Home
http://www.faz.net/-gy9-6wdr7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Noch höheres HDTV Pixel-Rekorde für die Fernseher von morgen

07.01.2012 ·  Viel ist nicht genug: HDTV wird jetzt noch um ein Vielfaches getoppt. Erste Super-Schirme sind schon im Handel. Weitere Tests gibt es in London im Sommer.

Von Rainer Bücken
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (7)

Eben erst haben wir uns an HDTV mit seinen gestochen scharfen Bildern gewöhnt, da tüftelt die Industrie schon an einer Fernsehzukunft, die uns noch weit größere Pixelfülle ins Wohnzimmer bringen soll - vorzugsweise auf Bildschirmen von wandfüllendem Kaliber. Vereinzelte Kostproben gab es auf der Fachmesse IFA Anfang September in Berlin zu sehen, zum Beispiel bei Toshiba: Das 55 Zoll große Fernseh-Flaggschiff dieses Herstellers, 55ZL2G genannt, zeigt die vierfache Anzahl an einzelnen Bildpunkten, die gängige Full-HD-Bildschirme heute bieten - also stolze 3840 mal 2160 Pixel. Zwar dient das superfeine Raster diesem Apparat vor allem dazu, brillenlosen 3D-Betrieb mit annehmbarer Bildqualität zu ermöglichen. Aber auch der normale 2D-Betrieb profitiert von der Extrem-Auflösung: Der Bildschirm fügt den normalen High-Definition-Eingangssignalen selbst errechnete Zwischenwerte hinzu und lässt die Bilder aus kurzem Betrachtungsabstand noch differenzierter erscheinen.

Wie demnächst sogar noch mehr Schärfe auf die Bildfläche kommen könnte, demonstrierte Sharp auf seinem Messestand - allerdings noch hinter verschlossenen Türen. In einem Experimentalaufbau traten gleich drei 60-Zoll-Bildschirme zum Vergleich an: Ein konventionelles HDTV-Gerät und je zwei Exemplare mit der vierfachen Bildauflösung. Alle Displays bekamen das gleiche Signal, nämlich Full-HD mit 1920 mal 1080 Bildpunkten zugespielt. Die beiden Super-Schirme mit 3840 mal 2160 Pixeln nutzten unterschiedliche interne Ansteuerungstechniken, um ihre 8,3 Millionen Bildpunkte überhaupt adressieren zu können: eine Variante mit schlichter mathematischer Interpolation und eine andere, die auf raffinierte Weise Kontrastabstufungen und Bewegungen ins Kalkül einbezieht.
Beste Bilder mit feineren Strukturen

Die komplexere der beiden Signalverarbeitungen zeigte natürlich die besten Bilder mit feineren Strukturen, mehr Details und wesentlich deutlicherer Tiefenstaffelung, die oft geradezu plastisch wirkte. Selbst bei Bewegungen funktionierte die „Integrated Cognitive Creation (ICC)“ genannte Technik vorzüglich. Sharp und der Signalverarbeitungsspezialist I-Cube haben dieses Verfahren entwickelt und werden es zur IFA 2012 öffentlich vorstellen. Anschließend sollen die „Super-Resolution“-Geräte in den Handel kommen. Dann allerdings zu deutlich höheren Preisen als die derzeitigen HDTV-Fernseher.

Die Fernsehsender werden solche aufgemotzten Signale allerdings noch lange nicht ausstrahlen. Auf absehbare Zeit bleibt es bei den derzeitigen HD-Sendestandards. Um so wichtiger wird die Qualität der Signalaufbereitung in den künftigen, extrem hoch auflösenden Geräten. Doch nur für große Displays ergibt die Vermehrung der Pixel einen Sinn. Jeder Bildpunkt wird tendenziell kleiner, und die Zuschauer können mit Couch oder Sessel dichter vor das Gerät rücken. Während die Experten bei HDTV die dreifache Bildhöhe als optimalen Betrachtungsabstand empfehlen, wird bei vierfacher Auflösung der günstigste Abstand kürzer; etwa die 1,5fache Bildhöhe gilt als ideal.

