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Fahrbericht Peugeot Citystar : Je mehr Stau, desto Löwe

RS wie Rallyestreifen: Ein bisschen Rot am Rad muss sein. Bild: Wille

In die Lücke zwischen Kleinkraft- und Maxiroller schnurrt der Peugeot Citystar 200 RS. Er ist ein angenehmer Vertreter seiner Gattung und benimmt sich keineswegs gefräßig.

          Wo ein Löwe draufklebt, sollte auch ein Löwe drin sein. Am Citystar 200 RS von Peugeot ist gleich dreimal an prominenter Stelle ein schickes Löwen-Emblem montiert: an der Nasenspitze, am Heck, auf der Kunststoffblende des Lenkers. Aber wie viel Löwe steckt drin?

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Ein reißendes Tier ist der neue Einzylinder des Peugeot nicht. 18 PS beträgt seine Nennleistung, genaugenommen 18,1 PS beziehungsweise 13,3 kW bei 8500/min. Mit diesen Werten und dem Hubraum von 190 Kubikzentimeter bewegt sich der kompakte Tourensport-Roller irgendwie zwischen den Welten. In den A1-Führerschein (bis 125 Kubik und 15 PS), der schon von Sechzehnjährigen erworben werden kann, passt er nicht mehr hinein. Man benötigt eine Motorradlizenz. Für die wiederum fällt das Leistungsangebot bescheiden aus.

          Doch das Leben mit dem Citystar 200 ist keines, das nach Verzicht oder Entbehrungen schmeckt. Für all jene Aufgaben, für die er geschaffen wurde, passt das Konzept. Stadtverkehr und Landstraße, Pendelei, Einkaufen und Fitnessstudio, Slalom im Stau und eine kleine Spritztour stehen auf dem Dienstplan. Dafür bringt der 157 Kilo wiegende Franzose ausgezeichnete Voraussetzungen mit, lässt sich auf seinen 13-Zoll-Rädern beispielsweise selbst im Kriechtempo ohne jede Kippeligkeit mühelos manövrieren, schluckt Gepäck, wendet auf engstem Raum.

          Der Vierventiler dreht frei hoch

          Je dichter das Getümmel, desto mehr wird er zum Löwen. Beim Ampelstart geht das Powermotion genannte Euro-4-Aggregat beherzt zur Sache. Der Vierventiler dreht frei hoch, ohne Geplärr, legt bis 100 km/h kontinuierlich zu, ohne angestrengt zu wirken. Erst darüber hinaus muss er allmählich vorm zunehmenden Druck des Fahrtwinds kapitulieren. 114 km/h beträgt laut Zulassung die Höchstgeschwindigkeit.

          Der Zweihunderter fühlt sich kräftiger, erwachsener an als ein Kleinkraftroller mit 125 Kubik (den Citystar gibt es zusätzlich in einer 125er-Version), ist jedoch genauso agil und handlich. Erfreulicherweise verhält er sich bei hohem Tempo tadellos stabil, sofern nicht starker Seitenwind an ihm zerrt. Kehrseite der Medaille ist ein sehr straff agierendes Fahrwerk, vor allem die Telegabel unseres Testfahrzeugs geizte mit Federungskomfort. Möglicherweise war das auch die Ursache für ein dezentes Hoppeln des Vorderrads, wahrnehmbar etwa zwischen 40 und 80 km/h, das sich anfühlte wie eine kleine Unwucht am Vorderreifen. Selbst bei hartem Einsatz der Vorderradbremse tauchte die Telegabel kaum ein.

          Die Bremsanlage an sich ist einer der Vorzüge des Scooters: ordentlich zu dosieren, außerordentlich zupackend, ausgestattet mit ABS und einer Kombifunktion, so dass mit dem Zug am linken Bremshebel die Stopper hinten wie vorn synchron in Aktion treten. Gemeinsam sind sie stark. Die großformatige Doppellichtanlage vorn bewirkt, dass der Peugeot von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird, sie spendiert ein solides Fern-, aber leider ein allenfalls mittelprächtiges Abblendlicht. Der Blinkerpieper verhindern, dass man ungewollt weiter blinkt – eine gute Sache im Sinne der Sicherheit.

          Den 4200 Euro kostenden Citystar 200 RS fertigt Peugeot nicht irgendwo in Ostasien, sondern im ostfranzösischen Stammwerk Mandeure. Die Verarbeitung macht einen gediegenen Eindruck, die Ausstattung lässt wenig vermissen. Vorbildlich fällt die Sitzposition im Stil des berühmten Küchenstuhls aus. Das flache, topfebene Trittbrett für ein müheloses Auf- und Absteigen ergibt einen üppigen Fußraum und kann zusätzlich als Transportfläche für Sperriges genutzt werden, das nicht unter den Sattel passt, wo immerhin ein ausgewachsener Integralhelm nebst Kleinigkeiten unterkommt. Eine Beleuchtung des Fachs sowie eine Teleskopstange, die verhindert, dass die geöffnete Sitzbank zufällt, wären kein unnötiger Luxus. Und ärgerlicherweise verriegelt die Sitzbank beim Schließen nur widerwillig und auf Druck. Das Öffnen vollzieht sich einfach: Auf einen Dreh des Fahrzeugschlüssels nach links springt sie auf.

          Schlüssel nach rechts gedreht plus Knopfdruck erweckt, wie üblich, den Motor. Der ist ein angenehmer Vertreter seiner Gattung, der leise schnurrt, statt zu brüllen, und sich keineswegs gefräßig benimmt, sondern sich mit rund 3,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer zufrieden gibt.

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