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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Outdoor-Messe Bunte Vielfalt unter grauem Himmel

 ·  Dunkle Wolken zogen über die Friedrichshafener Outdoor: Nach Jahren fetter Zuwachsraten wirkt der Optimismus der Branche für dieses Jahr deutlich verhaltener.

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© dpa Ein sogenannter Slackliner unter dem Himmel von Friedrichshafen

Es war nicht nur das miese Wetter, dass in diesem Jahr als Erklärung dafür herhalten musste, dass die nur schwierig zwischen Sportmoden und Expeditions-Ausrüstung abzugrenzende Outdoor-Branche Sorgenfalten zeigt. Hersteller und Handel erleben in ohnehin nicht einfachen Zeiten einen deutlichen Strukturwandel.

Da sind zum einen die vielen neuen Marktteilnehmer - ein Name für alle: Zalando. Erst 2008 gegründet, lässt der Internet-Versender spätestens seit seinem Einstieg bei Sportartikeln die Outdoor-Platzhirsche keineswegs vor Glück schreien. Während die großen Händler - Paradebeispiel: Globetrotter - längst im Internet und via App genauso wie über den herkömmlichen Versand aus dem voluminösen Katalog heraus und in Filialen vertreiben, entzweien Markenstores den klassischen Sportartikel/Outdoor-Handel und seine Lieferanten.

Die blinde Wahl der frühen Vororder-Termine - schließlich will der überwiegend in Fernost hergestellte Schick für draußen erst einmal dort produziert und dann um den halben Globus zur Saison herangeschafft sein - sind schon seit Jahren ein strittiges Dauerthema. Nun kommt hinzu, dass immer mehr starke Marken - Vorbild ist hier Jack Wolfskin - dem örtlichen Handel in sehr guten bis besten Lagen sogenannte Monostores vor die Nase setzen. Vom Parkett und ausliegenden Prospekt bis zum Fleece-Pulli oder Regenponcho atmet dort alles das Marken-Design.

Sechs bis zehn Markenläden will etwa Vaude im kommende Jahr eröffnen, 30 sollen es bis 2015 werden. Schöffel hat im Verein mit Lowa allein für September vier weitere Läden angekündigt, Gesamtzahl dann sechzehn. Zu dieser kräftig vorangetriebenen Entwicklung gibt es zwei Meinungen: Die Markeninhaber sagen, ihre Präsenz stärke die Marke und komme damit letztlich dem Handel zugute. Der wendet ein, dass jede Regenjacke und jeder Wanderrucksack doch nur einmal von einem Kunden gekauft werde - und zwar entweder im Outdoor-Geschäft oder im Markenstore.

Vor diesem Hintergrund beklagt die Branche, die nach „konservativen Berechnungen“ der European Outdoor Group (EOG) im europäischen Einzelhandel zehn Milliarden Euro umsetzt - 24 Prozent davon in Deutschland, dem größten Teilmarkt - ein sehr uneinheitliches Bild: Je nach Land und Produktkategorie - 52 Prozent entfallen auf Bekleidung, weitere 24 Prozent auf Schuhe - wechseln Klagen über gesättigte Märkte und verstopfte Handelskanäle mit verhaltenem Optimismus und der Erwartung von „vielleicht 5, 6, 7 oder 8 Prozent“ Wachstum. Die Messe Friedrichshafen kann indes mit der von der EOG getragenen Outdoor zufrieden sein: 907 Aussteller aus 39 Nationen mit über tausend Marken auf mehr als 85000 Quadratmeter Bruttofläche, das war auch bei der neunzehnten Auflage wieder Rekord.

