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Fahrbericht Montesa 4 Ride : Das maximale Minimum

Die Montesa ist mit 85 Kilogramm ein echtes Fliegengewicht. Das erleichtert das Klettern und Hüpfen über unwegsames Gelände. Bild: Sebas Romero

Wer die Straße gegen zerfurchte Wege tauscht bemerkt schnell, dass das Offroad-Motorrad Montesa 4 Ride seine Wurzeln im Trialsport hat. Ist das Spaß-Bike dennoch für den Alltag zu gebrauchen?

          Wenn man eines Tages etwas tut, von dem man bis dahin nicht ahnte, dass man das kann, dann ist das ein erhebendes Gefühl. So war das in der vorigen Woche auch mit der Montesa 4 Ride.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Schmal wie ein Fahrrad ist sie, bloß der Lenker, der ist breit. Sitz, Tank, Cockpitinstrumente – alles viel kleiner als gewohnt, bloß die Räder, die sind groß. Nach den Maßstäben üblichen Motorradbaus wiegt die 4 Ride nichts. Mit 85 Kilogramm vollgetankt fällt sie in die Kategorie Fliegengewicht. Voller Tank bedeutet: 4,4 Liter Benzin sind an Bord.

          Fahrspaß auf schmalen Pfaden

          Diese neue Montesa ist ein außergewöhnliches Motorrad für außergewöhnlichen Fahrspaß, der aber nur jenen zuteil wird, die das außergewöhnliche Glück haben, das Fahrzeug an geeigneter Stelle einsetzen zu können. Enduro-Wandern in freier Natur, auf schmalen Pfaden Berge hochkraxeln, Gelände erschnüffeln, über Stock und Stein hüpfen, knifflige Kletterpassagen meistern – das ist das Metier der Montesa. Wo in Deutschland ist das möglich?

          Das Motorrad wird von einem 8,6 PS (6,3 kW) starken Viertakt-Einzylinder auf eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h beschleunigt. Bilderstrecke
          Das Motorrad wird von einem 8,6 PS (6,3 kW) starken Viertakt-Einzylinder auf eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h beschleunigt. :

          In der Heimat Montesas, in Spanien, gibt es noch Gelegenheiten. Trialsport-Maschinen sind die Spezialität des Traditionsherstellers, der seit 1985 zu Honda gehört. In Santa Perpètua de Mogada in der Nähe Barcelonas wird für diesen Nischenmarkt gefertigt. Nun präsentieren die Katalanen mit der 4 Ride ein Trial-Motorrad mit erweitertem Einsatzspektrum, das mit Touring- und auch einer gewissen Alltagstauglichkeit größere Kundenkreise ansprechen soll. Für 7590 Euro plus 235 Euro Nebenkosten wird es von März an im Handel sein.

          Ein richtiger Sitz mit stattlichem Staufach darunter ist die auffälligste Änderung gegenüber dem reinen Trialsport-Modell Cota 4RT260, das die technische Basis in Form von Alu-Rahmen und -Schwinge, Motor und Rädern (vorn 21, hinten 18 Zoll) liefert. Blinker, Beleuchtung, Kennzeichenhalter, Hupe und Rückspiegel wurden hinzugefügt, weil Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr. Man kann die Montesa gut zum Brötchenholen benutzen und dabei durch Gräben und über Treppen abkürzen. Geht es heim, wendet sie auf dem Handteller.

          Verblüffende Manövrierfähigkeit

          Wer nie zuvor ein solches Vehikel bewegt hat, ist verblüfft über die Manövrierfähigkeit. Sodann fällt auf, wie unter allen Umständen und in noch so unwegsamem Terrain zuverlässig und berechenbar Traktion aufgebaut wird. Anstiege, loser Grund verlieren ihren Schrecken, die 4 Ride treckert einfach durch, mit präzise dosierbarem Schub aus Standgas-Drehzahlen heraus. Gerade mal 8,6 PS (6,3 kW) beträgt die Nennleistung des wassergekühlten Viertakt-Einzylinders, als höchstes Drehmoment stehen 17,5 Nm bei 2750/min auf dem Papier.

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          Doch die bescheidenen Zahlen verharmlosen, was geschieht und was man spürt: bullige Kraft in niedrigen Drehzahlen aus 259 Kubikzentimeter Hubraum, ausreichend angesichts des geringen Gewichts und der kurz übersetzten Gänge. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90 km/h. Mit einigen Modifikationen lassen sich laut Hersteller knapp 20 PS aus dem Triebwerk herausholen, in diesem Fall ist aber die Straßenzulassung futsch.

          Niedere Drehzahl für ruhigere Fahrt

          Im modifizierten Getriebe rückten im Vergleich zur Cota die ersten vier Gänge näher an den unveränderten fünften heran. Ziel der Entwickler war es, das Drehzahlniveau zugunsten einer leiseren, ruhigeren Fahrt zu senken. Der erste Gang der 4 Ride entspricht ungefähr dem zweiten der Cota. Gleichwohl benutzt man zum Losfahren im Stadtverkehr nicht den ersten oder zweiten Gang, sondern eher den dritten oder vierten und schaltet schon in der Tempo-30-Zone in den fünften hoch. Spätestens auf der Landstraße vermisst man einen sechsten oder wenigstens einen länger übersetzten fünften. Einen solchen Umbau gab allerdings laut Montesa das vorhandene Getriebe nicht her. Die Kupplung lässt sich mit nur einem Finger betätigen. Leider ist es, nebenbei bemerkt, einfacher, im Garten eine Ölquelle zu finden als den Leerlauf der 4-Ride-Schaltung.

          Der Motor wurde auf eine zwar direkte, aber sanfte, im Vergleich zur Cota weniger aggressive Leistungsentfaltung getrimmt und pufft durch einen voluminöseren Schalldämpfer aus. Eine Batterie ist nicht vorhanden, ein Elektrostarter ebenso wenig, stattdessen ein Kickstarter, der meistens mehrmals getreten werden muss, bis sich etwas tut. Das Tankvolumen wuchs von 1,9 auf besagte 4,4 Liter, was für eine Reichweite von 120 Kilometer reichen soll. Die Touren-Ambitionen verlangten nach kräftigeren, standfesten Bremsen. Verlängerte Federwege, eine enorme Bodenfreiheit von 330 Millimeter, Trial-Reifen, die mit dem geringen Luftdruck von rund 0,5 bar gefahren werden, sind weitere Spezialitäten der 4 Ride, ebenso die verbreiterten Fußrasten und die höhere, geradere Lenkstange.

          Das alles fügt sich zu einem faszinierenden Erlebnis, wenn man von der Straße abbiegt und die 4 Ride auf zerfurchte Wege und Abwege voller Stufen, Geröll und Felsbrocken führt, also Dinge unternimmt, die man sich bis dahin vielleicht gar niemals zugetraut hätte. Es handelt sich um das Minimum eines Offroad-Motorrads für maximales Vergnügen. Bloß lautet die Kernfrage: Wo wird dergleichen geduldet, wo kann man so etwas wie eine 4 Ride benutzen? Darauf muss der interessierte Kunde eine gute Antwort finden.

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