http://www.faz.net/-gy9-77que

Opel Cascada : Hessischer Stimmungsaufheller

Das Cabriolet Cascada ist für vier Personen Bild: Hersteller

Opel lockt mit dem Cascada. Das Cabriolet ist von 25.945 Euro an zu haben. Das ist wenig im Vergleich zu den Preisen des BMW 3er, Audi A5 und der Mercedes-Benz E-Klasse.

          Jetzt ist es aber mal genug, ihr Kerle aus Rüsselsheim. Jahrelang zerreibt sich Opel zwischen Mutlosigkeit, Sparprogrammen und Querelen im Management. Und als sich alle an den stetigen Niedergang gewöhnt haben, kommen solche Autos: SUV Mokka (90 000 Bestellungen), Kleinwagen Adam (30 000 Bestellungen), und jetzt noch ein offener Gute-Laune-Imageträger zum Kampfpreis. Geht’s noch? Es geht wieder, Schritt für Schritt, und Vorsicht ist weiter geboten. Die wirtschaftlichen Kennzahlen sind betrüblich. Doch in den jüngsten Produkten fährt ein Geist des Trotzes und des Aufbruchs. Nun rollt also pünktlich zur Schneeschmelze der Cascada heran.

          Elegante Linie auf üppigen 4,70 Meter Länge
          Elegante Linie auf üppigen 4,70 Meter Länge : Bild: Hersteller
          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Das in Polen gebaute, viersitzige Cabriolet will Opel ob seiner Abmessungen in die Riege von BMW 3er, Audi A5 und Mercedes-Benz E-Klasse einsortiert wissen, im Preis aber liegt es eine Klasse tiefer: Basistarif 25 945 Euro. Geboten wird eine elegante Linie auf üppigen 4,70 Meter Länge, mithin 23 Zentimeter mehr als das verblichene und ohne Nachfolger bleibende Astra-Cabriolet. Sein von CTS gefertigtes Stoffdach wirft der Cascada in 17 Sekunden in einen ausklappbaren Kasten im Kofferraum, wodurch dessen Volumen von 350 auf 280 Liter schrumpft. Praktisch: Die Rücksitzlehnen halten eine breite Durchlade bereit, falls mal ein Surfbrett mit soll. Ebenfalls gut: Das Dach öffnet und schließt bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h und im Stand auch mittels Fernbedienung. Auf Wunsch lässt sich ein dickeres Akustikverdeck ordern, das den Geräuschpegel im Innenraum weiter senken soll.

          Trotz der üppigen Außenmaße herrscht auf den Rücksitzen beschränkte Beinfreiheit
          Trotz der üppigen Außenmaße herrscht auf den Rücksitzen beschränkte Beinfreiheit : Bild: Hersteller

          Opel spricht von einem Ganzjahresfahrzeug, das als Erstwagen einsetzbar ist, und das ist nicht ganz falsch. Es ist aber auch nicht ganz richtig. Zumindest wer öfter mit Anhang unterwegs ist, muss Einschränkungen hinnehmen. Trotz der üppigen Außenmaße herrscht auf den Rücksitzen beschränkte Beinfreiheit. Wir haben uns in Opel der Neuzeit schon öfter gefragt, wo der Platz verschwendet wird. Indes, bequem sind die Sitze, und für kürzere Strecken können die vorderen Insassen vorrücken. Ihnen reicht zum Motorstart ein ausfahrender Arm höflich den Gurt. Weniger schön ist manch triste Kunststoffoberfläche. Und nachlässig entgratete Kanten sowie wackelnde Drehregler in der Mittelkonsole sollten einfach nicht sein.

