http://www.faz.net/-gy9-77767
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.03.2013, 08:00 Uhr

Musikspieler Astell&Kern Richtig gute Musik immer dabei

Mit einem neuen MP3-Player kann man heutzutage niemanden mehr überraschen. Mit einem mobilen Taschenspieler, der hochauflösende Audiodateien in bester Qualität abspielt, aber schon. Denn das kann der Astell&Kern von Iriver.

von Gerold Lingnau
© Hersteller Das kleine Kästchen liegt gewichtig in der Hand

„Konzertsaal im Hosentaschenformat“ - kein geringer Anspruch. Tatsache ist, dass die gängigen Taschenspieler der iPod- oder Smartphone-Klasse nicht gerade mobile Konzertsaalatmosphäre schaffen können, wegen der von ihnen unterstützten Audio-Formate und der beschränkten Qualität ihrer Digital-Analog-Wandler. Das koreanische Unternehmen Iriver, Hersteller aller möglichen Audio- und Videogeräte und Urheber jener selbstbewussten Aussage, will dem abhelfen. Das Mittel dazu heißt Astell&Kern AK 100 - der Name soll „europäisch“ und wertvoll klingen, und das tut er wohl auch - und ist ein nur 8 × 6 × 1,4 Zentimeter kleines Kästchen in einem schicken Kleid aus gebürstetem Aluminium, das gewichtig in der Hand liegt (rund 125 Gramm) und den Eindruck macht, als könnte es unbeschadet durch einen Basketball-Korb geworfen werden.

Entscheidend ist aber sein Innenleben. Darin arbeitet ein hochwertiger Stereo-D/A-Wandler von Wolfson (WM 8740), der mit Bitbreiten von 16 bis 24 und mit Abtastraten bis 192 Kilohertz umgehen kann und für sämtliche gängigen Formate - mittlerweile sogar ALAC, AAC und AIFF - gerüstet ist. Die können auf insgesamt 96 Gigabyte gespeichert werden, ein Drittel davon intern in einem Flash-Speicher, der Rest auf zwei SD-Karten. Ein berührungsempfindliches 2,4-Zoll-Display mit IPS-Technik für verbesserten Blickwinkel und ein etwas wackelig geratenes Stellrädchen für die analoge Lautstärkeregelung in 150 Stufen komplettieren die ansehnliche Hardware.

Digital Life Tech Test-The Pocket Audiophile © dapd Vergrößern Alles Wichtige ist auf dem Display zu sehen

Die Messwerte für Jitter, Geräuschspannungsabstand und Übersprechdämpfung sind exzellent und würden jeder teuren stationären HiFi-Anlage zur Ehre gereichen. Mit dem Computer verbindet sich der AK 100 via USB-Kabel (allein damit lässt sich sein 2000-Milliampere-Akku auch aufladen, von leer bis voll in fünf Stunden). Über einen optischen Digitaleingang kann sich der Iriver-Winzling als externer Wandler für digitale Zuspieler betätigen, und ein Ausgang dient sowohl dem analogen Klinken-Anschluss von Kopfhörer oder HiFi-Verstärker wie auch der digitalen (optischen) Verbindung zu einem externen Wandler oder einem anderen Gerät mit optischem Eingang. Beide Buchsen müssten allerdings besser erkennbar bezeichnet sein. Auch Bluetooth wird unterstützt, aber noch nicht 4.0.

Schon optisch macht der AK 100 Freude mit seiner hübschen Display-Grafik, auf der alle wichtigen Informationen zum gerade Abgespielten versammelt sind; eine Ebene dahinter gibt es weitere Angaben zu Dateityp und -größe, Bit- und Abtast-Rate. Mit einem Fünf-Band-Equalizer lassen sich individuelle Klangeinstellungen wählen. Eine Zusatz-Software hilft bei der Archivierungsarbeit und beim Direktüberspielen von CDs, sie kooperiert aber nur mit Windows-Rechnern, nicht mit Macs. Der Akku des AK 100 reicht für maximal zwölf Stunden Hören von CD-Musik im verlustfreien FLAC-Format mit 24 Bit/96 kHz, 15 Stunden sind es bei MP3-Files.

Mehr zum Thema

Klanglich lässt der kleine Koreaner wahrlich nichts anbrennen. Mit einem guten Kopfhörer, den man ihm schon gönnen muss, lässt er alle Vergleiche mit braven MP3-Spielern weit hinter sich: Hier kommt richtig Musik heraus, sämtliche Genres profitieren enorm von der aufwendigen Hardware des Luxus-Kästchens. Aber auch an der HiFi-Anlage erweist es sich als kompetenter Zuspieler, erst recht, wenn es dort mit Besserem als dem CD-Format (16 Bit/44,1 kHz) antritt. Sein eigentliches Revier ist aber die mobile Nutzung, und wenn der AK 100 hier recht schwer in der Tasche liegt, verzeiht man ihm das gern angesichts seiner Qualitäten. Allerdings liegt der kleine Kerl seinem Käufer auch schwer auf der Tasche: Rund 700 Euro kostet er, die teuren Bauteile lassen grüßen. Aber derzeit bekommt der Jogger oder Vielreisende wohl keinen Hosentaschen-Konzertsaal billiger.

Bezugsquellen: www.astell-kern.de

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spekulation um neues Gerät Auch Apple will mit uns reden

Es ist nur Spekulation, aber eine erwartbare: Nach Amazon und Google will nun auch Apple ein Gerät auf den Markt bringen, dem wir zu Hause unsere Wünsche zurufen. Wozu eigentlich? Mehr Von Marco Dettweiler

25.05.2016, 12:11 Uhr | Technik-Motor
Aus dem neuen Album Bob Dylan: All The Way (Audio)

Aus dem neuen Album: Bob Dylan: All The Way (Audio) Mehr

19.05.2016, 17:34 Uhr | Feuilleton
Zukunft des Radios Die Digitalisierung muss sich an den Hörern orientieren

Die Zukunft des Hörfunks ist digital. Das heißt nicht, dass UKW einfach abgeschaltet werden darf. Geschähe dies, blieben Sender auf der Strecke. Das Programm verlagert sich aufs Smartphone. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Kai Fischer

22.05.2016, 15:28 Uhr | Feuilleton
Dank EU-Fördermittel Slowenisches Dorf wird zum Kulturzentrum

Das Dorf Smarje in Slowenien hat eine Bibliothek, einen Konzertsaal, ein modernes Theater und einen Kinosaal. Der clevere Bürgermeister hat alles beantragt, was die Europäische Union an Fördermitteln anbietet – und diese auch erhalten. Mehr

23.05.2016, 02:00 Uhr | Feuilleton
Mobiler Alleskönner Ein Radio mit Nebenjobs

Der Alleskönner Multiplay 8 verspricht viel: Radio, Videoplayer, Wecker und Smarthome-Steuerzentrale. Doch kann das multimediale Taschenmesser auch in sämtlichen Bereichen wirklich überzeugen? Mehr Von Wolfgang Tunze

28.05.2016, 09:30 Uhr | Technik-Motor

Gefährliche Links

Von Michael Spehr

Der E-Mail-Speicher ist knapp – eine Datenwolke wie die Cloud oder Dropbox nicht. Aber bei der Nutzung ist Vorsicht geboten, denn Betrüger haben dort oft einfaches Spiel. Mehr 0