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Motorsäge : Schein-Fertigkeit

Der jüngste Witz ist der Motorsägen-Führerschein. Ohne den geht nichts mehr, sagt der Förster. Auch dann nicht, wenn man jahrzehntelang im Wald gesägt hat.

          Wer sich wundert, dass die Deutschen so oft mit dicken Brieftaschen herumlaufen - es liegt daran, dass heute für so gut wie alles ein Befähigungsnachweis verlangt wird. Beispiel Angelschein. Da reicht es nicht, die Prüfung zu bestehen, verpflichtend ist eine Woche Unterricht. Dort lernt man Schonmaße auswendig, die in jeder Tabelle stehen, und übt das Werfen von Fliegenschnüren, die man nie wieder in die Hand nehmen wird. Erzähl das mal einem Schweden, der lacht sich krumm. Angeblich dient das dem Tierschutz, aber in Mecklenburg kriegt der Tourist den Schein auch so.

          Der jüngste Witz dieser Art ist der Motorsägen-Führerschein. Ohne den geht nichts mehr, sagt der Förster. Auch dann nicht, wenn man jahrzehntelang im Wald gesägt hat, ohne sich einen Kratzer zu holen, und selbst den Kursus geben könnte. Aus seiner Sicht ist das verständlich, denn wenn sich einer in den Fuß sägt, ist der Förster schuld. Wieso eigentlich? Für den Lappen gehen ein Wochenende und ein Hunderter drauf. Dafür weiß der Teilnehmer am Ende, dass an der Motorsäge der Motor hinten und die Säge vorne ist. Für den Anfänger ist das vielleicht nötig, aber den Altgedienten sollte man die Lizenz wegen erwiesener Befähigung auch so erteilen. Nur ist darauf die deutsche Bürokratie nicht angelegt. So ist das also: Der Schein sagt, dass man etwas darf. Ob man es auch kann, steht auf einem anderen Blatt.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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          Quelle: F.A.Z.

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