          Opel spricht von einem Ganzjahresfahrzeug
          Opel spricht von einem Ganzjahresfahrzeug : Bild: Hersteller

          Cabriolets werden freilich am liebsten an ihrem luftigen Charakter gemessen. Da spielt der Cascada seine Trümpfe aus. Ihn durchweht eine angenehm dosierte Brise. Alle Fenster bewegen sich mittels eines zentralen Schalters gleichzeitig, als seien sie gewerkschaftlich organisiert. Die flach stehende Frontscheibe hört rechtzeitig auf, so dass man sich beim Einsteigen nicht den Kopf stößt. Das ist, vor allem in Modellen mit Blechdach, meist anders und ein Ärgernis. In die A-Säule, den Unterboden und die Schweller sind zusätzliche Versteifungen eingezogen, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Kein Knarzen, kein Knistern, so soll es sein. Allerdings stehen 1700 Kilogramm Leergewicht auf der Waage.

          Alle Fenster bewegen sich mittels eines zentralen Schalters gleichzeitig
          Alle Fenster bewegen sich mittels eines zentralen Schalters gleichzeitig : Bild: Hersteller

          Das Fahrwerk überzeugt mit gutmütigem Verhalten. Opel hat die aufwendig konstruierte Vorderachse aus dem Insignia OPC verbaut. Zur Wahl stehen drei Benziner (120, 140, 170 PS) und zwei Diesel (165, 195 PS), in der Regel kombiniert mit Sechsgang-Schaltgetriebe, zum Teil wird Automatik mit sechs Stufen angeboten. Für eine erste Ausfahrt stand der neue 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer mit 170 PS (125 kW) zur Verfügung, der von 28 245 Euro an zu haben ist. Der an der Bezeichnung SIDI (Spark Ignition Direct Injection) erkennbare Motor ist der erste der neuen Generation, und er macht deutlich, wie überholt die bisherigen Antriebe sind. Der neue geht laufruhig und agil zu Werke, nur an die Erreichbarkeit des Normverbrauchs von 6,3 Liter glauben wir nicht. Derlei wird nach der Markteinführung Mitte April genauer zu prüfen sein. Schon jetzt aber lässt sich sagen: Opel hält einen fröhlichen Frühlingsboten parat.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Mercedes-Benz E 300 Coupé Video-Seite öffnen

          Fahrbericht : Mercedes-Benz E 300 Coupé

          Das E-Coupé ist die elegantere E-Klasse. Das war auch schon zu /8-Zeiten so. Nachteile wie den unbequemen Einstieg nach hinten und den kleineren Kofferraum nimmt man gern hin.

          Topmeldungen

          Jamaika-Koalition : Der Grünstreifen am Horizont

          Vor vier Jahren haben die Grünen ihre Chance auf eine Beteiligung an der Regierung vertan. Diesmal wollen sie ernsthaft verhandeln. Das geht nur, wenn die Parteilinken mitmachen. Doch, sind die dazu bereit?
          Die britische Regierungschefin Theresa May und der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei ihrem Treffen in Brüssel.

          Treffen von May und Juncker : Jetzt aber flott!

          Das Stocken der Brexit-Verhandlungen sorgte zuletzt für viel Kritik. Nun machen Jean-Claude Juncker und Theresa May Dampf. Bis Dezember soll ein Plan für die Scheidung stehen.
          Jordi Ciuxart, Vorsitzender des katalanischen Kulturvereins Omnium Cultural, und ANC-Chef Jordi Sànchez vor dem Gerichtstermin in Madrid.

          Krise in Katalonien : Führende katalanische Separatisten inhaftiert

          Die spanische Staatsanwaltschaft hat zwei katalanische Separatistenführer festnehmen lassen. Auch gegen Polizeichef Josep Lluís Trapero wurde Untersuchungshaft beantragt, er kam gegen Kaution jedoch vorerst frei.
          „Es war eine Landtagswahl“: Merkel am Montag in Berlin

          Nach der Niedersachsen-Wahl : Runter vom Baum und Schwamm drüber

          Die Parteien, die eine schwarz-gelb-grüne Bundesregierung bilden wollen, haben bei der Niedersachsen-Wahl alle verloren. Angeblich schadet das nichts. Denn nach der Wahl ist vor der Sondierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.