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Nissan Leaf : Das vielleicht beste Elektroauto der Welt

Große Augen und ein pummeliger Po: Der Leaf ist extravagant Bild: Boris Schmidt

In Deutschland und in Europa tummelt sich der E-Nissan mitten in der Kompaktklasse. Die Reichweite und das Laden bleiben die Nachteile des Nissan Leaf. Eine erste Probefahrt.

          Es hat etwas gedauert, doch jetzt können auch die Autofahrer in Deutschland den Nissan Leaf kaufen, das vielleicht beste Elektroauto der Welt. Schon seit 2010 wird der 4,45 Meter lange Viertürer, der von Grund auf als Elektroauto konzipiert war, gebaut, seit 2011 ist er in einigen europäischen Ländern zu haben (Großbritannien, Irland, Portugal, Schweiz, Skandinavien) und hat sich dort bisher mehr als 3000 mal verkauft. Insgesamt hat Nissan im japanischen Werk Oppama schon 24.000 Stromer produziert und erwartet eine weiterhin hohe Nachfrage. Um die zu decken, werden im nächsten Jahr Fabriken in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien (Sunderland) die Produktion aufnehmen.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In Deutschland mag man diese Pläne bei zur Zeit etwas abebbender Elektroauto-Begeisterung kritisch sehen, doch fraglos ist das hohe Lob auf den Leaf auch der Tatsache geschuldet, dass es noch kaum Konkurrenz gibt. Der Mitsubishi i-Miev ist einfach zu klein, der Tesla zu teuer, und alle anderen Großserienhersteller inklusive Nissan-Partner Renault sind noch nicht wirklich am Markt. Mit dem Leaf will und kann Nissan ein Weltauto bieten, das für Japan gerade noch nicht zu groß und für Amerika gerade noch nicht zu klein ist.

          In Deutschland und in Europa tummelt sich der E-Nissan mitten in der Kompaktklasse, er hat ein Kofferraumvolumen von 330 Liter oder entsprechend mehr, wenn man die Rückbank umlegt, fünf Passagiere können relativ bequem mitfahren, der Innenraum wirkt hell und freundlich und modern. Über die äußere Hülle kann man sich natürlich streiten, aber auf jeden Fall ist der Leaf sofort an seiner Form zu erkennen. Für ein Auto, das einen Trend setzen soll, ist eine eigenständige Form - siehe Toyota Prius - wichtig.

          Ein Kofferraumvolumen von 330 Liter
          Ein Kofferraumvolumen von 330 Liter : Bild: Hersteller

          Der Preis von 36 990 Euro ist nicht extrem hoch, „schließlich kostet jeder besser ausgestattete Audi A3 so viel“, sagt Nissan-Techniker Florian Wunsch und gibt gleichzeitig zu, dass Nissan bei jedem verkauften Auto drauflegt. Für das Geld bekommt man - das kann man nicht genug betonen - ein schmuckes, gut ausgestattetes Auto, das nur ein Problem hat: die Reichweite.

          Zwar ist die „beste Batterie der Welt“ (Nissan) in der Lage, den Leaf 176 Kilometer weit zu tragen (nach der Norm), und Florian Wunsch schwört, dass er schon 200 Kilometer weit gekommen sei, doch das sind immer noch 200 bis 300 Kilometer zu wenig. Und wer auf der Autobahn richtig Strom gibt, leert die Batterie in rund einer guten halben Stunde und ist dann 80 Kilometer weit gefahren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 145 km/h.

          “Man muss lernen, anders mit dem Auto umzugehen“, sagt der engagierte Wunsch, der von der Schweiz aus die elektrischen Aktivitäten Nissans in Europa koordiniert. Er habe wochenlang jeden Tag den Leaf fast 250 Kilometer pilotiert, morgens 90 Kilometer ins Büro, abends 95 Kilometer zu seiner schwangeren Frau ins Krankenhaus und dann noch 55 Kilometer nach Hause. Das Laden müsse man verinnerlichen, es müsse zum täglich Handgriff werden wie Zähneputzen.

          An einer Schnell-Ladestation ist der Leaf relativ flott in 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen, zu Hause an der zu installierenden Ladebox (Kosten rund 900 Euro) in acht Stunden. Die Batterie hat eine Kapazität von 24 Kilowattstunden. Mit einem „Notkabel“, das zur Serienausstattung gehört, kann der Leaf an jede Steckdose, dann dauert der Ladevorgang aber bis zu 13 Stunden, weil aus Sicherheitsgründen nur wenig Strom gezogen wird.

          Nissan arbeitet in Deutschland mit dem Energieversorger RWE zusammen, der inzwischen 1050 öffentliche Ladestationen (Schwerpunkt Ruhrgebiet und Berlin) errichtet hat, bei RWE kann man auch die Ladebox bestellen. Die noch aufzubauende Infrastruktur sei einer der Gründe gewesen, warum man erst so relativ spät nach Deutschland komme, sagt Wunsch.

          Nissan Deutschland soll ein Kontingent von 700 Autos noch in diesem Jahr verkaufen. Es gibt drei Jahre Garantie und fünf Jahre auf die Batterie. Der Leaf ist umfangreich ausgestattet (Navi, Rückfahrkamera, Tempomat, et cetera), fünf Farben sind im Angebot (Metallic 550 Euro), einzige weitere Extras sind ein kleines Solarpanel fürs Dach (300 Euro, lädt die 12-Volt-Hilfsbatterie) sowie Sitz- und Lenkradheizung (330 Euro). Vermissen mag man allenfalls eine Lederausstattung.

          Das Fahren im Leaf macht dank 180 Newtonmeter Drehmoment, das wie bei jedem E-Auto sofort zur Verfügung steht, richtig Spaß, solange man nicht im Eco-Modus fährt. Hier wirkt der Leaf etwas zugeschnürt, abrufbar sind aber stets die 80 kW (109 PS) der E-Maschine. Das Raumgefühl ist prima. Der Leaf ist nicht zu Unrecht Auto des Jahres 2011 geworden. Demnächst wird der E-Nissan für 14 Tage zum Fuhrpark der Redaktion gehören. Wir sind gespannt, wie er sich im Alltag bewährt.

          Quelle: F.A.Z.

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