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Forschung bei Volkswagen : Plötzlich sind Chemiker gefragt

Das Elektroauto wird wie eine Art Kiste um die Batteriezellen herumgebaut. Es hat deutlich weniger Teile als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Bild: Hersteller

Volkswagen setzt jetzt auf Elektromobilität. Entwicklungsvorstand Frank Welsch forscht mit seinem Team nicht nur an neuer Technik, sondern sucht auch neue Qualifikationen.

          Herr Welsch, wird sich die Elektromobilität in den nächsten fünf Jahren durchsetzen?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Sie wird jedenfalls deutlich Fahrt aufnehmen. In welchem Ausmaß, das kann niemand voraussagen. Doch ganz gleich, ob der Anteil 10 oder 20 Prozent an unserem weltweiten Absatz sein wird, das Volumen ist signifikant genug, dass wir die Technik mitgestalten werden. Wir entwickeln eine Konzernplattform für vollelektrische Volumenfahrzeuge und werden dadurch breit aufgestellt sein. Es ist richtig, auf Elektromobilität zu setzen.

          Macht VW die Autos selbst, oder kaufen Sie von Zulieferern zu?

          Wir haben vor gut eineinhalb Jahren entschieden, einen Baukasten für unsere Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, aus einer vorhandenen Plattform Antrieb, Tank und etwas Wärmedämmung wegzunehmen und dann einen elektrischen Antrieb samt Batterie einzusetzen. Es geht um eine komplett neue Fahrzeugarchitektur.

          Demnach wollen Sie alles im Unternehmen entwickeln und bauen?

          Nein, aber alles, was einen Volkswagen ausmacht: Komfort, Effizienz, Performance, Bedienbarkeit und Akustik. Die E-Motoren machen wir in Kassel selbst. Dort entstehen heute schon die Motoren, die wir in die elektrischen Golf und Up einbauen. Das dadurch gesammelte Wissen hilft uns jetzt. Die Batteriesysteme bauen wir in unserem Werk in Braunschweig. Zellen kaufen wir aktuell zu. Wir bauen aber unsere Kompetenz in Elektrochemie und Prozesstechnik für Hochvoltzellen aus.

          Soll VW auf neue Entwicklungspfade führen: Frank Welsch
          Soll VW auf neue Entwicklungspfade führen: Frank Welsch : Bild: VW

          Die Herangehensweise in der Entwicklung ist anders als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Wie?

          In der Tat. Wir fragen uns: Was ist taktgebend für unsere Entwicklung? Bei Autos mit Verbrennungsmotoren sind das Motor, Abgasanlage, Getriebe, Abgasreinigung und Thermomanagement. Im Elektroauto erleben wir die gleiche technische Tiefe, nur geht es um andere Felder: Hochvoltbatterie, Elektromaschine, Steuergeräte und Regelelektronik. Diese Komponenten sind ausschlaggebend für die Charakteristik des Autos, also, wie es beim Kunden ankommt.

          Die Konstruktion ändert sich auch, oder?

          Ja, die Konstruktion richtet sich nach den Erfordernissen eines großserientauglichen Batteriesystems. Vereinfacht gesagt: Der Zulieferer kann seine Zellen so bauen, dass sie maximal leistungsfähig und gleichzeitig so günstig wie möglich sind. Da zählen Euro je Kilowattstunden. Wir bauen einen witterungsbeständigen und sicheren Batterietrog drum herum, ziehen Streben ein, entwickeln und integrieren die elektronische Steuerung, sorgen für Kühlung im Unterboden und fertigen den Aufbau. Fügetechnik, Montage, vieles wird einfacher. Es entsteht eine skalierbare Plattform um die Hochvoltbatterie, die aussieht wie eine Tafel Schokolade, je nach Kapazität mal quadratisch, mal rechteckig.

          Verändert das die Anforderungen an Ihre Mitarbeiter?

          Wir fragen uns natürlich beständig, welche Kernkompetenzen wir haben und welche wir noch brauchen. Im Prototypenbau, um ein Beispiel zu nennen, bauen wir Personal ab, weil wir viel mehr als früher am Computer simulieren können. Dafür bauen wir an anderer Stelle auf: Im Bereich Digitalisierung und Infotainment haben wir jetzt so um die 700 Mitarbeiter. Diese Zahl werden wir verdoppeln, mit Fokus auf Architektur- und Softwarespezialisten. Grundsätzlich benötigen wir weniger Menschen, die sich um Hardware kümmern.

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