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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Neues von der Skibranche Special Operations im Tiefschnee

 ·  Der Winter ist noch voll im Gange, aber die Skibranche ist in Gedanken schon beim nächsten. Das Material steht im Zeichen der Leichtigkeit.

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© Hersteller Ski-Einteiler von Haglöfs

Na also, da ist er ja wieder. Es war damit zu rechnen, weil in gewissen Zyklen alles zurückzukehren scheint. Und doch muss man sich an den Anblick des Ski-Overalls erst wieder gewöhnen nach all den Jahren, die es her ist, dass er eine Rolle spielte in den Bergen. Wann ist das gewesen? In den Achtzigern?

Auf der Münchener Ispo, internationale Leitmesse des Gutdraufseins und Welttreffen der Klima-Membran, wurde der Einteiler von noblen Marken in Szene gesetzt. Haglöfs präsentierte den Rando AS Suit, einen dünnen, aber robusten, schnörkellosen Ski-Einteiler aus dreilagigem Gore-Tex-Material der Sorte „Active“ mit dem Gewicht einer Tüte Federn. 700 Euro kostet das Kleidungsstück, während Millet für seinen Overall Bimb Pro GTX rund 900 Euro ansetzt. Der besteht aus drei verschiedenen Gore-Tex-Materialien - oben die Profi-Sorte „Pro“, an den Beinen Softshell, für die Taschen Paclite - und hat innen Hosenträger und Schnallen. Somit kann man das Oberteil herunterstreifen, zusammenrollen und befestigen, wenn man sich einen Almdudler holt.

Das sich andeutende Comeback des Einteilers auf der Sportartikelmesse in München hängt mit dem Wachsen der Freeride-Szene zusammen. Auch Tourengeher, Skibergsteiger, Leute, denen das Bergauf mindestens so wichtig ist wie das Bergab, zählen zu den Zielgruppen, weniger die gewöhnlichen Pistenfahrer, es sei denn, sie wollen so aussehen, als ob. Der Einteiler verhindert, dass beim Abtauchen in den Tiefschnee selbiger bis zur Unterhose vordringt.

Dicht, warm, leicht, atmend, abriebfest sind die geforderten Eigenschaften heutiger Hightech-Hüllen, zunehmend auch Dehnbarkeit, damit Funktionsjacken und -hosen, statt einzuengen, Bewegungen mitmachen. Primaloft, Hersteller von Isolationsmaterial, bietet für den Einsatz an Knien, Ellbogen, Rücken oder Gesäß nun das sogenannte 4Flex aus elastomeren Mikrofasern an, das in vier Richtungen dehnbar ist. „Stretchige“ Außenstoffe und Membranen habe es schon gegeben, ebensolches Isolationsmaterial aber noch nicht, hebt Primaloft hervor. Die synthetischen Fasern sind so fein, dass ein Gramm davon neun Kilometer lang ist.

Fortschritt bei den Puffys meldet das Unternehmen Polartec. Während eines Rundgangs über die Ispo lernt man, dass unter einem „Puffy“ eine dünne, leichte, zum Verstauen stark komprimierbare, windabweisende, auch im nassen Zustand wärmende Jacke zu verstehen ist, die als mittlere oder äußere Schicht getragen wird. Erstmals sei es gelungen, eine synthetische Wärmeisolation atmungsaktiv zu konstruieren, heißt es, die Anforderung sei ursprünglich von den „US Special Operations Forces“ gekommen. Polartec Alpha wird das Polyester-Gewirk genannt, dessen Geheimnis in der besonderen Art des Strickens liegen soll. Schussfahrt ja, schussfest nein.

Primaloft, Polartec, Gore - Zulieferer wie diese entwickeln die Zutaten für Produkte vieler Outdoormarken. Gore widmet sich dem ewigen Thema der Dichtigkeit und Atmungsaktivität. Für die neue Generation des Dreilagen-Laminats Gore-Tex Pro wird ein neues mehrschichtiges Membransystem verwendet. „Bergsport-Profis“ profitierten von wesentlich strapazierfähigerer, atmungsaktiverer Montur als bisher, lautet das Versprechen.

