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Mobilität der Zukunft : Ersetzen Robotertaxis bald das eigene Auto?

  • -Aktualisiert am

Steuerfrei: So stellt sich Volkswagen die Zukunft vor, ohne Lenkrad und Pedale. Der rollende Toaster heißt Sedric. Bild: Volkswagen AG

Selbstfahrende Elektrofahrzeuge könnten in zehn Jahren zum Stadtbild gehören und neue Zielgruppen für den öffentlichen Personennahverkehr erschließen.

          Wer im Berufsverkehr zwischen einer Schülergruppe im Linienbus steht, denkt vielleicht daran, wie schön es jetzt wäre im eigenen Auto zu sitzen, unbehelligt von Geräuschen und Gerüchen fremder Menschen. Allein das gute Umweltgewissen tröstet nicht immer über den mangelnden Komfort hinweg. Doch noch mehr Autos passen nicht in die Metropolen, deren Bevölkerungszahl unablässig steigt. Ein Ausbau der öffentlichen Personennahverkehrs scheint wiederum nicht die einzige Lösung: Legte man die Anzahl an Bussen und U-Bahnen ausschließlich an dem Bedarf in den Spitzenzeiten morgens und abends aus, nähme die durchschnittliche Auslastung ab – und damit die ohnehin oft prekäre finanzielle Lage der Verkehrsbetriebe.

          Diese Ausgangslage führt zu einer Diskussion über neue Mobilitätskonzepte, in deren Verlauf die Grenzen zwischen motorisiertem Individualverkehr und öffentlichem Personennahverkehr verschwinden: Die Lösung soll in einem „People Mover“ bestehen, ein grässliches Wort, an das wir uns aber vermutlich ebenso gewöhnen müssen wie an „Smartphone“ oder „Plug-in-Hybrid“. Was ist darunter zu verstehen?

          Viele Variationen sind möglich

          Wesentliche technische Merkmale eines People Mover sind sein elektrischer Antrieb sowie die Fähigkeit, sich vollständig ohne menschliches Zutun im urbanen Straßenverkehr zurechtzufinden. Die Karosserie ist deutlich kleiner als die eines Omnibusses, je nach Ausprägung bietet der Innenraum vier oder mehr Sitzplätze. Diese Merkmale bedingen sich gegenseitig und zeigen, dass sich die Trends Automatisierung und Elektrifizierung wechselseitig verstärken können. Elektrischer Antrieb und Fahrwerk eines People Movers befindet sich komplett unterhalb der Fahrgastzelle. Die Batterie nimmt den Raum zwischen Vorder- und Hinterachse ein.

          Bild: F.A.Z.

          Die Menge des Stromvorrats kann dadurch variiert werden, dass man den ohnehin aus einzelnen Modulen bestehenden Akku vergrößert. Kommt statt einer selbstragenden Karosserie eine Rahmenbauweise zum Einsatz, stellt es kein Problem dar, das Fahrzeug zu verlängern, indem man längere Profile verwendet. Der eigentliche Antriebsmotor verschwindet in der Antriebsachse, wobei verschiedene Konzepte miteinander rivalisieren: Der Motor kann sich tatsächlich in der Achsmitte befinden oder auch neben der Achse, in letzterem Fall wird das Antriebsmoment über einen Riementrieb auf die Achse übertragen.

          Designer stehen vor neuen gestalterischen Aufgaben

          Als Exotenlösung mit großem Charme gilt der Radnabenmotor, bei dem die gesamte Technik in den Rädern verschwindet. Für die in Innenstädten benötigten Anfahrmomente, auch an steilen Hängen, reicht eine einzige elektrifizierte Achse, technisch wäre es aber auch möglich, die zweite Achse mit einer E-Maschine zu versehen und so einen elektrischen Allradantrieb darzustellen.

          Zug der Zeit? Die Bahn kommt ohne Fahrer.
          Zug der Zeit? Die Bahn kommt ohne Fahrer. : Bild: Deutsche Bahn AG

          Packt man einen Boden auf die Unterflurtechnik, ergibt sich eine Skateboard-ähnliche Plattform, auf der die verschiedensten Aufbauten realisiert werden können. Geht man von einem vollkommen autonom fahrenden Fahrzeug aus, muss keine Rücksicht auf einen Fahrer und dessen Arbeitsplatz genommen werden. Die ersten Studien zu People Movern zeigen, dass die Designer ihre Freiheit dazu nutzen, die Sitze relativ frei anzuordnen. Die Studien bauen eher hoch, so dass man bequem einsteigen kann, ohne sich zu bücken. Auffallend große Bildschirme dienen dazu, Kurzfilme und Informationen zu Sehenswürdigkeiten einzuspielen – später im realen Leben sicher auch Werbung. Im Prinzip, so ein deutscher Automobildesigner im vertraulichen Gespräch, handele es sich um eine neue gestalterische Aufgabe: Es gilt eher, einen Wohnraum als ein Automobil einzurichten.

          Testfeld wird in Karlsruhe eingerichtet

          Wann People Mover eines Tages wirklich zum alltäglichen Anblick in unseren Städten gehören, steht und fällt mit der Frage, wie schnell sich autonomes Fahren in einem schwer zu kontrollierenden Umfeld durchsetzt. Die Basistechnologien wie Lasersensoren oder künstliche Intelligenz entwickeln sich rasch weiter und dürften Experten zufolge Anfang des kommenden Jahrzehnts Serienreife erlangen.

          Drosselt man dann zunächst die Fahrgeschwindigkeit auf die in Städten heute erzielten Durchschnittsgeschwindigkeiten (Berlin: 25 km/h), sind weniger technische als administrative Hürden zu bewältigen. Dazu gehören Haftungsfragen genauso wie die Feinheiten des Personenbeförderungsgesetzes. Um Technik und Legislative voranzubringen, richtet das Karlsruher Institut für Technologie derzeit ein Testfeld ein, das 2018 in Betrieb gehen soll.

          Verkehrsdichte könnte geringer ausfallen

          Wie groß der Effekt wäre, den People Mover auf den Verkehr in den Städten hätten, hängt davon ab, wer umsteigt. Sind das die Menschen, die bislang mit dem eigenen Auto unterwegs sind, könnte sich die Verkehrsdichte signifikant reduzieren. Eine Studie des MIT zeigt am Beispiel Singapur, dass sich durch autonome Taxis die Anzahl der Fahrzeuge um zwei Drittel reduzieren könnte, ohne dass die Einwohner Abstriche bei ihrer persönlichen Mobilität machen müssten.

          Der Transport sehr vieler Menschen zu Spitzenzeiten lässt sich so allerdings nicht organisieren: Schon ein im Zehn-Minuten-Takt fahrender Gelenkbus befördert bei maximaler Besetzung pro Stunde rund 1000 Menschen. Die sechs Busse benötigen dafür eine Straßenlänge von 113 Metern. Um die gleiche Personenzahl zu befördern, benötigten People Mover mindestens das Zehnfache an Straße. Wie bei allen neuen Technologien gilt auch hier: Es kommt darauf an, was man daraus macht.

          Quelle: F.A.S.

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