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Multitasking Telefonzirkus im Taxi

So weit die salvatorische Klausel: Wir alle sind allzumal Sünder, rauchen, essen, trinken und telefonieren hinter dem Lenkrad. Doch was war in diesem Taxi eigentlich los?

Die Fahrt zum Flughafen setzte sich zusammen wie immer: ein Drittel Stau, ein Drittel Stop-and-go, ein Drittel Autobahn à tempo. Der Wagen war ein Fünfer von BMW, der Fahrer ein Mitbürger mit Migrationshintergrund, und die im lederverkleideten Innenraum versammelte Anzahl der Kommunikationsmittel erreichte eine zweistellige Größe. Die beiden Fahrgäste auf den Rücksitzen betatschten ihre Touchscreens: der eine den seines Geschäftshandys, dieweil sein Privathandy in der Manteltasche einen Veitstanz aufführte. Der andre Fahrgast stocherte auf seinem Tablet PC herum: Man will schließlich wissen, ob der Zielflughafen noch offen ist und nicht etwa vom Schneegestöber eines Tiefdruckgebiets oder Streikenden belagert wird. So weit die salvatorische Klausel: Wir alle sind allzumal Sünder, rauchen, essen, trinken und telefonieren hinter dem Lenkrad.

Besagter Taxichauffeur jonglierte: Rechter Hand mit dem Joystick seines BMW-Bordinfotainmentsystems rief er sich alle möglichen Seiten auf, die allerdings auch nichts Besseres wussten als Stau, Stop-and-go und husch, husch über die Autobahn mit leise gedrehter pentatonischer Musik. Sodann funkte der Fahrer mit seiner Zentrale: eine ziemlich schlechte Verbindung.

Und schließlich waren da noch drei Cellular-Telefone: Eins klemmte dort, wo man sich öffentlich nicht hingreift, es sei denn, man heiße Michael Jackson, eins lag rechts neben dem Joystick und das dritte irgendwo links. Abwechselnd klingelte immer eins, wurde ergriffen und so hektisch wie rauhkehlig besprochen. Aus Mangel an Sprachkenntnissen soll hier nicht behauptet werden, dass der Fahrer an der Teheraner Pistazienbörse mitzockte oder dass es um ähnliche Zweit- und Drittjobs ging. Nur so viel: Die stummen Anrufungen des heiligen Christophorus wurden jedes Mal inbrünstiger, wenn wieder ebenso abrupt wie zwischen Handy eins, zwei und drei zwischen ebenso vielen Fahrspuren und noch mehr Tempi ein fliegender Wechsel stattfand - gesteuert von heftigen Tritten auf Gas- und Bremspedal sowie von zwei Fingern am Lenkkranz.

Quelle: F.A.S.

 
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