Die von Nikon jetzt als reinrassiges Profiwerkzeug für Februar und zum Preis von knapp 6000 Euro angekündigte D4 wird für uns ein Traum bleiben. Und angesichts von Größe, Gewicht und Komplexität der neuen Vollformat-DSLR erscheint es nicht einmal unwahrscheinlich, dass ihr Erwerb zu einem Albtraum werden könnte. Die technischen Eckdaten der als digitale Foto- wie als vorzügliche Filmkamera gleichermaßen einsetzbaren D4 lesen sich freilich geradezu märchenhaft: Der CMOS-Sensor im Format eines Kleinbild-Negativs hat 16,2 Megapixel und kann bis zu 11 Bilder dieser Größe in der Sekunde aufnehmen. Die von ISO 100 bis ISO 12 800 reichende Empfindlichkeit lässt sich derartig steigern, dass sie schwindelerregenden ISO 204 800 entspricht. Der Verschluss besteht aus einem Kevlar-Kohlefaser-Verbund und ist für 400 000 Auslösungen ausgelegt. Über ihren HDMI-Ausgang liefert die Nikon D4 Full-HD-Videos (1920 × 1080) unkomprimiert. Ihre Tonaufnahmen haben HiFi-Qualität, und sie lässt sich über Ethernet und Wireless-LAN in Netzwerke einbinden.
Was war verglichen mit dieser Kamera die 1977 erworbene Nikon F2A für ein schlichter mechanischer Gegenstand. Die Objektive dieser ersten Nikon aber und alle Optiken, die sich im Laufe der Jahrzehnte mit demselben Bajonett hinzugesellten, funktionieren - mit gewissen Einschränkungen - auch an einer aktuellen DSLR von Nikon. Davon trennt man sich nicht so leicht. Und so war es keine Frage, dass es wieder eine Nikon sein sollte. Gefunden werden musste sie als Ersatz eines bejahrten Modells mit DX-Sensor, das sich wie alle elektronischen Nachfolgerinnen als längst nicht so robust wie die unverwüstliche F2A erwiesen hatte. Es stand also keine Vollformat-DSLR aus der Professional-Klasse, wie Nikon das rubriziert, zur Debatte. Die Wahl sollte stattdessen in der Consumer-Liga fallen zwischen der D5100 und der D7000.
Ein knochenhartes Sparbrötchen
Da macht es sich mancher Stammtischbruder - allzu - leicht: Die D7000 ist in ihrer Klasse mit einem Straßenpreis zwischen 900 und 1000 Euro für das nackte Gehäuse das Spitzenmodell. Die D5100 rangiert preislich (Gehäuse im Internetversandhandel knapp 600 Euro) und der Ausstattung nach unter der D7000. Vorausgesetzt, man ist kein knochenhartes Sparbrötchen, weiß man doch, nach welcher Kamera man zu greifen hat, oder? Nun hört und liest man aber, dass das günstigere Modell eine astreine Bildqualität liefere, dass beide Kameras mit dem gleichen Sensor arbeiten, dass die eine dies und die andere das hat, was sie nicht gemeinsam haben: die D5100 etwa das dreh- und schwenkbare Display, die D7000 den Daten-Monitor auf der Gehäuseoberseite und den unmittelbaren Zugang zu Einstellungen über die zahlreicheren Tasten, wofür man bei der D5100 erst in ein - allerdings sehr übersichtliches und kontextbezogen gut erklärtes - Menü einsteigen muss.
Also soll die Entscheidung nicht nach dem Preis und dem Abhaken der Papierdaten fallen, sondern nach einer Phase des Ausprobierens. Montiert wird an beiden Kameras das AF-S Nikkor 1:3,5-5,6/18-105 mm G, ein Standard-Zoom, mit dem die Kameras auch als Kit zu haben sind. Und damit nicht einsame Voreingenommenheit siege, gingen beide Kameras durch mehrere Hände. Das Ergebnis: Die Entscheidungsfindung endet in der Aporie. Oder anders gesagt: alles Geschmacksache. Das eindeutige Besser oder Schlechter, das die in Vergleichstests so beliebte Notengebung suggeriert, die allerdings meistens mit dem Preis und der Liste der technischen Ausstattung korreliert, lässt sich auch durch längeres Diskutieren aller möglichen Details ehrlicherweise nicht herstellen.
Beide Kameras liefern in der Tat eine sehr gute Bildqualität. Beide sind ihrem - sehr wohl verschiedenen - Bedienkonzept nach echt Nikon: ohne Firlefanz und eher technisch orientiert. Aber ob man zum Wechsel in den Serienbild-Modus ein Knöpfchen drückt und links ein Rad dreht (so bei der D7000) oder aber lieber mit dem rechten Daumen neben dem Sucherokular auf die i-Taste drückt und im Menü zum Punkt "Aufnahmebetriebsart" hinuntersaust wie bei der D5100 - das bleibt unentscheidbar persönlicher Vorliebe überlassen. Wer große Hände hat, gern aus einer Hand fotografiert, zwei Speicherkarten-Slots schätzt und Gewicht mit Robustheit gleichsetzt, fühlt sich bei der D7000 richtig. Wer gern aus ungewöhnlichen Perspektiven, von oben oder schräg unten fotografiert und filmt und überhaupt gern auf dem Monitor sieht, was die Kamera aufnehmen wird, aber gern auf zahlreiche Bedienungstasten verzichtet, der wird sich schnell mit der D5100 anfreunden.
Der Vergleich endet nicht unentschieden, sondern unentscheidbar. Er lässt skeptisch auf bis zur Nachkommastelle exakt daherkommende Testergebnisse blicken. Vielleicht müssen wir ja noch auf eine ganz andere Kamera warten - aber schon auf eine Nikon.