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Vorschau Motorradmesse Eicma : Alle Augen auf Mailand

Sportmotorrad Niken von Yamaha mit zwei Vorderrädern und Neigetechnik. Bild: Hersteller

Alle zwei Jahre pausiert die Intermot als eine von zwei wichtigen Zweiradmessen auf dem Globus. Dann bekommt die jährlich stattfindende Mailänder Eicma alle Aufmerksamkeit und alle Neuheiten für sich allein.

          So viel ist sicher: In Mailand werden in der zweiten Novemberhälfte aufsehenerregende Neuheiten präsentiert, auch wenn die Aussteller überwiegend noch dicht- und die Spannung aufrechtzuerhalten versuchen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Honda zählt zu den Herstellern, die sich vorab schon ein wenig in die Karten blicken lassen. Dickster Brocken am Stand des Flügel-Konzerns wird die neue Gold Wing sein. Der Superluxustourer, seit 1975 zu einer Motorrad-Ikone gereift, präsentiert sich technisch runderneuert und im Design frisch gebürstet. Noch immer ist die Gold Wing ein mächtiger Reisegleiter, aber nicht mehr das barocke Riesenschiff, das sie bisher war. Kompakter, leichter, agiler lauteten die Vorgaben an die Entwickler, aber nicht ohne das Hinzufügen eines exquisiten Pakets an Assistenz- und Unterhaltungszutaten.

          Als einziges Serienmotorrad der Welt wird die Gold Wing mit eingebautem Airbag-System erhältlich sein. Ebenso einzigartig ist die Option auf ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DTC) inklusive Schritttempo-Rangierfunktion und Rückfahrhilfe. Drei Varianten wird Honda anbieten: Standard und Tour (mit und ohne Topcase), beide mit Sechsgang-Schaltgetriebe), sowie eine Tour-Edition mit erwähntem Airbag und DTC. Die Gewichtsersparnis wird je nach Version mit bis zu 48 Kilogramm angegeben. Während das Vorgängermodell 413 Kilo auf die Waage brachte, kommt die Neue auf 365 bis 383 Kilo.

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          6,2 Kilo verlor der überarbeitete Sechszylinder-Boxermotor, neuerdings ein Vierventiler, der mit 1,8 Liter Hubraum, 126 PS (93 kW) und 170 Nm Drehmoment aufwartet. Elektronischer Gasgriff, vier Fahrprogramme, Traktionskontrolle, Berganfahrhilfe, Start-Stopp-Automatik zählen jetzt zur Ausstattung. Die Fahrmodi beeinflussen zugleich die Charakteristik der Traktionskontrolle sowie der nunmehr elektronisch agierenden Federelemente. Das Vorderrad wird von einer Doppel-Querlenker-Konstruktion anstelle einer konventionellen Telegabel geführt. Feinsinnigeres Federn, leichfüßigeres und präziseres Steuerverhalten sollen die Folge sein. Ergebnis gestraffter Linien, reduzierter Abmessungen und einer Ausstattung mit LED-Licht ringsum ist ein insgesamt modernerer, knackigerer Anblick der Gold Wing. Im Cockpit prangt ein 7-Zoll-Farbdisplay, es gibt selbstrückstellende Blinker, Funkschlüssel für Zündung und die (etwas geschrumpften) Stauräume, ferner Apple Car Play, Bluetooth, USB und einen elektrisch verstellbaren Windschild. Was das alles kostet und was Honda für die Saison 2018 sonst noch zu bieten hat, wird sich in Mailand klären.

          Eine Neuauflage der Monkey wird darunter sein. Das Comeback des knubbligen Retro-Zwergs als Leichtkraftrad mit 125-Kubik-Einzylinder ist kein Geheimnis mehr, denn Honda zeigte ihn vor wenigen Tagen auf der Tokio Motor Show. Derweil macht Yamaha tatsächlich Ernst mit seinem Dreirad-Motorrad. Aus dem schon 2016 gezeigten Prototyp ist ein Serienprodukt namens Niken geworden, das voraussichtlich 2018 zu kaufen sein wird. In der Ansicht von hinten wirkt es wie ein herkömmliches Motorrad, von vorn wie ein Fahrzeug vom anderen Planeten. Zwei 15-Zoll-Vorderräder mit doppelter Upside-down-Gabel und Neigetechnik sollen ein außergewöhnlich stabiles, aber doch sportlich-spritziges Fahrverhalten gewährleisten. In der Rollerwelt sind Dreirad-Konstruktionen seit geraumer Zeit bekannt, vorwiegend von Piaggio und Peugeot, ein solches Sportmotorrad allerdings ist etwas gänzlich Neues. Als Antrieb der Niken wird der aus der MT-09 bekannte 847-Kubik-Dreizylinder herangezogen, der stramme 115 PS leistet.

          Rückkehr ins lukrative Retro-Segment

          Kawasaki ersetzt das Zweizylinder-Sportmotorrad Ninja 300 durch die stärkere Ninja 400 (45 PS) und feiert auf der Eicma vor allem seine Rückkehr ins derzeit überaus lukrative Retro-Segment: Die Z 900 RS ist ein technisch hochmodernes Motorrad im klassischen Look, das an die Kawa-Legende Z1 des Jahres 1972 erinnert. Mit Tropfentank und Entenbürzel in historischen Farben, Rundscheinwerfer (LED) und Analog-Instrumenten in runden Gehäusen, angedeuteten Kühlrippen am wassergekühlten Reihenvierzylinder und grummeligem Klang aus einem Megaphon-Schalldämpfer wird die unvergessene Z1 zitiert. Die technische Basis liefert die vor einem Jahr vorgestellte Z 900, eine famose Fahrmaschine im aggressiven Manga-Design. 111 PS und knapp 100 Nm stehen zur Verfügung.

          Triumph renoviert seine Reiseenduros namens Tiger und erweitert sein ohnehin schon umfangreiches Klassik-Sortiment durch die Bonneville Bobber Black und die Speedmaster (Technik und Motor vom 17. Oktober), auch Ducati wird seine Scrambler-Familie möglicherweise weiter ausbauen. Für einen Höhepunkt der Eicma werden die Italiener mit der Neufassung des Superbikes Panigale sorgen: Mehr als 210 PS soll der brandneue V4-Motor an den Start bringen.

          Für BMW böte die Glitzerveranstaltung in Mailand eine gute Gelegenheit, den schon seit längerem versprochenen Motorroller der Mittelklasse zu zeigen. Die Abteilung „Urban Mobility“ des Münchener Konzerns will erklärtermaßen mit etwas aufwarten, das günstiger und handlicher ist als die beiden seit Jahren erhältlichen BMW-Maxiscooter mit 650 Kubik. Ob es nun so weit ist, wird man sehen. Von Piaggio erwartet man unter anderem eine Antwort auf die Frage, was aus der vor einem Jahr ins Rampenlicht gestellten Studie einer elektrischen Vespa wird.

          Andere Hersteller sind in Sachen Elektromobilität auf zwei Rädern schon weiter. Das Unternehmen Govecs kündigt für Mailand die Weiterentwicklung der erst seit diesem Sommer fliegenden elektrischen Schwalbe an sowie „ein neues, unglaublich attraktives Modell“. Elektro-Voreiter Niu will mit drei neuen Modellen aufwarten. Und das amerikanische Unternehmen Zero Motorcycles verspricht für seine Modellpalette abermals eine erhebliche Vergrößerung von Batteriekapazitäten und Reichweiten sowie extrem kurze Ladezeiten dank eines integrierbaren Schnellladegeräts.

          Quelle: F.A.Z.

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