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Elektro-SUV : Verleiht das „Model X“ Tesla Flügel?

  • Aktualisiert am

Tesla-Chef Elon Musk präsentiert die „Falcon“-Türen beim neuen „Model X“. Bild: Reuters

Nach dreieinhalb Jahren Verzögerung - Tesla bringt den ersten Elektro-SUV auf den Markt. Der Flügeltürer „Model X“ wird von amerikanischen Medien schon als „das wichtigste Auto des Jahres“ gefeiert.

          Endlich ist es so weit: Nach dreieinhalb Jahren Wartezeit ist der erste komplett strombetriebene SUV „Model X“ auf dem Markt. In der Nacht zum Mittwoch überreichte Elon Musk, Firmenchef des Elektroautobauers Tesla, die ersten Modelle an sechs Kunden. Bereits im Februar 2012 waren die ersten Bestellungen eingegangen, der Start des Modells hatte sich immer wieder verschoben. Mittlerweile liegen Tesla schätzungsweise 25.000 Vorbestellungen vor.

          Den meisten Unternehmen wäre die Verzögerung wohl als Unzuverlässigkeit ausgelegt worden, die heftige Kundenproteste ausgelöst hätte. Nicht aber bei Tesla: Die Käufer akzeptieren die jahrelangen Lieferverzögerungen ohne Murren, und die amerikanischen Medien feiern den elektrischen Stadt-Geländewagen bereits als das „wichtigste Auto des Jahres“. Die Firma aus Palo Alto im Silicon Valley, dem kalifornischen Tech-Mekka, hat eine eingefleischte Fangemeinde. Die Verspätungen des schillernden Firmenchefs Elon Musk werden hingenommen wie die künstlerische Freiheit eines Rockstars.

          Tesla inszeniert seine Produktpremieren ähnlich wie Apple seine iPhone-Vorstellungen, nur nachts und mit mehr Party-Atmosphäre. Stylische Eleganz im Scheinwerferlicht, das ist auch Dienstagnacht bei der Präsentation des „Model X“ in Teslas Fabrik in Fremont, Kalifornien, angesagt. Knapp eine Stunde, nachdem es losgehen sollte, erscheint Musk auf der Bühne und startet die Show.

          Turbostart sorgt für ordentlich Schub

          Allerhand technische Raffinessen und Schnickschnack, wie die nach oben öffnenden „Falcon“-Flügeltüren, einen Luftfilter-Power-Button oder den Turbostart in 3,2 Sekunden von null auf 100 km/h bietet der Elektro-SUV. Mit einer Batterieladung soll man 250 Meilen (rund 400 Kilometer) weit kommen. Dabei ist man nicht nur umweltschonend unterwegs, sondern wenn gewünscht auch schnell - erst bei 250 km/h ist Schluss. Die Features und der Preis von bis zu 142.000 Dollar (rund 126.000 Euro) in der Spitzenvariante bestätigen, dass Tesla, wie mit dem „Model S“, nach wie vor im Luxusbereich anzusiedeln ist.

          Weit und schnell: Die Höchstgeschwindigkeit des Elektro-SUVs liegt bei rund 250 km/h - die Reichweite einer Batterieladung bei 400 Kilometern. Bilderstrecke

          Dabei soll der SUV als familientaugliches Fahrzeug mit drei Sitzreihen durchaus den Anfang der Brücke zum Massenmarkt darstellen. Voraussichtlich 2018 will Tesla mit dem „Model 3“ einen erschwinglichen Stromer für die breite Bevölkerung rausbringen. Für den von der Fangemeinde angehimmelten Musk ist der Geländewagen ein Meilenstein - aber auch ein Risiko.

          Wie bei allem, was Tesla entwickelt, wurde viel Geld in die Hand genommen. Um die Lieferziele für dieses Jahr zu erreichen, muss die Produktion schnell ausgebaut werden. Teslas Ziel ist es, spritlose Autos in der ganzen Gesellschaft zu verbreiten. Dafür baut das Unternehmen eine gigantische Fabrik in der Wüste Nevadas, in der einmal kostengünstig die Batterien für den Antrieb der Wagen produziert werden sollen. Erst vor wenigen Tagen warb Musk in Berlin bei Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für E-Autos. Mit Blick auf Volkswagens Abgas-Skandal scheint der Zeitpunkt für Tesla ideal.

          Doch die Empörung über den deutschen Konzern sagt wenig über die tatsächlichen Vorlieben der Autokäufer aus. Elektroautos haben es - nicht zuletzt wegen der billigen Spritpreise - bisher schwer, aus der Nische zu kommen. Ob Musks Argument, der Stromantrieb sei langfristig effizienter und umweltfreundlicher, irgendwann bei der Masse Gehör findet, steht in den Sternen. Bislang verliert Tesla Geld, und die Verkaufslisten führt die spritschluckende Konkurrenz an.

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