Arc’teryx zählt zu den Marken, die das neue „Pro“ zum Winter 13/14 einführen, die Kanadier gehören überdies zu den Anbietern, die jetzt zur Isolation synthetisches Material (in diesem Fall Coreloft) mit natürlicher Daune kombinieren, der weiterhin die beste Wärmeleistung nachgesagt wird. Wo Feuchtigkeit auftritt (Achseln, Saum, Bündchen, Schultern) und Daune verklumpen würde, wird sie durch Synthetik ersetzt. Oder es wird, wie im Fall der 900 Euro kostenden Macai-Jacke, zwischen der äußeren Gore-Tex-Schicht und den Daunen-Kammern eine Lage Coreloft-Faservlies eingearbeitet, als zusätzliche Wärmeschicht und Schutz der Daunen gegen Kondensationsfeuchtigkeit.

Jacken in Hybridbauweise also. Ähnlich macht es Jack Wolfskin mit seiner Zenon-Jacke (170 Euro), deren Oberkörperpartien mit Daune gefüllt sind, während für exponierte Stellen wie Schultern, Ärmel, Kapuze die Kunstfaser Fibercloud genutzt wird. Um die wachsende Gemeinde der Schneeschuhgeher kümmert sich Jack Wolfskin mit der neuen, speziell auf diese Naturgenießer zugeschnittenen Nucleon-Produktfamilie. Abfahrer finden bei Ziener die erste Skijacke mit integriertem Rückenprotektor sowie einem Halswirbelschutz, der sich im Kragen wie ein Hörnchen um den Nacken legt. Im Zusammenspiel mit einem Helm beugt der aus dem Motocross adaptierte Schutz einer Nackenüberstreckung vor. Die gemeinsam mit dem Orthopädietechnik-Spezialisten Ortema entwickelte Jacke (“Tasmin“ für Damen, „Trevor“ für Herren, 600 Euro) hat eine Aquashield-Membran und Primaloft-Wattierung.

Auf dem Markt der Abfahrt-Ski sorgen weiterhin die Rocker-Modelle für Impulse. Diese Bretter mit etwas hochgebogenen Enden für leichteres Einlenken und kraftsparendes Fahren verhindern, wie Siegfried Paßreiter vom Bundesverband der Sportartikelindustrie sagt, zumindest ein weiteres Schrumpfen der Verkaufszahlen. In Deutschland werden nur noch rund 300 000 Paar Alpinski im Jahr abgesetzt, vor einigen Jahrzehnten, in der Overall-Ära, waren es noch bis zu 900 000. Immer öfter werden Ski nur geliehen, nicht gekauft. Überangebot, Preiskampf, Verdrängungswettbewerb, sinkende Margen für Industrie und Handel kennzeichnen laut Paßreiter das Geschehen. Beim Snowboard sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Das falle in der Gunst der Wintersportler weiter zurück, zu beobachten sei, dass viele Snowboarder auf Ski umstiegen oder zurückkehrten.

Das liegt wohl unter anderem an den lässigen, vielseitigen, zunehmend beliebten Freeride-Latten fürs Gelände, an den Allmountain-Brettern, die auf und neben der Piste funktionieren, sowie den Tourenski fürs Naturerlebnis fernab der Seilbahn. Alle Hersteller setzen auf diese Trends, selbst eine Racingmarke wie Head: Die neue „All Country“-Linie mit relativ leichten Ski von 78 bis 98 Millimeter Mittenbreite (ab 650 Euro inklusive Bindung) soll die Brücke schlagen zwischen Tourengehen und Abfahrt, für Leute, die von der Bergstation aus noch einen Abstecher in die Landschaft hinaus machen und sich ihren eigenen Weg suchen wollen. Blizzard umwirbt solche Powder-Fans mit seiner „Freemountain Lite“-Baureihe. Ein leichtes Brett wie der Scout (650 Euro) quält einen nicht im Aufstieg, schwimmt mit 108 Millimeter Mittenbreite im Pulver und macht auf der Abfahrt Spaß. K2 will mit dem 90 Millimeter breiten, außerordentlich verwindungssteif konzipierten AMP Rictor 90 XTi (800 Euro) sportliches Pistenfahren mit Freeskiing (abgeflachte Tiefschneeschaufel) verbinden. Nordica hat Gleiches im Sinn mit einer ebenfalls neuen Serie namens Hell & Back (78 bis 84 Millimeter in der Mitte, 400 bis 600 Euro). Der Revert von Black Diamond (95 mm unter der Bindung, 580 Euro) vereint Touren- und Pistenqualitäten. Es geht im Grunde um eierlegende Wollmilchsäue, zu denen jeweils auch die passend abgestimmten Stiefel angeboten werden. Die sollen an den Fuß anpassbar und komfortabel sein, zugleich festen Halt und eine direkte Übertragung des Steuerimpulses auf den Ski gewährleisten, eine rutschsichere Sohle haben sowie einen Schaft, der sich entriegeln und beim Gehen bewegen lässt.

