Nehmen wir einfach mal an, dass eine Mehrheit der Bevölkerung den Ölwechsel am Auto nicht selbst vornehmen kann oder möchte. Selbst wenn es weniger sind, bleiben genug, die den Tausch des viskosen Safts einem Fachmann überlassen, der dann über einem Auffanggefäß die Ablassschraube des Motors öffnet, einen Strahl hinablässt, bis es nur noch tröpfelt, den Ölfilter wechselt, die Schraube schließt, wo nötig mit einer Kupferdichtung, und dem Motor wieder die exakt richtige Menge Öl verpasst, auf dass der die nächsten zigtausend Kilometer verschleißarm und geschmeidig antreiben kann. Das wären die Schritte, und sie sind nicht unbedingt kompliziert.
Aber eben: Der Fachmann soll es machen, beispielsweise eine Vertragswerkstatt, deren Marke das Fahrzeug ohnehin per Serviceanzeige zu sich beordert hat, die in den vergangenen Wochen täglich erinnernd und mahnend entgegenblinkte, sobald man den Zündschlüssel umdrehte. Da kann man fast nervös werden: Es wird doch nichts Größeres sein? Das Auto rollt in die Hallen, und schon bald kommt der Anruf: Fertig. Im Autohaus wird die Rechnung präsentiert: 260 Euro. Für - fein säuberlich aufgeführt - 4,3 Liter Motoröl, die damit verbundene Arbeitsleistung und noch ein paar inspizierende Blicke aufs und ins Auto. Verwendet wurde „Long Life“-Öl, wie auf der Rechnung vermerkt ist. Warum nur, wenn weitere Zeilen verkünden, dass man in einem Jahr wiederkommen möge, zum Ölwechsel. Das klingt nach einem überteuren Mittel zur Kundenbindung. Vielleicht doch in den anderen Bevölkerungsteil wechseln?
Ein Freundlicher
Wolfgang von der Beeck (WolfgangvdB)
- 07.06.2012, 23:06 Uhr