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Rennwagenschmiede Crosslé : Die Racer aus Holywood

  • -Aktualisiert am

Der zweisitzige 9S ist der Verkaufsschlager. Bild: Uwe Stohrer

Das kleine Unternehmen Crosslé ist ein Hidden Champion. Es baut seit 60 Jahren erfolgreich Rennwagen – mitten in Nordirland.

          Bei Rennwagen denken die meisten spontan an Porsche, Mercedes-Benz oder Ferrari. Die anglophilen Fans eher an McLaren, Williams und Lotus. Aber Crosslé? Kennt quasi keiner. Und das hat wohl mit Holywood zu tun. Also mit Film, Showstars, Glamour? Nein, das ist Hollywood in Los Angeles. Hier geht es um Holywood, eine Kleinstadt nahe Belfast und damit Teil des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland. Genau da baut Crosslé seit 1957 bis heute ununterbrochen Rennautos.

          Nordirland gilt nicht gerade als Mekka für Rennsportliebhaber, und deswegen hapert es auch mit der Bekanntheit von Crosslé etwas. Dabei haben die Wagen einen hervorragenden Ruf in der Branche. Sie gelten als erstklassig verarbeitet, leicht zu warten und einfach zu fahren, sind dabei aber immer konkurrenzfähig in ihrer Klasse.

          Am Firmensitz sieht es an vielen Stellen noch so aus wie wohl vor mehr als einem halben Jahrhundert. Ähnlich wie der englische Traditionshersteller Morgan residiert Crosslé seit dem Jahr 1960 in einem klassisch-britischen Backsteingebäude, und genau wie dort wird auf traditionelle Handwerkskunst gesetzt. Auch bei Crosslé wird am liebsten Altbewährtes behutsam weiterentwickelt. Automatisierungsroboter würden in dieses nostalgische Ambiente ungefähr so passen wie eine Punkband zum Geburtstag der Queen. Einige Metallverarbeitungsmaschinen sehen zwar aus wie in einem Museum, funktionieren aber einwandfrei. Im Ersatzteillager ist noch vieles in Pappschachteln verpackt, oft mit handgeschriebenen Aufschriften. Hier geht alles eher geruhsam seinen Gang. Vermutlich deshalb fühlen sich auch die beiden umherschnurrenden Firmenkätzchen mitten im Produktionsgebäude absolut wohl.

          Am Firmensitz sieht es an vielen Stellen noch so aus wie wohl vor mehr als einem halben Jahrhundert. Bilderstrecke

          Gegründet wird die Firma vor 52 Jahren vom Farmer John Crosslé. Er widmet sich neben seiner Landwirtschaft begeistert der Rennfahrerei, zuerst auf Motorrädern. Dann steigt er auf vier Räder um. Ein zuerst ins Auge gefasster gebrauchter Rennwagen von Lotus-Chef Colin Chapman ist ihm doch zu teuer. Also fängt er an, in einem Stall ein Fahrzeug zu bauen. Sein erster selbstkonstruierter Wagen gewinnt bald erste Rennen. Auch die später folgenden Exemplare auf Ford-Basis fahren Erfolge ein. Sie gehen in der in Großbritannien populären und nach ihrem Hubraum genannten 1172-Formel an den Start. Jeder Sieg erhöht die Nachfrage. Der junge Chef in seiner damals noch winzigen Rennwagen-Manufaktur achtet auf innovatives Design sowie präzise Bauausführung seiner Racer. Dazu gelten sie als ihr Geld wert. Das beschert der Firma flugs Reputation in Rennfahrerkreisen. 1960 wird der heutige Firmensitz in Holywood bezogen und später weiter ausgebaut. In den 1960er Jahren bieten die Nordiren schon Wagen für die europäische Formel Junior sowie mehrere amerikanische Rennserien an. Sogar zweisitzige Rennsportwagen kommen ins Portfolio.

          1969 präsentiert das Unternehmen seinen ersten Wagen für die Formel Ford. Crosslé-Rennwagen räumen in der Folgezeit etliche Siege ab, sowohl in Europa als auch in Übersee. Diese Erfolge und die zunehmende Verbreitung der Formel-Ford-Serie führen zu einem enormen Aufschwung. Ende der 1970er Jahre werden jährlich bis zu 100 Rennwagen gebaut, vier Fünftel davon für den Export. Legendäre spätere Formel-1-Größen wie Nigel Mansell und Eddie Irvine gewinnen Rennen in den Wagen aus Holywood. 1997 geht Firmengründer John Crosslé in den Ruhestand und übergibt die Leitung an Arnie Black. Der ist als langjähriger Kunde und Fahrer bereits für viele Rennerfolge verantwortlich.

          Tradition schneller und robuster Rennsportwagen

          Black lässt die frühere 9S-Reihe wiederaufleben. Diese Fahrzeuge mit ihrer geschwungenen Karrosserielinie zählen vermutlich zu den schönsten Rennsportwagen. Der 9S war bereits Mitte der 1960er Jahre entwickelt worden und trat damals gegen Modelle von Lotus, Lola, Chevron und Abarth an. Die Version zu Beginn des neuen Jahrtausends wird zwar auf den gleichen Werkbänken wie damals produziert, allerdings so modifiziert, dass moderne Zweiliter-Motoren von Ford eingebaut werden können. Der bis heute produzierte 9S setzt die Tradition schneller und robuster Rennsportwagen aus Nordirland fort.

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