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Vor 50 Jahren : Schwedens Seitenwechsel

  • -Aktualisiert am

Am 2. September 1967 galt ab 10 Uhr in Stockholms Innenstadt ein Fahrverbot. Bild: Archiv Günther

Vor 50 Jahren ging ein Ruck nach rechts durch das linke Schweden. Das Land verabschiedete sich vom Linksverkehr und fuhr künftig auf der anderen Straßenseite.

          Der Begriff ist sogar für schwedische Ohren sperrig: Högertrafikomläggning bedeutet so etwas wie die Umstellung auf Rechtsverkehr in einem Wort. Dahinter verbarg sich ein Mammutprojekt, das nach jahrelanger Planung am Sonntag, dem 3. September 1967, in einer logistischen Meisterleistung umgesetzt wurde – in exakt zehn Minuten. An diesem Tag, der als „Dagen H“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte, war alles anders: Für private Verkehrsteilnehmer galten in ganz Schweden Fahrverbote zwischen 1.00 Uhr und 6.00 Uhr in der Frühe, in großen Städten wie Stockholm oder Malmö sogar von Samstag, 10.00 Uhr, bis Sonntag, 15.00 Uhr.

          Aber es gab Ausnahmegenehmigungen, etwa für Busse, Taxis, Polizei- oder Krankenwagen. Ebenso durften und mussten natürlich die Fahrzeuge der rund 20.000 Einsatzkräfte unterwegs sein, die unmittelbar die Umstellung vorbereiteten: Hunderte Verkehrsampeln wollten allein in Stockholm umgedreht, zum Teil mit neuen Gläsern bestückt und anschließend verhüllt werden. Da Schweden die Gelegenheit nutzte und gleich die 360.000 gelb-roten Verkehrsschilder im ganzen Land samt den gelben Fahrbahnmarkierungen durch weiß-rote oder weiße ersetzte und sich so europäischen Standards anpasste, wartete hier Arbeit genug.

          Vorsichtig steuerten alle auf die andere Straßenseite, blieben dort stehen. Bilderstrecke
          Vorsichtig steuerten alle auf die andere Straßenseite, blieben dort stehen. :

          Dann hieß es Luft holen vor dem großen Moment, dem selbst die notorisch gelassenen Schwedinnen und Schweden mit einer gewissen Unruhe entgegenblickten. Schließlich waren sie allesamt von dieser Högertrafikomläggning betroffen, egal, ob sie nun als Fuhrmann eines dreiachsigen Lastwagens mit Anhänger am öffentlichen Straßenverkehr teilnahmen oder als Fußgänger, der beim Überqueren der Fahrbahn künftig in die andere Richtung zu schauen hatte. So saßen am 3. September 1967, um 4.49 Uhr, überall im Land dazu berechtigte Fahrer bei laufendem Motor in ihren Fahrzeugen, starrten gebannt auf die Uhr oder hörten Radio. Eine Minute später begann der Countdown: Vorsichtig steuerten alle auf die andere Straßenseite, blieben dort stehen und warteten auf den Gongschlag zur vollen Stunde.

          Als der pünktlich um 5.00 Uhr ertönte, hatte Schweden endlich den Rechtsverkehr eingeführt. Nun durfte jeder mit Ausnahmegenehmigung weiterfahren, alle anderen (und das waren die meisten) mussten sich je nach Wohnort bis mindestens 6.00 Uhr gedulden, ehe sie auf die bis dahin falsche Fahrbahnseite wechseln durften.

          Gemächliche Pferdewagen und Kutschen

          Damit wurde dauerhaft festgeschrieben, was bereits Seine Majestät König Karl XII. seinen Untertanen am 10. Februar 1718 verordnet hatte: den Rechtsverkehr. Aber bereits am 12. Dezember 1734 machte man diese Regelung wieder rückgängig, um am 24. März 1868 ein schwammig formuliertes Gesetz für die Reichsstädte zu erlassen, aus dem sich weder der Links- noch der Rechtsverkehr eindeutig ableiten ließen. Was keine große Rolle spielte, da gemächliche Pferdewagen und Kutschen mühelos einen Weg aneinander vorbei fanden.

          Erst als das Automobil das Pferd verdrängte, änderte sich dies dramatisch. Dem trug nach viel Hin und Her endlich eine Verordnung von 1923 Rechnung, die unmissverständlich den Linksverkehr festlegte. Dabei sollte es zunächst bleiben: Die gewohnt widerspenstigen schwedischen Auto- und Motorradfahrer lehnten alle Vorstöße der Politik ab und votierten 1955 bei einer Volksabstimmung mit der deutlichen Mehrheit von 83 Prozent für die Beibehaltung des Status quo.

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