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Smartphone-Betriebssystem : Firefox gegen Apple, Google und Microsoft

Ein Smartphone von ZTE mit Firefox Bild: dpa

Mit mehreren Mobilfunkanbietern und Geräteherstellern hat die Mozilla Foundation in Barcelona ihr Betriebssystem für internetfähige Mobiltelefone vorgestellt.

          Es ist ein Scherz, den Gary Kovacs macht, aber er zeigt auch, auf wen der Vorstandsvorsitzende der Mozilla Stiftung am Sonntagabend zielte. Gerade will Kovacs auf dem Mobile World Congress, dem wichtigsten Branchentreffen der Mobilfunkindustrie in Barcelona, das neue Betriebssystem Firefox OS vorstellen, das sein nicht gewinnorientiertes Unternehmen mit mehr als 23 Partnern aus der Mobilfunk- und Technologieindustrie entwickelt hat. Doch die Fernsteuerung für den Präsentationsbildschirm funktioniert nicht. „Ich benutze dafür ein iPhone“, sagt Kovacs, um gleich hinterher zu schieben, dass er diese kleine Spitze gegen Apple natürlich nicht ernst meine.

          Sie sind zwar an diesem Abend nicht anwesend, aber vieles von dem, was die Teilnehmer der Mozilla-Veranstaltung sagen, richtet sich gegen das Duopol, das den Markt für internetfähige Mobiltelefone beherrscht: Google und Apple. In Europa wird nach Daten des Marktforschungsunternehmens Forrester Ende dieses Jahres mehr als die Hälfte der internetfähigen Mobiltelefone mit dem Betriebssystem Android von Google laufen. Apple wird auf mehr als einem Viertel der Smartphones vertreten sein. In anderen Ländern teilen sich die beiden ebenfalls einen Großteil des Marktes. Gegen diese Macht will nun auch Mozilla antreten – mit einem Betriebssystem, das so heißt wie der Internetbrowser, den nach Kovacs Angaben inzwischen mehr als eine halbe Milliarde Menschen nutzen: Firefox. „Gutes zu tun, ist Teil unseres Programms“, lautet ein Motto der Mozilla Stiftung. „Wir sind keine Kapitalisten“, sagt Gary Kovacs am Sonntag. Und: „Wir glauben, dass nicht allein zwei Unternehmen genehmigen sollten, welche Inhalte 6,5 Milliarden Menschen verwenden.“

          Kovacs redet viel vom freien Internet.  Sein Betriebssystem, das auf der offenen Internetprogrammiersprache HTML5 basiert, soll ebenfalls frei und offen sein: für Nutzer, aber auch Entwicklern der Anwendungsprogramme. Zwar wird Mozilla auch einen App-Store mit dem Namen „Marketplace“ anbieten. Doch können FirefoxOS-Nutzer auch abseits dieses Ortes Programme finden: im Internet – ein klares Gegengewicht zu den eingezäunten Systemen von Google und Apple, die bestimmen, welche Programme auf ihre Plattformen kommen und welche nicht.

          Für die ebenfalls anwesenden Mobilfunkunternehmen und die Gerätehersteller ist das neue Betriebssystem dagegen eher ein Regulativ, um mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Zwar spricht auch der Vorstandsvorsitzende der spanischen Telefónica, César Alierta, offen von einem Duopol, das es zu knacken gelte. Doch will etwa René Obermann, der Chef Deutschen Telekom, mehr Wahlfreiheit für Kunden schaffen. Was nichts anderes bedeutet, als mehr Verhandlungsspielraum für sich selbst.  Dieses Ziel macht natürlich auch die Gerätehersteller glücklich. ZTE, LG, Huawei und Alcatel One Touch produzieren die Geräte, auf denen FirefoxOS laufen sollen. Ein weiterer Betriebssystemanbieter neben Windows Phone und Android wird es ihnen ebenfalls erleichtern, mit Google und Microsoft zu verhandeln.

          Mit dem Betriebssystem Firefox OS erhalten vor allem erst einmal Mobilfunknutzer in Schwellenländern die Wahl. Die Deutsche Telekom wird das System im Sommer zuerst ihren polnischen Kunden anbieten und will später in weitere osteuropäische Länder expandieren. Der Telefónica-Vorstandsvorsitzende Alierta hat mit Geräten der Marken LG und ZTE Märkte wie Brasilien, Venezuela und Kolumbien im Blick. Und Jon Fredrik Baksaas von der norwegischen Telefongesellschaft Telenor, schielt auf Serbien, Ungarn und Montenegro. „Durch das neue Betriebssystem wird der Markt größer“, sagte Telekom-Chef Obermann nach der Präsentation. „Wir erreichen nun auch Menschen, die bisher nicht so einkommensstark waren, um sich ein Smartphone leisten zu können.“ Es gehe um die nächsten zwei Milliarden Menschen, die Anschluss ans Internet wollte, sagt Gary Kovacs. Denen könne man nun mittel- bis oberklassige Smartphonefunktionen bieten zu einem Preis, der einem mittleren bis oberklassigen herkömmlichen Handy entsprechen soll.

          Doch ob das System wirklich schon so weit ist, um Kovacs Versprechung einzulösen, ist unklar. Es sei zwar ein großer Erfolg für Mozilla, in nur zwei Jahren Entwicklungszeit so viele Unterstützer aus der Industrie gefunden zu haben, urteilte der Marktforscher Ovum nach der Präsentation. Allerdings werde der Erfolg des Betriebssystems auch davon abhängen, wie die tatsächlich vertriebenen Geräte funktionieren und wie viele Programme Entwickler für das System bereitstellen. „Der wahre Lackmustest für die langfristigen Aussichten wird die Qualität der Software sein selbst“, sagte Ovum-Analyst Tony Cripps. Erst dann wird sich daher auch zeigen, ob Kovacs weiter Witze über andere Anbieter machen kann, oder ob er möglicherweise selbst zum Ziel des Spotts wird.

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