Eher düstere Aussichten werden Outdoor-Hardware wie Zelten, Iso-Matten oder Schlafsäcken prognostiziert: „Die Kunden wollen wandern, zelten wollen nur noch die ganz Harten“, meint etwa Klaus Jost von Intersport. Dafür treibt es die längst als Alltagsmode in den Städten angekommene Funktionsbekleidung besonders bunt. Ob Wanderstiefel, kühlendes T-Shirt, Drei-Viertel-Hose mit aufgesetzten Taschen oder winddichte Jacke mit regensicheren Zippern - farblich geht so ziemlich alles: Bonbonrosa genauso wie gedeckte erdfarbene Töne, sonniges Gelb, helles Grün und Himmelblau.

Nach wie vor wollen Hersteller nicht nur mit Funktion, geringem Gewicht und „Technologien“, also dem raffinierten Materialmix ihrer Produkte punkten. Stattdessen darf der Hinweis auf soziale und ökologische Verantwortung nicht fehlen. Das betrifft die „klimaneutrale“ Unternehmenszentrale von Vaude genauso wie Details: Fjällräven ersetzt beim Trekking-Rucksack Kajka die Aluminiumstäbe des Innen-Tragegestells durch mehrfach verleimtes Birkenholz „aus FSC-zertifizierten finnischen Wäldern“.

Manche Neuheiten der Outdoor weisen schon auf die kommende Eurobike hin, etwa die bis zu drei Kilogramm verkraftenden Sattelstützentaschen bei Ortlieb oder die fürs Smartphone überarbeitete Lenkertasche: Ein festes, aber durchsichtiges Dach gibt wasserdichten Blick auf den Bildschirm und erlaubt die Touchscreen-Bedienung. Mit Mio, einem Tochterunternehmen des taiwanischen Herstellers Mitac, betritt jemand mit einfach zu bedienenden GPS-gestützten Fahrradcomputern die Bühne, der bislang für andere produziert hat. Das Navi Mio Cyclo 305 HC zielt auf Alltagsradler und wartet unter anderem mit einem „Surprise-me“-Modus auf. Es schlägt vom ermittelten den Standort aus Touren verschiedener Länge und Dauer vor. Garmin bringt neue Sportuhren: eine für Bergsteiger mit GPS-Funktion am Handgelenk und eine speziell für Schwimmer, die mit einem Beschleunigungssensor Distanz, Schlagzahl und -frequenz misst.

Die - etwa beim Laufen - schlecht ablesbare Sportuhr war gestern, der „Sports Visor Screeneye X“ von O-Synce ist heute. Beleuchtet von einer Luminiszenz-Folie, die in den Stirn-Schild eingearbeitet ist, werden die Daten des Trainingscomputers unterhalb des Schirms auf einen kleinen Monitor angezeigt. Vor dem sitzt eine Lupe, die das Bild so vergrößert, dass sich die Zahlen gut ablesen lassen, wenn das Auge auf eine Distanz von wenigen Metern fokussiert. Dem zweiten Auge wird mit einer Blende am Schirm das Blickfeld blockiert, so dass es für den Betrachter so aussieht, als sehe er die leuchtenden Zahlen mit beiden Augen.

Immer mehr Elektronik unterwegs will natürlich mit Energie versorgt sein, auch fern der Netzsteckdose. In allen Größen werden Solar-Ladestationen offeriert, der BioLite CampStove ist anders: In ihm kann man gesammeltes Holz verfeuern, um auf ihm zu kochen, während er gleichzeitig genug Strom in seinem thermoelektrischen Anbau generiert, um etwa ein Smartphone aufzuladen.

Pfiffig ist auch Scubba, ein innen mit Noppen besetzter Rollsack: Wäsche rein, Wasser und Seife dazu, durchkneten - schon ist die kleine Outdoor-Wäsche erledigt. Ähnlich klein sind im Gepäck die in Bulgarien entwickelten Schneeschuhe namens Smallfoot: zu ihrer wahren Größe werden sie wie kleine Schlauchboote erst im Bedarfsfall aufgeblasen. Ein Hauch von Luxus für die Gipfelfeier kommt von GSI: Der geschmacksneutrale Beutel für eine Flasche Wein nebst Stielgläsern aus Kunststoff, die sich zerlegen lassen.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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