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Zusammenarbeit in China : Daimler baut mit BYD ein Elektroauto

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Vorlage aus dem chinesischen Patentamt: Der China-Benz wird ein kompakter Van mit großen Fondtüren Bild: F.A.Z. / Kaiser

Heimlich, still und leise arbeiten in Peking Ingenieure und Designer von Mercedes-Benz zusammen mit Kollegen von „Build Your Dreams“ an der automobilen Zukunft. Ein Export des neuen E-Autos nach Europa ist zunächst nicht vorgesehen.

          Diese Herren wollen’s wissen: Von Yussufs 40 Jahre altem Motorradgespann russischer Herkunft chauffiert, erkunden sie Peking. „Nur so passen wir durch die engen Gassen der Altstadt“, begründet Steffen Köhl die Wahl des Fahrzeugs. Köhl ist Herr über die Mercedes-Benz-Designstudios im kalifornischen Carlsbad, italienischen Como und in Tokio. In Peking begleitet er Olivier Boulay, der das neue Studio in China leitet. Boulay, Designprofessor mit französischen Wurzeln, ist ein rastloser Zeitgenosse. Die zu neuen Ufern drängende chinesische Gesellschaft fasziniert ihn. Aus ihrer Dynamik schöpfe er Kreativität, sagt er.

          1,4 Milliarden Chinesen streben mit Macht nach Wohlstand. Die Eliten spüren, dass mit dem staatlich gelenkten Aufschwung nach Jahrzehnten der Schleichfahrt sich endlich etwas bewegt. Kreative treiben die Schönen Künste im Stadtteil Dashanzi 798, dem Pekinger Soho. Rund 100 Galerien im teilweise noch bewirtschafteten Fabrikviertel ziehen Künstler an. „In Peking“, sagt Boulay, „erreicht die Aufbruchstimmung der chinesischen Gesellschaft ihre Siedetemperatur.“ Und weiter: „Peking ist im Vergleich zum verwestlichten Schanghai noch authentisch chinesisch, obwohl kein Tag ohne sichtbare Veränderung vergeht. Wir sind dabei, Teil dieser Bewegung zu werden. Der Elektroroller Smart Escooter wurde hier erdacht. Derweil entsteht ein erstes Auto, das allerdings kein Mercedes-Benz sein wird.

          Markenverständnis frei von traditionellen Werten

          Anders als in Amerika und Europa wächst das Pekinger Designstudio von Mercedes-Benz in eine Gesellschaft hinein, die sich nicht an legendäre Muscle Cars, martialische Geländewagen oder Hochleistungssportwagen klammert. Chinesen besitzen keine eigene Automobilgeschichte, und auch ihr Markenverständnis wächst frei von traditionellen Werten.

          Was aus einem Mercedes werden kann: Den BYD S8 gibt es schon

          Schon entwickelt die chinesische Automobilindustrie bevorzugt Fahrzeuge mit Elektroantrieb. „Diese aufkochende Stimmung verstehen wir nur, wenn wir uns mittendrin bewegen“, rechtfertigt Köhl die Standortwahl für das neue Designstudio. Auch das erste, hier von Mercedes-Benz-Technikern entworfene Automobil fährt von 2013 an ausschließlich mit Strom. Es ist verhältnismäßig schmal und hoch, um sich bei Bedarf mühelos durch enge Stadtviertel zu zwängen. Daimlers erster in China entworfener, in China gebauter und auf chinesische Kunden zugeschnittener Personenwagen entsteht mit Fördergeldern der chinesischen Zentralregierung. Darüber hinaus subventioniert der Staat den Kauf eines Elektromobils mit rund 7000 Euro. Einige Millionenstädte legen sogar noch einmal den gleichen Betrag obendrauf.

          Energiemenge soll für eine Strecke bis 300 Kilometer reichen

          Damit Daimler als ausländisches Unternehmen in China produzieren darf, muss ein einheimischer Mehrheitspartner an Bord. Auch das schreibt die Zentralregierung vor. Daimler entscheidet sich für BYD (Build Your Dreams), den weltgrößten Batteriehersteller aus dem südchinesischen Shenzhen. Als der Kooperationsvertrag im Mai 2010 unterzeichnet wird, zählt BYD zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen im Lande.

          BYD gehört Wang Chuanfu, einem Chemiker in den Mittvierzigern, der 1995 mit geliehenem Geld eines Verwandten die Herstellung von Mobiltelefon-Akkus aufnahm. Heute deckt BYD mehr als 60 Prozent des globalen Batteriebedarfs, und Wang ist zur reichsten Person Chinas aufgestiegen: sein Vermögen wird auf über fünf Milliarden Euro geschätzt.

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