Dieses Handy taugt als Kultgerät. Nicht etwa, weil es mit besonders originellen Funktionen ausgestattet wäre, exklusive Materialien verwendete oder von einem namhaften Hersteller stammte. Es kann nicht viel, es besteht aus billigem Plastik und kommt von einem bislang unbekannten Unternehmen aus den Vereinigten Staaten. Der Clou ist allein das Konzept und seine Umsetzung: Als Notfallhandy preist es Spare One auf seiner Internetseite an, und es kostet bei der Bestellung in Amerika 70 Dollar.
Wo moderne Smartphones schon nach 15 Stunden schlappmachen, spricht der Hersteller hier von 15 Jahren (!) Bereitschaftszeit. Das mussten wir unbedingt ausprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass ein abschließendes Urteil erst im Jahr 2027 mit dem Erreichen unseres Rentenalters abgegeben werden kann.
Das Spare One ist in zwei Varianten erhältlich, die eine für die amerikanischen Frequenzbereiche 850 und 1900 Megahertz, die andere für 900 und 1800 Megahertz in Europa und Afrika. Hat man das Gerät aus seiner Blisterverpackung herausgeschält, staunt man über die Konstruktion: Es gibt kein Display, sondern im Plastik ein kleines Guckloch, das den Blick auf die schon eingesetzte AA-Batterie freigibt. Eine Batterie, kein Akku, auch ein Ladeanschluss fehlt. Mit dieser einen Mignonzelle soll das Gerät so lange angetrieben werden? Wer die Beschreibung auf der Internetseite genau liest, kommt der Sache näher. Legt man das Gerät mit einer frischen Markenbatterie ausgeschaltet in die Ecke, lässt es sich auch in 15 Jahren noch einschalten und damit telefonieren. Die Güte der Batterie ist der Dreh- und Angelpunkt.
Aber mit dem Verzicht auf das Display und jedweden Schnickschnack ist das Spare One selbst eingeschaltet ein Dauerläufer. Wir haben es am Montag, dem 21. Mai in Betrieb genommen, seither nicht ausgeschaltet, gelegentlich damit telefoniert - und es läuft noch immer.
Doch wie bedient man ein Handy ohne Display? Das geht verblüffend gut, weil Spare One außer der Telefonie so gut wie nichts kann. SMS lassen sich zwar empfangen, aber natürlich nicht anzeigen. Vielmehr erhält der Absender eine Nachricht retour, dass man bitte anrufen möge. Die neun numerischen Tasten lassen sich mit Rufnummern programmieren, und damit ist die gesamte Funktionalität erschöpfend behandelt. Der einzige Luxus ist die Taschenlampenfunktion, auf Knopfdruck wird eine Leuchte an der Vorderseite eingeschaltet. Es gibt keinen Hinweis auf verpasste Anrufe, und zwei kleine Leuchtdioden im Guckloch informieren über den Netzstatus (eingebucht, auf Netzsuche) sowie den Batteriestand in drei Stufen. Nach einiger Zeit schalten sie sich ab, so dass abermals Strom gespart wird. Alles in allem ein faszinierendes Handy, sei es für Notfälle, den Einsatz im Wochenendhaus oder als Begleiter auf Sporttouren, wenn man sein teures Smartphone vor Widrigkeiten wie Wetter und Schmutz schützen möchte.
Warum der Verzicht?
Maximilian Meier (maxmeier999)
- 20.06.2012, 10:28 Uhr
SIM-Karte...
Tino Escher (elton100000)
- 18.06.2012, 08:09 Uhr
hmmm
Björn Gambal (d0nald)
- 18.06.2012, 01:22 Uhr
Bereitschaft ist nicht alles
George Rauscher (misterpocket)
- 17.06.2012, 23:35 Uhr
Und die SIM-Karte?
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 17.06.2012, 20:20 Uhr