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Opel Adam : Hurra, das Leben ist bunt

Zur Beruhigung der Muttergesellschaft nennt Opel ihn Ädäm Bild: Hersteller

Der Opel Adam ist ein guter Kleinwagen mit farbenfrohen Ideen und müden Motoren. 11.500 Euro kostet die Basisversion und die ist noch nicht mal nackt.

          Es muss in Rüsselsheim eine geheime Ecke geben, in der ein paar Unverzagte verrückte Ideen ausbrüten. Manchmal nehmen sie ihren Mut zusammen, machen daraus ein Automodell und erfreuen sich still daran, in der Hoffnung, es möge sie niemals ein Kostenkiller aus Amerika entdecken. Dann läuft plötzlich der Vorstand durch das Designzentrum, entdeckt das Ding - und will es haben. Zur Beruhigung der Muttergesellschaft nennen sie ihn Ädäm, das klingt unheimlich global, ist aber natürlich albern. Geschrieben wird der Nachwuchsstar denn auch glücklicherweise Adam, so wie der Gründervater aller Opel. Nur drei Jahre ist der „Zufallsfund“ her, im Januar 2013 rollt der Adam zu seiner Kundschaft, die jung, jung geblieben oder einfach sehnsuchtsvoll nach frischen Ideen sein soll.

          Nur Mut: Es muss nicht gelb sein
          Nur Mut: Es muss nicht gelb sein : Bild: Hersteller
          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der Adam hat stets zwei Türen und vier Plätze, er ist 3,70 Meter kurz, also ebenso abgemessen wie ein Mini, und er hat vor allem den Fiat 500 im Blick. Zunächst ist der Verkauf nur in Europa geplant, die größte Hoffnung ruht auf Deutschland und Italien, was misslich ist, denn die Staatsschuldenkrise kommt selbstredend ungelegen. Freilich bringt der in Eisenach gebaute Adam gute Gene mit. Opel inszeniert ihn als farbenfrohen Stimmungsaufheller, der seine Lackierung gern zweifarbig trägt, was betriebswirtschaftliche Zugeständnisse erfordert. Denn die Karosserie muss lackiert werden, dann wird sie abgeklebt und die Türen werden ausgebaut, sodann wird die zweite Farbe aufgetragen. Auch innen lassen sich mittels Verkleidungen und Lichtspielen allerlei Kombinationen zusammenstellen. Das Wunschkonzert ist so umfangreich, dass Opel nicht mal weiß, wie viele Möglichkeiten es gibt. Dass mehr Wert auf schöne Haut denn auf Finish darunter gelegt wurde, lässt sich an auftragenden Schweißnähten, ungedämpften Haltegriffen, fehlenden Kleiderhaken und unverkleideten Schrauben sehen. Technisch habe derlei keine Auswirkung, wird versichert, und schließlich können auch die Rüsselsheimer in der preissensitiven Klasse nicht hexen. Unbequem ist die hohe Ladekante des Kofferraums, in dem zwei Standardkästen Sprudelwasser Platz finden.

          Zwischen cool, günstig und unvollständig rangiert das Unterhaltungsangebot, das gegen moderate 300 Euro Zuschlag aus einem Radio und einer Navigationseinheit besteht, die sich ausschließlich aus mitgebrachten Smartphones speist. Auf das Smartphone, das via Kabel an das Bordgerät angeschlossen wird, muss die Navigation aufgespielt werden (gibt es von Opel für 40 Euro). Hernach lässt sich selbige plus alledem, was ein Smartphone bietet, auf einem gut bedienbaren, aber tief sitzenden Touchscreen anwählen. Ein festes Navi ist nicht im Angebot, weshalb, wer etwa Stauinformationen im Ausland nutzen möchte, auf seinen Handytarif achten sollte.

          Der Adam geht durch die Kurven wie ein Großer
          Der Adam geht durch die Kurven wie ein Großer : Bild: Hersteller

          Individualisierung sei Trumpf, sagt Opel, das mag stimmen, aber die Entwickler taten gut daran, vor lauter Glamour die eigentliche Aufgabe eines Autos nicht zu vergessen. Ja, der Adam ist ein Kleinwagen, weshalb Erwachsene hinten nicht - jedenfalls nicht ohne Verrenkung - sitzen können. Vorn ist indes erfreulich viel Luft, die Position ist bequem, und das ordentlich austarierte Fahrwerk sorgt für guten Kompromiss aus Komfort und Spritzigkeit. Nur die Option des Sportfahrwerks mit den üppigen 18-Zoll-Rädern sollte wohlüberlegt sein, dann gilt: Gelobt sei, was hart macht.

          Der Adam geht durch Kurven wie ein Großer, und hätte er bessere Antriebe, könnte man rundum zufrieden sein. Die drei betagten Benzinmotoren von 51 bis 74 kW (70 bis 100 PS), die Opel „bewährt“ nennt, zeichnen sich durch Schlafmützigkeit aus, der Griff zum stets fünf Vorwärtsgänge sortierenden Schalthebel ist oft gefordert. Immerhin gehen sie angenehm leise zu Werke. Opel erwartet, dass der 1,4-Liter mit 64 kW (87 PS) der meistverkaufte Motor sein wird, er verbraucht in der Praxis wohl um 6 Liter. Etwa ein Jahr nach Markteinführung ist ein neu entwickelter Antrieb geplant, dann soll ein Einliter-Dreizylinder-Turbobenziner in zwei Leistungsstufen (vermutlich eine unter und eine über 100 PS) mitsamt Sechsgangschaltgetriebe in den Adam einziehen. Diesel gibt es nicht.

          Zwischen cool, günstig und unvollständig rangiert das Unterhaltungsangebot, das gegen moderate 300 Euro Zuschlag aus einem Radio und einer Navigationseinheit besteht
          Zwischen cool, günstig und unvollständig rangiert das Unterhaltungsangebot, das gegen moderate 300 Euro Zuschlag aus einem Radio und einer Navigationseinheit besteht : Bild: Hersteller

          Für 11 500 Euro ist der günstigste Adam zu haben, die Basis ist nicht mal nackt, es fehlen aber Annehmlichkeiten wie die Klimaanlage. Viele Kunden werden deshalb zu höheren Ausstattungsvarianten greifen. Trotz erfreulich moderater Preise für Sonderausstattungen dürften in der Regel 15 000 bis 16 000 Euro zu kalkulieren sein für den erfrischendsten Opel seit langem. Hätten die Rüsselsheimer mehr seiner Art in ihren geheimen Ecken stehen, müsste ihnen weniger bange sein.

          Quelle: F.A.Z.

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