Die Ispo hat gezeigt: Die Branche kämpft um Kunden, lässt sich ständig was einfallen, um den Reiz des Kaufens und des Fahrens zu steigern. Frauen werden schwer umgarnt mit besonders leichtgewichtigem Gerät, Elan beispielsweise bewirbt den Delight QT (3,2 Kilogramm das Paar einschließlich Bindung, 400 Euro) als leichtesten Frauenski überhaupt. Ferner übertragen die Slowenen ihre außergewöhnliche Amphibio-Bauweise mit gerockerter Außenkante und konventionell vorgespannter Innenkante, vor einem Jahr vorgestellt, auf weitere Baureihen - darunter breite Freeride- und sogar schmale Rennsport-Ski.

Rossignol schickt im nächsten Winter Freerider wie den Soul 7 (Mittenbreite 108 mm, 729 Euro) mit patentiertem „Air Tip“ in den Schnee: Ski-Enden, die mit einer luftgefüllten Wabenstruktur versehen und somit besonders gewichtsparend gebaut sind, was den Schwerpunkt an den Fuß heranrücken und der mächtigen, gerockerten Planke zu einer außergewöhnlichen Wendigkeit verhelfen soll. Ähnliches gibt es von Salomon allerdings auch schon. Den Leichtbau auf die Spitze treibt Völkl mit seinem 112 Millimeter breiten Freerider V-Werks Katana für 950 Euro (ohne Bindung). Die fremdartig wirkende Kohlefaser-Maschine ist, abgesehen vom Mittelteil mit dem tragenden Holzkern, flach wie eine 2-Euro-Münze. Direkter, agiler als ein Ski konventioneller Bauweise ist der Karbon-Katana nach Darstellung Völkls, und trotz der enormen Breite auch auf harter Piste umgänglich und griffig.

Die meisten Winterurlauber sind nach wie vor auf planierten Strecken unterwegs und nicht im Gelände. Mit dem sportlichen Pistenrocker Code UVO (76 mm in der Mitte, 700 Euro) führt Völkl die Beruhigungspille für den Ski ein: Auf der Schaufel sitzt ein - mit einem Elastomer befestigtes - Gewicht aus Zinkdruckguss, das frei schwingen kann. Weil es das phasenversetzt gegenüber der Frequenz des Skis tut, tritt nach Angaben der Entwickler ein beruhigender Effekt ein. Dank dieses Vibrationsdämpfers könne der Code UVO leicht, weich, „breitbandig“ konstruiert werden und weise dennoch eine hohe Laufruhe auf.

Eine ganz andere Neuerung verkörpert der Racecarver X-Race von Salomon (799 Euro). Dieses eine Modell soll sämtliche Spielarten des sportlichen Pistenfahrens von Slalom über Riesenslalom bis hin zu Hochgeschwindigkeit mit langen Radien abdecken. Es hänge davon ab, in welcher Länge (1,55 bis 1,80 m) man den dezent gerockerten Ski wähle, heißt es. Derweil will Atomic mit seiner ARC-Technik ein außergewöhnlich „natürliches Fahrgefühl“ erzeugen: Auf allen Typen der Allmountain-Linie Nomad (das 76-mm-Modell Radon beispielsweise kostet 800 Euro) wird die Bindungsplatte nicht mehr vorn und hinten verschraubt, sondern nur noch an einem Punkt in der Mitte. Dadurch werde der Ski nicht mehr daran gehindert, sich wie ein Bogen „natürlich durchzubiegen“, dem Untergrund anzupassen, wird erklärt, die Folge seien präziser Grip und bessere Kontrolle. „Revolutionär“, schwärmt Atomic, „Skifahren neu erfunden“. Aber das behaupten sie doch alle.

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