Die private Diashow auf einem 4K-Schirm

4K ist, auch wenn es zunächst so scheinen mag, durchaus keine technische Spinnerei: Digitale Fotoapparate mit 12, 18 und mehr Megapixeln sind heute die Regel. Die private Diashow auf einem 4K-Schirm, das kann Toshiba mit seinem 55-Zoll-Boliden heute schon vorführen, sieht einfach atemberaubend aus. Sogar Kamkorder mit 4K-Technik wird man bald kaufen können, etwa von JVC oder von Canon. Große Studiokameras mit der Technik sind jetzt schon zu haben, vor allem für das digitale Kino. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch immer nicht erreicht. Die japanische Fernsehanstalt NHK - Pionier in Sachen HDTV - hat sich nun aufgemacht, die Welt abermals mit noch besseren Bildern zu beglücken. Die japanischen Ingenieure und Wissenschaftler arbeiten an einem System mit 7680 mal 4320 Pixeln (8K mal 4K), also mit der 16fachen HDTV-Auflösung. „Super Hi-Vision ist die nächste HDTV-Generation“, sagt Keiichi Kubota, Leiter des NHK-Forschungslabors. „Wir wollen ein Fernsehsystem für noch größere Displays, das die Zuschauer aus noch größerer Nähe betrachten können.“ So läuft der NHK-Vorschlag für den künftigen Betrachtungsabstand auf die 0,75fache Bildhöhe hinaus - ein entsprechend großes Fernseh- oder Projektionsbild vorausgesetzt. Die Zuschauer sollen sich in der Szene fühlen, von Telepräsenz ist da die Rede. Sharp ist für solche Zukunftsvisionen schon gerüstet: Zur IFA in Berlin zeigte der Hersteller ein 8K-Display. Der Bildschirm-Jumbo hat eine Diagonale von 85 Zoll, also 2,24 Meter. Jedes seiner 33,1 Millionen Pixel ist mit 0,25 Millimetern gerade einmal so breit wie drei Haare.

Während der Olympischen Sommerspiele 2012 in London wollen NHK, die BBC und Olympic Broadcasting Services (OBS) neben 3D erstmals auch Super-Hi-Vision einsetzen und die spektakulären Bilder in öffentlichen Gebäuden und Kinos zeigen - zumindest in England und Japan. Dazu will Sharp ein gutes Dutzend seiner 85-Zoll-Displays zur Verfügung stellen. Panasonic steuert voraussichtlich noch einige 152-Zoll-Plasmas mit einer Diagonale von 3,86 Meter bei.

NHK will mit Super Hi-Vision möglichst schon 2015, spätestens aber 2020 in den Testbetrieb gehen. Das hängt auch von den Fortschritten bei der Datenkompression ab. Eine 8K-Kamera bringt es auf eine Datenrate von 24 Gigabit je Sekunde, ein 16 Terabyte großer Festplattenspeicher reicht nur für 20 Minuten. Erst die Kompressionstechnik H.264 bringt es auf fast schon übersichtliche 260 Megabit je Sekunde (zum Vergleich: HDTV kommt mit 13 Megabit je Sekunde aus).

Die Fraunhofer-Institute und andere Forschungseinrichtungen arbeiten an noch effizienteren Kodierungen, vorerst „High Efficiency Video Coding“ (HEVC) genannt. 2013 könnte daraus ein Standard entstehen, um Super Hi-Vision über Satellit, Kabel und auch terrestrisch zu den Haushalten zu führen. Außerdem wird an den Bildwechselraten geschraubt - nicht mehr 60, sondern 120 Vollbilder sollen das Maß aller Dinge werden, vor allem für Zeitlupenaufnahmen wäre das gut zu gebrauchen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr