurück auf eine frühere 508-SW-Testfahrt mit dem schwächeren Diesel (103 kW/140 PS) hatte einen Durchschnitt von 6,8 Liter ergeben: Der Super-Hightech-Hybrid-Diesel kam jetzt auf 7,3 Liter, und das liegt auch an dem Hybrid-Speck. Der nach Norm errechnete Verbrauch hat mit dem Alltagskonsum höchstens die Kraftstoffsorte gemeinsam. Peugeot nennt 4,1 Liter und ist dabei ohne Schuld.
Über die Fahrleistungen des Zweimotorautos kann man nicht klagen. Weil man das serienmäßige automatisierte Schaltgetriebe zwar manuell bedienen, es aber wie eine Automatik fahren kann, genügt es, wenn der Fahrer aufs Pedal drückt: Der Hybrid nimmt, begleitet vom heftig knurrenden Diesel, zügig Fahrt auf und kommt in etwa 9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, maximal möglich sind etwa 210 km/h. Bei 130 bis 180 km/h arbeitet der Diesel sehr unauffällig, winkt allerdings zum Beschleunigen nicht nur einen niedrigeren Gang heran, sondern weckt auch den alten, knurrigen Hofhund auf. Im Vergleich zu anderen automatisierten Schaltgetrieben fällt die Lastunterbrechung beim Gangwechsel ungewöhnlich kommod aus: Der E-Antrieb schlägt sich in die Bresche und kompensiert die Unterbrechung der Zugkraft.
Mit einem Dreh am Wählrad auf dem Mitteltunnel macht man aus dem Fronttriebler einen 4×4- oder einen permanent rein elektrisch fahrenden Peugeot: Der E-Motor schickt seine 20 kW (27 PS) immer nur auf die Hinterräder, und im ZEV-Modus bleibt der Diesel außen vor, rein elektrisch sind bei bis zu 60 km/h freilich nur knapp vier Kilometer möglich, dann wird der Diesel automatisch angeworfen. Wird 4WD angesteuert, werden alle Räder angetrieben, die hinteren nur elektrisch, es gibt ja keine mechanische Verbindung zwischen den Achsen. Ist die Antriebsbatterie erschöpft, liefert der Generator Strom, und es bleibt beim Allradantrieb. Wir haben es auf einem rutschigen Waldweg ausprobiert, der RXH schaffte die Steigung zur Hütte. Allerdings gereicht die Menge des Transportguts im Vergleich zum Diesel-SW nicht zum Vorteil für den Hybriden. Sein Kofferraum fasst unter der Abdeckung nur 400 Liter, bei geklappter Rückbank 1360 Liter. Die Werte für den Diesel-SW: 560 und 1600 Liter. Schließlich liegt die Zuladung im Hybriden mit 415 Kilo um 45 Kilo unter jener des Dieseltyps.
Der relativ hohe Preis des 508 RXH erklärt sich auch mit seiner Ausstattung. Peugeot packt in sein Flaggschiff nicht nur Hybrid-, sondern auch Sicherheitstechnik auf hohem Niveau und sorgt für hervorragende Klimatisierung, wunderbare Sitze und einen flauschigen Fahrkomfort. Für eine kurze Zeit ist es auch faszinierend, auf kleinem Bildschirm die unterschiedlichen Antriebs- und Kraftverteilungsarten zu beobachten. Nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt.
Ob man sich die Hybridtechnik antun muss, das ist keine Entscheidung zum Kalkulieren und Aufatmen. Über den Verbrauch wird man den Hybridaufpreis niemals einspielen. Denn ausgerechnet dort, wo sich der 508 RXH am angenehmsten fährt, nämlich auf der Langstrecke, kann der Verbundantrieb seine Vorteile am wenigsten ausspielen. Und wer nimmt sich den mit einer gewissen Großspurigkeit auftretenden Hybrid-Peugeot tatsächlich für die Stadt? Da schlägt sich ein künftiger Peugeot 208 RXH bestimmt viel besser. Die Franzosen müssen nur lernen, auch mit kleinen Autos wieder Geld zu verdienen. Dann schläft auch die Familie Peugeot wieder ruhiger.
Ich Frage mich ob dieses Fahrzeug als "Umweltfreundlich"
eingestuft werden darf.
klaus keller (klkeller)
- 05.07.2012, 19:18 Uhr
Das Problem der Hybridtechnik
Marvin Parsons (mapar)
- 04.07.2012, 17:43 Uhr