Probefahrt Porsche 911 GT3 RS
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Probefahrt Porsche 911 GT3 RS : Der ewige Ruf der Freiheit

Zum Preis von 195.137 Euro kommt der GT3 RS in die vermutlich freudig erregte Kundenhand. Bild: Hersteller

Im Porsche 911 GT3 RS lebt die Präzision der Kugelgelenke. Aus dem Stand schafft er in 3,2 Sekunden die 100 km/h. Er scheitert nur knapp an der 200.000-Euro-Schallmauer.

          Hören ist hier schneller als Sehen: Dem neuen Porsche 911 GT3 RS eilen seine Tschinellen voraus. Im Turnzimmer der Sportwagenlegende – sonst als Nürburgring bekannt – ist jetzt die jüngste Derivation des offenbar wirklich unsterblichen „Elfers“ in voller Fahrt vorgestellt worden, und die Spezialisten in der schwäbischen Techniktruppe konnten ihren großen Ohren vertrauen: „Der kommt mit neuntausend auf die Zielgerade.“

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das ist die höchste dem frei saugenden Sechszylinder-Boxer aktuell zugeschriebene Drehzahl, da klingt er wie der Schrei einer Kreatur, die nicht von dieser Welt ist und deshalb in Freiheit leben will: 520 PS hält der 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor ohne Abgasturbolader schon bei 8250 Umdrehungen in der Minute bereit, und da liegt auf freier Strecke noch ungenutzte Luft herum, erst bei maximal etwa 340 km/h läuft der Sportwagen in die Tätigkeit der abregelnden Elektronik hinein.

          Für den nackten Renneinsatz werden häufig andere Übersetzungen und aerodynamische Hilfsmittel eingesetzt. Deshalb ergeben sich auch unterschiedliche Endgeschwindigkeiten. Weil zum Beispiel die Beschleunigung, der Anpressdruck und der Grip aus der Kurve heraus wichtiger sein können.

          520 PS hält der 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor ohne Abgasturbolader schon bei 8250 Umdrehungen in der Minute bereit. Bilderstrecke

          Aus dem Stand katapultiert der 1430 Kilo wiegende Hecktriebler sich und seinen Fahrer (wahlweise auch mit Beifahrer) in 3,2 Sekunden auf 100 km/h. Zum Preis von 195 137 Euro kommt der GT3 RS in die vermutlich freudig erregte Kundenhand und kann nicht nur als Rennwagen taugen, sondern auch eine Zulassung. Der vor etwa einem Jahr vorgestellte GT3 ohne RS-Zusatz kostet 152 416 Euro und hat 20 PS weniger. Noch immer firmiert Porsche als Autohersteller, verkauft aber herrliche Bubenträume an erwachsene Menschen, die gut rechnen können und dennoch in Momenten der Vertragsunterzeichnung wohl eine etwas erhöhte Hormonausschüttung zu verarbeiten haben. Sie sollten auch über eine gewisse körperliche Fitness verfügen.

          Weil dieser Elfer mit seinen Rettungsanker-Bremsen und der ausgefeilten Aerodynamik so nahe an der Renntechnik lebt wie kein anderer mit Straßenzulassung, sind Kurvengeschwindigkeiten möglich, die als erste Voraussetzung belastbare und fest positionierte Organe beim Fahrer fordern. Quer- und Bremsbeschleunigung liegen jenseits bürgerlicher Empfindungen. Auf dem Heck protzt der starre Heckflügel in der Dimension einer Drohnen-Landebahn, das Dach ist aus Magnesium, die Karosserie atmet an mehreren Öffnungen kühle Luft ein und Hitze aus, und die Annehmlichkeiten im Innenraum sind auf schmal-notwendige Sitzgelegenheiten reduziert, auf Wunsch und ohne Aufpreis (im Clubsport-Paket enthalten) werden ein Überrollbügel und ein Handfeuerlöscher montiert, die Frontflügel und die Kotflügel sind aus Carbon geformt, ebenso die Vollschalensitze, und Porsche sagt: „Sie bieten selbst bei hoher Fahrdynamik sicheren Seitenhalt.“ Man könnte auch sagen, bei Bedarf wird der Fahrer wie mit einem Schraubstock fixiert, der ihm kleine Freiheiten zum Atmen, Blinzeln mit den Augen und zum Lenken und zum Bremsen lässt.

          Alles dient nicht dem Rasen, sondern der Präzision des Fahrens, ohnehin eine beliebte Zielsetzung bei Porsche. Deshalb fährt der RS auch mit einem besonders abgestimmten Fahrwerk, zum Beispiel mit eher harsch, aber exakter als elastokinematische Lager reagierenden Kugelgelenken. Vorn sind große Zwanzig-Zoll-Räder mit speziellen Michelin-Pneus in der Dimension 265/35 bestückt, hinten müssen 21-Zoll-Räder mit Gummiwalzen im Format 325/30 sich um den Vortrieb kümmern.

          Für den Privat-RS-Fahrer ist der Weg in die Garage jeden Tag seine eigene Boxengasse: Wie schön das knistert, wenn der Elfer kühler wird. Wenn sich der Mensch am griffigen Volant der Kräfte im Heck dieses besonderen Elfers jederzeit bewusst ist, lebt er in jener Konzentration, die auch Herbert von Karajan zu schätzen wusste. Und das ist auch für das akustische Erlebnis, selbst bei weniger als 9000/min, kein schlechtes Vorbild.

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