http://www.faz.net/-gy9-7gwqh

Segelboote : Wer wird denn gleich in die Luft gehen

  • -Aktualisiert am

Balanceakt: Der Experimental-Trimaran „Hydroptére“ mit seinen schräg nach innen angewinkelten Schwertern an den Außenrümpfen Bild: Christophe Launay

Segelboote lernen das Fliegen. Im America’s Cup ist das gerade zu besichtigen. Tragflächen heben die Rümpfe vollkommen aus dem Wasser und die Geschwindigkeit in ungeahnte Höhen.

          Selbst Sindbad der Seefahrer hätte es wohl als Märchen abgetan, dass Schiffe einmal übers Wasser fliegen können. Doch Tüftler hegten den Traum schon sehr lange, der nicht zuletzt beim America’s Cup Realität geworden ist, der zurzeit in der Bucht von San Francisco ausgetragen wird. Bei mäßiger Brise werden die 22 Meter langen Katamarane zu Luftfahrzeugen und erreichen Höchstgeschwindigkeiten, die „im“ Wasser nicht möglich wären. Für den nötigen Auftrieb sorgen sogenannte Foils, zu Deutsch Tragflächen.

          Das Grundprinzip leuchtet ein: Je weniger benetzte Fläche, desto geringer ist der Widerstand, den das nasse Element bietet. Deshalb fahren Gleiter auf der Wasseroberfläche bereits schneller als Verdränger, die es beiseiteschieben müssen. Damit ein Schiffskörper ganz und gar aus dem Wasser herauskommen kann, muss er zunächst vor allem leicht sein - dank modernster Kohlefasertechnik im Bootsbau kein Problem.

          Spitzwinklige L-Schwerter

          Darüber hinaus sind statt der üblichen vertikalen, geraden Schwerter, die nur die Abdrift (seitliches Versetzen) verhindern, allerlei buchstäbliche Formen von Lateralflächen im Einsatz. Sie reichen vom halbrunden C, wie beim neuen olympischen Kat Nacra 17, übers J, L und S bis zu Mischvarianten und erzeugen bei der Vorwärtsbewegung durchs Wasser eine Kraft nach oben, den Lift. Denselben Effekt nutzen Wasserskifahrer beim Start. Jede Form für sich hat Vor- und Nachteile. Vor allem aber geht es darum, ungewollte Luftsprünge zu verhindern, die oft zu folgenschweren Bruchlandungen führen. Denn der erzeugte Auftrieb kann schnell zu groß werden, zum Beispiel wenn die gebogenen Schwerter (C-Form) bei Starkwind zu weit unten eingestellt sind.

          Die vermeintlich smarteste Variante entdeckte das neuseeländische America’s-Cup-Team. Spitzwinklige L-Schwerter sind kürzer und wirken so nur auf der windabgewandten Leeseite, wenn der Luvschwimmer schon oben ist. Bei hohem Tempo und steigendem Auftrieb kommt auch die Spitze des Ls aus dem Wasser. Das Schwert bildet dann eine konventionelle V-Form, die von motorisierten Tragflächenbooten/Hydrofoils bekannt ist. Der Auftrieb reduziert sich mit zunehmender Höhe wieder unabhängig von den Seitenkräften, was das notwendige Abfallen in einer Bö oder an der Wendemarke ermöglicht, ohne dass es zum Überschlag kommt.

          Vollkommen abgehoben: Der America’s Cupper von Oracle segelt allein auf dem Foiler des Lee-Rumpfs. In Luv ist das L-förmige Schwert hochgefahren
          Vollkommen abgehoben: Der America’s Cupper von Oracle segelt allein auf dem Foiler des Lee-Rumpfs. In Luv ist das L-förmige Schwert hochgefahren : Bild: © ACEA / PHOTO GILLES MARTIN-RAG

          Einfacher, aber nicht minder eindrucksvoll funktioniert das Anheben beim „Hydroptère“. Der Trimaran hat lediglich an beiden Auslegern nach innen angewinkelte Schwerter, deren Auftriebsmomente sich gegenseitig stabilisieren. Da die gesamte Länge der geraden Schwerter linear zum Auftrieb beiträgt, nimmt dieser mit der Höhe über Wasser stetig ab. Es gibt kein abruptes, unruhiges Auf und Ab. So erzielte der Franzose Alain Thébault mit der „Krake“ bis 2009 mehrere Speedrekorde, am Ende mehr als 50 Knoten (fast 100 km/h); allerdings nur in Geradeausfahrt und bei flachem Wasser. Manövrieren lässt sich das Geschoss dann kaum noch.

          Doch genau da fangen die komplexen technischen Anforderungen an. Denn eine Regattabahn besteht nie aus nur einer optimalen 100-Meter-Geraden, sondern wird zumindest auf zwei verschiedenen Kreuzkursen im Zickzack gegen und mit dem Wind gesegelt. Hinzu kommt je nach Revier mehr oder weniger starker Wellengang, der kaum zu berechnen ist. Daher ist die Tragflächentechnik auch kein Hochseeerzeugnis, sondern auf Binnenseen entstanden. Zu den Vorreitern gehören die Schweizer am Genfer See. An der Universität von Lausanne gibt es eigens ein Forschungsprojekt dazu.

          Weitere Themen

          Fliegendes Taxi Video-Seite öffnen

          Dubai : Fliegendes Taxi

          Taxi fliegen statt Taxi fahren: Der „Volocopter“, eine selbstfliegende Drohne, könnte den öffentlichen Personennahverkehr schon bald revolutionieren und das klassische Taxi ersetzen. Ein Prototyp wurde jetzt getestet.

          Manchmal fliegt die Tür auf

          Skyhawk von Cessna : Manchmal fliegt die Tür auf

          Sie wird seit mehr als 60 Jahren gebaut, ist unverwüstlich und einfach liebenswert. Die 172 Skyhawk ist für Cessna in der Luftfahrt das, was das T-Modell für Ford und der Käfer für VW war: ein Jahrhundertentwurf.

          Dubais Polizisten heben ab Video-Seite öffnen

          Fliegende Araber : Dubais Polizisten heben ab

          Die Dubaier Polizei hat ein fliegendes Motorrad vorgestellt. Das an Science-Fiction-Filme erinnernde Hoverbike soll Beamte über den Verkehr transportieren und an Rettungseinsätzen teilnehmen.

          Topmeldungen

          Wolfgang Kubicki will sich von der AfD nicht provozieren lassen.

          Bundestag : Kubicki rät zu gelassenem Umgang mit der AfD

          Heute dürfte FDP-Politiker Kubicki zu einem der Vizepräsidenten des Bundestages gewählt werden. Er rät, mit der AfD im Parlament „vernünftig und fair“ umzugehen. Abgeordnete bekräftigen ihre Ablehnung gegen den umstrittenen AfD-Kandidaten Glaser.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.