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Mobile World Congress Mozilla präsentiert Firefox für Smartphones

Nach Apple, Google und anderen Firmen hat nun auch der Firefox-Entwickler Mozilla ein Betriebssystem für Handys gestartet. Das Firefox-Handy ist anders als iPhone und Co. und kann in der Leistung kaum mithalten.

© Mozilla.org Vergrößern

Smartphones sollen billiger werden und so offen wie das Internet sein - mit dieser Ansage hat das Mozilla-Projekt am Sonntagabend in Barcelona sein neues Handy-Betriebssystem vorgestellt, das Firefox OS.

Das Firefox-Handy ist anders als iPhone und Co. und kann in der Leistung kaum mithalten. Aber dafür ist es erschwinglich. Die Chancen für einen Erfolg stehen gar nicht so schlecht. Gleich 18 Mobilfunk-Anbieter unterstützen das Mozilla-System. „Es ist unsere Aufgabe, das Internet zu den Massen zu bringen“, sagte der Vorstandschef des norwegischen Telekom-Anbieters Telenor, Jon Fredrick Baksaas, bei der Präsentation auf der Branchenmesse Mobile World Congress (MWC).

Mozilla hat sich der Open-Source-Idee verschrieben: Wie beim PC-Betriebssystem Linux ist der Quellcode der Software offen, alle können ihn weiterentwickeln und verändern. Hier sehen die Mobilfunkbetreiber eine Chance, wieder eine größere Rolle zu spielen. „Wir wollen Teil des Projekts sein und wir wollen mithelfen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann. Er kündigte für den Sommer in Polen ein erstes Firefox-Smartphone für Europa an, hergestellt von Alcatel. Weitere osteuropäische Länder sollen noch in diesem Jahr folgen.

Zielgruppe in Schwellenländern

„Wir fangen mit Geräten an, die etwas langsamer sind und optimieren das dann“, erklärte der Mozilla-Entwickler Christian Heilmann. Zielgruppe sind nicht die Konsum-Eliten in den reichen Ländern, sondern Menschen in Schwellenländern wie Brasilien oder Indien. In vier oder fünf Jahren könne er sich das Firefox-Smartphone aber auch in den „Best Markets“ wie Amerika oder Deutschland vorstellen, sagte Heilmann. Tablet-Computer mit Firefox OS seien noch nicht geplant, doch gebe es bereits Entwickler, die das ausprobierten.

Apple und die Hersteller von Android-Telefonen müssen sich vorerst wohl nicht sorgen um die neue Konkurrenz. Aber für Anbieter, die wie Nokia oder Huawei ebenfalls ihren Blick auf die große Kundschaft in den Schwellenländern richten, könnte sich der Wettbewerb weiter verschärfen. Huawei-Manager Lars-Christian Weisswange äußert sich in Barcelona skeptisch über Firefox OS: „Heutzutage fährt man mit Android am besten.“ Es sei die Frage, „ob und wann der Markt das will“.

Dass günstige Smartphones ein großes Potenzial haben, ist unbestritten. So unterstützen auch Intel und Samsung ein mobiles Betriebssystem auf Linux-Basis - der Smartphone-Marktführer aus Südkorea soll sein erstes Gerät mit diesem System namens Tizen bereits in der Schublade haben.

Ein Betriebssystem stellt alle nötigen Schnittstellen zwischen den Hardware-Bausteinen des Smartphones und der Software bereit. Dafür sorgen bei Firefox OS eine Reihe von Software-Bausteinen rund um HTML5 und JavaScript, die schlanke Linux-Plattform Gonk und die Software Gecko, die Web-Apps zum Laufen bringen. Auch Android hat einen Linux-Kern. „Android ist zwar offen, aber nicht Open-Source“, sagte Heilmann auf die Frage, ob nicht schon das Google-System das leisten kann, was jetzt mit dem Firefox OS angestrebt wird.

„Internet sollte nie von Firmen kontrolliert werden“

Und für Google stehen wie für alle großen Anbieter die kommerziellen Interessen im Mittelpunkt. Deswegen haben diese ihre Systeme so gestaltet, dass die Nutzer in ihrem jeweiligen Ökosystem bleiben, wie das in der Branche genannt wird. Und an den Online-Shops für die große Vielfalt der Apps verdienen die Anbieter kräftig mit. Beim Firefox-Handy soll wieder das gesamte Internet zum App-Shop werden, die Anwendungen können über den „Firefox Marketplace“ gefunden und heruntergeladen werden. „Firefox OS reißt die Mauern zwischen Apps und dem Web ein, weil Firefox-OS-Apps auf Webtechnologien wie HTML5 basieren“, erklärte Mozilla-Manager Jay Sullivan.

Mozilla geht die Sache mit einer gehörigen Portion Sendungsbewusstsein an. „Das Internet sollte nie von irgendwelchen Firmen kontrolliert werden“, sagte Mozilla-Chef Gary Kovacs mit Blick auf Google oder Apple. Als erste Geräte stellte er zwei Smartphones der Hersteller Alcatel und ZTE vor. Kovacs gab sich aber sicher: „Es werden noch weit mehr kommen.“

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Quelle: DPA

 
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Veröffentlicht: 24.02.2013, 18:22 Uhr