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Opel Rekord B Ausflug ins Gestern

Das erste eigene Auto bleibt allen unvergesslich. Doch noch tiefer ist oft die Verbundenheit zu jenem Auto, das die Kindertage geprägt hat. In unserem Fall war das ein Opel Rekord B.

© Peter Thomas Vergrößern Der Autor fährt nach 40 Jahren wieder das Auto seiner Kindheit

Es war das erste Auto meines Vaters, der damals - 1965 - mit 37 Jahren frisch den Führerschein gemacht hatte. Unsere kleine Familie profitierte wie die meisten vom allgemeinen Aufschwung in Deutschland. Vater hatte gewagt, sich selbständig zu machen, und der eigene Laden florierte. Das große hellblaue Auto, neu gekauft für 8500 Mark, versprach die weite Welt und war für den sechsjährigen Boris eine wahre Sensation. So groß (aber „nur“ 4,53 Meter lang), vier Türen, eine Rückbank, auf der man so wunderbar toben konnte. Sicherheitsgurte oder gar Kindersitze waren noch in weiter Ferne. Mit einem Auto war man wer, das spürte Klein Boris damals schon, und der Rekord war ja kein Kleinwagen. Vater hatte gleich einen „L“ (für Luxus, bessere Ausstattung) bestellt und den 1700er-Motor. 75 PS gab’s, das reichte für eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 150 km/h, der Tacho ging bis 160. Damals waren Streifenband-Tachos in Mode, und es war immer faszinierend anzusehen, wie der Streifen, der von links nach rechts wuchs, erst grün war (bis 40 km/h), dann gelb wurde (bis 100 km/h) und dann rot.

22380217 © Peter Thomas Vergrößern Filigranes Lenkrad und Blinkerhebel

Frank Boris Schmidt Folgen:  

Weil sein Fahrschulwagen ein Dreigang-Handschalter gewesen war (mit dem Hebel am Lenkrad!), musste der eigene Wagen auch so ausgerüstet werden - und vier Gänge hätten zudem 95 Mark Aufpreis gekostet. Gern saß ich in unbeobachteten Momenten hinter dem Lenkrad, spielte Autofahrer und riss immer wieder an dem Hebel, trat die Kupplung, gab Gas und imitierte die Motorengeräusche. Ich erinnere mich noch gut an die Schelte, die es einmal gab, als nach so einer fiktiver Fahrt der Wagen nicht gleich ansprang, und mein Vater dachte, es habe etwas mit meinem Schaffen zu tun.

Noch tiefer sind die Tränen eingegraben, die vergossen wurden, nachdem ein Student mit einem geliehenen Käfer den vor unserem Geschäft geparkten Opel Rekord an der linken Seite von hinten bis vorne ramponiert hatte. Unser Auto sah furchtbar aus.

22380219 © Peter Thomas Vergrößern L wie Luxus ist heute aus der Mode

Doch bald glänzte der Opel wieder. 1968 ging es ins Tessin, für einen Neunjährigen ein Riesenabenteuer. Die erste Reise ins Ausland, und so weit. Für den Sommerurlaub 1969 war nur Bayern das Ziel, unvergessen ist dieser dennoch. Schließlich gab es die Mondlandung mitten in der Nacht mit der unvergesslichen Anweisung meines Vaters: „Bleib wach, damit du es deinen Enkeln erzählen kannst.“ Und die Reifenpanne auf der Autobahn. Vater fing nicht nur den schlingernden Wagen gekonnt ab, auch der Radwechsel war im Handumdrehen erledigt, ein vollwertiges Ersatzrad war noch selbstverständlich. Dass wir im Winter 1969/70 im Schwarzwald um ein Haar in eine tiefe Schlucht gefahren wären, weil nur zwei Winterreifen auf der (angetriebenen) Hinterachse montiert waren, sei nicht verschwiegen. Vater stand das Entsetzen auf dem Gesicht, aber irgendwie ging die Schlucht doch noch an uns vorüber. Inzwischen hatte der Rekord auch ein Radio, das nachgerüstet worden war. Gespannt lauschten wir im Sommer 1970 den frühmorgendlichen Berichten aus Mexiko von der Fußball-WM. Eine Weile lang wurde ich nach unserem Umzug in den Taunus noch nach Frankfurt in die Schule gefahren. Neu waren auch die Nebelscheinwerfer, die nach einer Nebelnacht montiert wurden. Bis heute habe ich so eine Fahrt nie wieder erlebt. Viel mehr als Schrittgeschwindigkeit war nicht drin, so dicht war die Suppe. Fast acht Jahre blieb der heißgeliebte Rekord ein Familienmitglied, bis er im Januar 1973 von einem Mercedes-Benz 200 abgelöst wurde. Ja, Papas Geschäfte liefen weiter gut. Ich durfte den Opel kurz vor dem Abschied im Wald sogar ein paar Meter fahren, Vater bestand darauf.

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