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Veröffentlicht: 02.01.2012, 15:20 Uhr

Müllentsorgung Ein Hoch auf unterirdische Mülleimer


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Anders in Deutschland. Hier war Müll schon immer personenbezogen, was man daran erkennt, dass man vor neu errichtete Einfamilienhäusern lieber einen mehrere Quadratmeter großen Müllplatz einrichtet, als zusammen mit den Nachbarn eine Gemeinschaftsanlage zu betreiben. Ganz nach dem Motto: Mein Abfall gehört mir. In meine Tonne lass ich keinen fremden Müll. Und zahlen will ich möglichst wenig, auch wenn ich dafür beim Blick aus dem Küchenfenster ein Spalier verschiedenfarbiger Tonnen sehe.
Nur Tonnen, die den Test bestehen, werden geleert

Diese traditionelle Müllfront scheint langsam zu bröckeln. Mit ein Grund dafür ist die Barcode- und Transpondertechnik, wie wir sie seit langen vom Einkaufen im Supermarkt und im Textilhandel her kennen. So sind heute bereits rund 35 Prozent unserer Sammeltonnen mit Indent-Chips ausgestattet, die beim Hochhieven und Entleeren in das Müllfahrzeug den Behälter „als ordnungsgemäß registriert“ erfassen können. Nur Tonnen, die den Test bestehen, werden geleert. Untergeschobene schwarze Schafe, das sind Tonnen für wenige Euro aus dem Baumarkt, bleiben stehen. Mit dieser Technik ist es möglich, nur dann einen Strich auf der personalisierten Sammelliste zu machen, wenn der Behälter zum Leeren an den Straßenrand gestellt wird.

18054851 © Hersteller Vergrößern Es kann dauern, bis dieser kleine Mülleimer voll ist

Das senkt die Logistikkosten, aber nicht das Müllaufkommen, haben sich doch längst effektive Komprimierungsverfahren etabliert: Gute Ergebnisse lassen sich mit dem klassischen Spaten erzielen, der dazu mehrmals kraftvoll in die Tonne gestoßen wird. Wer es noch kompakter will, der kauft sich eine Spindelpresse, die am Rand des Abfalleimers verspannt wird. Und für Großküchen bietet der Bludenzer Hersteller Bitschnau einen Nassmüll-Verdichter an, mit dem sich das Volumen des Biomülls auf bis zu 20 Prozent reduzieren lässt. Das aus hochwertigem Edelstahl gefertigte Gerät hört auf den Namen „Edelsau“, was, wie der österreichische Fabrikant selbstkritisch schreibt, gewöhnungsbedürftig sei, aber den Nagel auf den Kopf treffe: Was früher die Schweine bekamen, bekomme heute eben die Edelsau, die vollautomatisch, wartungsfreundlich und extrem pflegeleicht sei.

18054819 © Hersteller Vergrößern Das sieht doch sauber aus

Bis zu fünf Kubikmeter Abfall fassen die mittlerweile vereinzelt anzutreffenden unterirdischen Mülleimer. Das sind aber nicht die Einfachsysteme, die man während des Urlaubs im Ausland bewundert hat. Deutsche Unterflureimer stecken voller „Intelligenz“: So lassen sich die Einlassklappen nur öffnen, wenn man den zuvor von der Hausverwaltung ausgeteilten Ident-Chip vor das am Füllschacht angebrachte Lesegerät hält. Andere Systeme arbeiten mit Nummerncodes, wie etwa ein im Kölner Rheinhafen installierter Abfallgehälter. Auf ihn können die anlegenden Binnenschiffer zugreifen, denen man den Zugangscode per SMS zubeamt.

Nach den Aussagen von Eric Bernhard gehört dem „intelligenten“ Mülleimer die Zukunft. Nicht nur, weil man damit bei den Bürgern individuell und abhängig von ihrem Müllaufkommen abrechnen kann. Speziell mit Unterflurbehältern lasse sich zudem eine vergleichsweise sehr hohe Sortenreinheit des Abfalls erreichen, was den Wiedereinsatz der Wertstoffe erleichtere. Und moderne Müllcontainer detektieren in regelmäßigem Abstand ihren Füllgrad und melden ihn an eine Zentrale, so dass die Sammelfahrzeuge nur dann losgeschickt werden, wenn es erforderlich ist. Damit reduziert sich deren Kraftstoffverbrauch. Und entsprechend sinken die CO2-Emissionen.

18054812 © Hersteller Vergrößern Der „intelligente“ Papierkorb meldet, wenn er voll ist

Längst gibt es kommunizierende Papiereimer, die vor allem in Fußgängerzonen aufgestellt werden. Sie komprimieren in regelmäßigen zeitlichen Abständen ihren Inhalt, so dass sie deutlich seltener geleert werden müssen. Doch der Clou besteht in ihrer Energieautarkie. Sie brauchen keinen Stromanschluss, man muss dafür weder Gräben ziehen noch Kabel verbuddeln, denn sie holen sich die Energie aus dem Sonnenlicht, das von aufgeschraubten Photovoltaikzellen zu Strom gewandelt wird. Genug, um auch in schattigen Regionen wie Deutschland die Presse laufen zu lassen und sich bei der Einsatzzentrale zu melden.

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