http://www.faz.net/-gy9-9581i

Forschungsschiff Explorer 72 : Der Ozean, der Professor und die Yacht

  • -Aktualisiert am

Der Bau der Yacht schlägt mit 3,5 Millionen Euro zu Buche Bild: Claus Reissig

Ozeane erforschen ist teuer, Forschungsschiffe sind rar. Als Alternative wird in Greifswald eine 22 Meter lange Forschungsyacht gebaut.

          Man muss eine Weile mit Professor Haug aus Mainz gesprochen haben, bis man versteht, dass eine wie ein Forschungsschiff aussehende Yacht kein Privatvergnügen ist. Die Explorer 72, die gerade bei Michael Schmidt Yachtbau in Greifswald entsteht, hat einen ernsten Auftrag. Sie soll tun, wozu große Forschungsschiffe vom Schlage einer „Meteor“, „Sonne“ oder „Polarstern“ nicht in der Lage sind, nämlich in bestimmten Meeresregionen Langzeitbeobachtungen mit einem vergleichsweise niedrigen Budget vornehmen.

          Gerald Haug ist Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und einer von vier Direktoren am Max-Planck-Institut für Chemie, Abteilung Klimageochemie, und forscht dort unter anderem an den Zusammenhängen des Klimawandels. Die „Eugen Seibold“, wie die Forschungsyacht einmal nach einem deutschen Meeresforscher heißen wird, soll dabei helfen. Und sie soll nicht weniger als das grünste Forschungsschiff der Welt werden: „Im Gegensatz zu den Stahl-Forschungsschiffen verunreinigt eine Kunststoffyacht nicht das zu beprobende Wasser zum Beispiel durch Rost“, sagt Haug. Mit elektrischen Antrieben kann die Yacht zudem bis zu neun Stunden emissionsfrei fahren, „so sind wir auch in der Lage, unverschmutzte Proben aus der Atmosphäre zu nehmen“. Ein Vorteil der Yacht, den dieselbetriebene Forschungsschiffe nicht haben.

          Außen luxuriös, innen nutzungsorientiert

          In der engeren Auswahl waren bei der Planung unter anderen eine Hallberg-Rassy 64, deren Achterkabine zum Labor werden sollte, sowie eine große Oyster aus England. Den Ausschlag gab schließlich Michael Schmidts Brenta 80, die Haug auf einer Messe sah: „Entscheidend war der zweite, achtere Ausgang auf das Achterdeck sowie das große Mittelcockpit, das durch ein Deckshaus geschlossen wird.“ Haug und Schmidt entschieden sich für die kleinere 72-Fuß-Version. Acht Kojen wird sie einmal bieten, zusätzlich zu einigen Laborplätzen.

          Im Entstehen: Rumpf und Deck der Explorer 72 entsprechen bis auf das Baumaterial dem Yacht-Pendant. Bilderstrecke
          Im Entstehen: Rumpf und Deck der Explorer 72 entsprechen bis auf das Baumaterial dem Yacht-Pendant. :

          Im Moment befindet sich die „Eugen Seibold“ in der erst kürzlich errichteten Bauhalle der Werft. Steht das Tor offen, kann man vom Deck aus auf den Greifswalder Bodden sehen. Bisher unterscheidet sich die Explorer kaum von einer Brenta als Luxusyacht mit klarem Design. Und irgendwie passt das zu einer Forschungsyacht, auch wenn dafür derzeit noch Vorstellungskraft gefragt ist. Deck und Aufbau liegen auf dem Hallenboden neben dem Rohbau. Dessen elegante Linie stammt aus der Feder von Lorenzo Argento, dem ehemaligen Partner von Luca Brenta. Maximal 44 Tonnen wird der Forschungssegler voll beladen mit Ausrüstung einmal auf die Waage bringen. Damit wird sie schwerer und behäbiger sein als ähnliche Yachten, die hier normalerweise entstehen. Der Innenausbau wird nutzungsorientiert und praktisch, jeglicher Luxus, der ein Schiff dieser Provenienz normalerweise umgibt, glänzt durch Abwesenheit.

          „Die Explorer ist keine Performance-Yacht“, erklärt Johannes Malzahn, Geschäftsführer der Werft, „auch wenn das hier immer noch Leichtbau ist.“ Verzichtet wird aber zum Beispiel auf einen sonst obligatorischen Kohlefasermast, stattdessen kommt ein unempfindlicheres Aluminiumprofil an Deck. Auch der Rumpf entsteht größtenteils aus klassischen Glasfasergelegen, lediglich bei den Verstärkungen kommen Kohlefasern zum Einsatz. Was bleibt, ist solider Yachtbau. „Letztlich wird die Explorer 72 etwas mehr wiegen als eine Brenta 80, das liegt auch an den größeren Tanks und der Maschinenanlage“, berichtet Malzahn.

          Weitere Themen

          Das Pompeji der Tiefsee

          Geologie im Meer : Das Pompeji der Tiefsee

          In fast 1000 Metern Tiefe brach 2012 nördlich vor Neuseeland im Pazifik der Tiefseevulkan Havre aus. Jetzt haben Tauchroboter den Koloss erstmals vor Ort erforscht.

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Rette sich, wer kann!

          Die Groko-Debatte bei Maybrit Illner offenbart eine dramatische Lage: Die SPD-Führung wirkt kopflos. Den Jusos sind die Folgen ihres Neins egal. Ratschläge der Union tragen nicht dazu bei, die Lage zu stabilisieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.