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Renault Captur : Ein Minivan im Kleid eines Sport Utility Vehicle

Es muss nicht Blau sein, aber die zweifarbige Lackierung am Captur sollte schon sein, findet Renault Bild: Hersteller

Der Renault Captur ist ein Wandler zwischen den Welten. Er sieht aus wie ein Geländewagen und er fühlt sich an wie ein Minivan. Eine erste Probefahrt.

          Als die ersten Gerüchte über den Captur aufkamen, hoben die Verantwortlichen von Renault stets hervor, sie entwickelten einen Nachfolger des Modus. Dieser kompakte, praktische Würfel von einem Auto verschwand nach nur einer Generation von der Bildfläche. Nun fällt der Blick auf den Captur. Dieses modern und dynamisch gezeichnete SUV im Kompaktformat soll der Nachfolger des Modus sein?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Er ist es, und er ist es nicht. Denn er sieht aus wie ein Geländewagen, der nie mit Gelände in Berührung kommen möchte. Und er fühlt sich an wie ein Minivan. Aus der Mischung zieht Renault Zuversicht auf größeren Markterfolg, schließlich kann Opel vom Mokka recht erfreuliche Zahlen berichten. Der Renault ist ein gutes Stück kürzer als der Opel, nur 4,12 Meter misst seine Karosserie, für Fahrten in die Stadt ist das eine gute Nachricht. Im Innenraum spielt er seine Stärke durch Möglichkeiten smarter Variabilität aus. Die Rückbank lässt sich nicht nur geteilt umklappen, sie kann auch um 16 Zentimeter verschoben werden, das verhindert jedoch laut Renault aus Konstruktionsgründen einen Allradantrieb.

          Frisches Interieur mit digitalem Tacho und einer Schublade als Handschuhfach
          Frisches Interieur mit digitalem Tacho und einer Schublade als Handschuhfach : Bild: Hersteller

          Das Kofferraumvolumen variiert von 377 bis 1235 Liter. Als Handschuhfach haben sich die Franzosen eine Schublade ausgedacht, die jede Menge Kleinkram aufnimmt. Auch sonst herrscht an ordentlichen Ablagen kein Mangel. Nur einen Kleiderhaken haben sie vergessen, von Sakkos stand wohl nichts im jugendlich-hippen Lastenheft, das auf peppige Farben innen wie außen setzt. Manche Farbkombination wie etwa Blau und Türkis ist, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. Keine Frage des Geschmacks ist indes die Materialwahl im Innenraum, sie ist eine Enttäuschung. Wo man auch hinfasst: Kunststoff. Harter Kunststoff. Der wurde zwar farblich recht hübsch abgesetzt und zum Teil mit strukturierter Oberfläche versehen, doch das rettet den Auftritt nur wenig.

          Schlecht ist die Sicht nach schräg hinten, was sich nicht nur beim Einparken, sondern auch beim Spurwechsel als unangenehm erweist. Die akustische Einparkhilfe ist mithin ein Muss. Diese Unart leistet sich der Captur freilich nicht allein, viele moderne Autos nehmen in ihrer Karosserieform keine Rücksicht mehr auf die Rücksicht.

          377 bis 1235 Liter Kofferraumvolumen
          377 bis 1235 Liter Kofferraumvolumen : Bild: Hersteller

          Für den Vortrieb stehen drei Motoren zur Wahl, die weniger auf Freude am Fahren denn auf Freude am Sparen ausgelegt sind. Außer dem 0,9-Liter-Turbo-Dreizylinder mit 90 PS (66 kW) sind das der bewährte 1,5-Liter-Vierzylinder mit gleichfalls 90 PS und ein Benziner mit 120 PS (88 kW) aus 1,2 Liter Hubraum, der mit einem Doppelkupplungsgetriebe (hier dann sechs Gänge) kombiniert wird. Renault erwartet, dass in Deutschland der Dreizylinder der Kundenfavorit wird, gefolgt von dem größeren 120-PS-Benziner.

          Am Fahrverhalten lässt sich nach einem ersten Eindruck nichts aussetzen. Der frontgetriebene Selbstzünder reißt zwar keine Bäume aus, erledigt seine Aufgabe aber ruhig, leise und mit ausreichendem Elan. Wir schätzen den Verbrauch auf 5,5 Liter im Alltag. Das Fahrwerk macht im Diesel einen sanften und im Benziner einen etwas rauheren Eindruck, Näheres werden spätere Fahrtberichte klären. Schon die Basisversion ist ordentlich ausgestattet, es sind allerdings nur vier Airbags an Bord, das ist heute am unteren Rand des Üblichen. Gleichwohl wird der Captur wie alle Renault voraussichtlich die Höchstnote im Unfalltest erreichen. Am 8. Juni ist Markteinführung. Der Einstiegspreis beträgt 15.290 Euro. Das vermutlich größte Absatzpotential genießt das mittlere Ausstattungsniveau „Dynamique“, hier lauten die Preise 17.290 Euro für den Dreizylinder, 19.390 Euro für den 120-PS-Benziner und 19.090 Euro für den Diesel. Das ist jeweils weniger als in Frankreich und im Vergleich zum noch dünn gesäten Wettbewerb attraktiv. Der Mokka hat einen Grundpreis von 18 990 Euro. Wenn Renault schon mal wieder vorne dran ist mit einem Fahrzeugkonzept, dann muss es auch zünden. Der Captur soll alte Kunden halten und neue erobern, die Chancen dafür stehen gut.

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