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Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC : Blockierschutz auch beim Bremsen in Schräglage

  • -Aktualisiert am

Beide Bauteile bilden zusammen mit Radsensoren und einer ausgeklügelten Software die Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC Bild: Hersteller

MSC wird möglicherweise die Welt des Motorrads nachhaltig beeinflussen. Bosch bringt 2013 die Motorrad-Stabilitätskontrolle, das auch in Kurven das Blockieren von Rädern unterbinden soll.

          Wenn vom übernächsten Sonntag an das letzte Formel-1-Rennen dieser Saison vorbei ist, wird das Kürzel MSC für Michael Schumacher nicht mehr angezeigt werden. Dafür wird MSC möglicherweise die Welt des Motorrads nachhaltig beeinflussen. Motorcycle Stability Control, kurz MSC, nennt Bosch ein System zur Stabilitätskontrolle, das auch in Kurven und selbst bei starkem Bremsen in Schräglage das Blockieren von Rädern sowie das unangenehme Aufstellmoment unterbinden soll. In der zweiten Hälfte nächsten Jahres soll die Serienfertigung beginnen; unklar ist noch, welcher Motorradhersteller als Erster damit auf den Markt kommt.

          “24 Prozent aller Motorradunfälle ereignen sich in Kurven“, sagt Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control. Nach seiner Überzeugung kann MSC dazu beitragen, die Zahl der Zweiradunfälle deutlich zu senken. Technische Basis für MSC ist das sogenannte ABS enhanced, das die Ingenieure im japanischen Bosch-Entwicklungszentrum aus dem ABS 9M plus entwickelt und mit umfangreicher Sensorik und ausgeklügelter Software erweitert haben. Dank neigungs- und nickwinkelabhängiger ABS-Regelung sollen sich in allen Fahrsituationen Stabilität und Bremswirkung verbessern. Überdies verringert MSC laut Bosch das ungewollte Aufrichten des Motorrads beim Bremsen in Schräglage, so dass der Fahrer eher den gewählten Kurvenradius beibehalten kann. Die elektronische Verbundbremse eCBS verteilt in solchen Situationen die Bremskraft bestmöglich zwischen beiden Rädern für mehr Stabilität bei gebremster Kurvenfahrt.

          Optimale Bremskraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad

          Außerdem soll MSC die Gefahr von Kurvenunfällen mindern, bei denen die Räder des Motorrads nach außen wegrutschen. Das passiert vornehmlich dann, wenn in Kurvenfahrt zu stark gebremst wird, so dass die Räder ihre Seitenführung verlieren. MSC erkennt diese Gefahr und reduziert die Bremskraft, wie Bosch angibt, für eine optimale Bremskraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad sorgt die eCBS-Funktion selbst dann, wenn der Fahrer versehentlich nur eine der beiden Bremsen betätigen sollte oder zu stark bremst.

          Zum Bosch-System gehören eine Traktionskontrolle, die das Motordrehmoment so regelt, dass auch bei wenig Traktion das Antriebsrad nicht die Haftung verliert, eine Wheelie-Begrenzung (verhindert das Steigen des Vorderrads) sowie eine Hinterrad-Abhebeerkennung, die notfalls die Bremskraft am Vorderrad reduziert.

          Eine umfangreiche Sensorik ist Voraussetzung für die vielen Regelvorgänge. So messen Sensoren die Umdrehungsgeschwindigkeiten von Vorder- und Hinterrad, ein neu entwickelter Schräglagensensor vom Typ SU-MM5.10 registriert mehr als 100 Mal je Sekunde Schräglage und Nickwinkel. Das ABS-Steuergerät errechnet auf Basis aller Sensordaten, eines Drehzahlvergleichs zwischen den Rädern sowie weiterer Parameter - darunter Reifengröße, Reifenform und geometrischer Einbauort des Sensors - die vom Neigungswinkel abhängenden physikalischen Grenzen der Bremskraft. Erkennt MSC, dass ein Rad zum Blockieren neigt, aktiviert das ABS-Steuergerät den Druckmodulator im hydraulischen Bremskreis des Vorder- oder Hinterrads. Innerhalb von Sekundenbruchteilen sinkt so der Bremsdruck, ebenso schnell wird er wieder aufgebaut, um die maximale Verzögerung - bei voller Fahrstabilität - zu erreichen.

          Derzeit gibt es nur ein Motorradmodell, das schon über den „Wundersensor“ SU-MM5.10 nutzt, der eine der beiden Voraussetzungen für MSC ist: die supersportliche BMW HP4. Ihr ABS-Steuergerät beherrscht aber die MSC-Funktionen noch nicht. Anfang 2013 wird auch die KTM 1190 Adventure mit dem Sensor SU-MM5.10 in Serie gehen; er ermöglicht es KTM auch, die regelbare Traktionskontrolle mit Offroad-Modus anzubieten. Die Kurvenbremsfunktion ist allerdings auch bei der KTM noch nicht vorhanden. Die Fahrvorstellung der BMW HP4 (F.A.Z. vom 11. September) hat gezeigt, dass auch mit ihr schon bis in mittlere Schräglagen sehr stark gebremst werden kann - die Sicherheit eines Kurven-ABS aber kann auch sie noch nicht bieten. Einfachere ABS-Systeme haben die primäre Aufgabe, während Geradeausfahrt die Fahrstabilität bei starkem Bremsen durch den Blockierschutz für Vorder- und Hinterrad zu gewährleisten; in Kurven sind sie schnell überfordert, weil es bei ihnen keinen Bremsdruckausgleich zwischen beiden Rädern gibt.

          Fahrphysikalische Grenzen allerdings kann auch MSC nicht verschieben. Zu schnell in der Kurve bleibt zu schnell. Das System wird den Ankündigungen zufolge aber den Fahrer im Grenzbereich unterstützen.

          Quelle: F.A.Z.

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