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Helmpflicht für Radfahrer? : Fahrradhelme sind unvernünftig und unwirtschaftlich

Und wo ist Papas Helm? Bild: picture alliance / dpa

Aktuell wird wieder heftig über den Fahrradhelm gestritten. Eine neue Kosten-Nutzen-Analyse kommt zum Schluss: Die Helmpflicht wäre unwirtschaftlicher Unsinn.

          Wer im Netz eine wütend hochkochende, emotional völlig überzogene Diskussion lostreten möchte, kann etwas Gemeines über Kinder oder Haustiere durch die Gegend posten. Oder er äußert sich zum Thema Helmpflicht für Radfahrer. Ob dafür oder dagegen, ist völlig wurscht. Der Chor beider Lager wird geschlossen aufheulen. Gernot Sieg, Verkehrswissenschaftler an der Universität Münster, hat das gerade mal wieder geschafft. Er ist vorwiegend aus wirtschaftlichen, aber auch aus gesundheits- und umweltpolitischen Gründen gegen die Helmpflicht. Auch wenn er das noch so vernünftig in seiner Studie „Costs and benefits of a bicycle helmet law for Germany“ begründet, die Debatte wird mit gewohnter Unsachlichkeit ausgefochten.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Für jemand, der in Mathe nie über eine Vier hinauskam (weil er lieber radelte, als Gleichungen zu büffeln) ist die Kosten-Nutzen-Analyse aus Münster eine schwer verdauliche Lektüre. Sie strotzt nur so von Formeln und rechnet die Vor- und Nachteile der Einführung einer Helmpflicht mehr vor, als dass sie bloß argumentieren würde. Gerade das aber macht die Studie umso bemerkenswerter. Denn bislang beharkten sich Befürworter und Gegner der Helmpflicht eher mit Allgemeinplätzen: Wir brauchen mehr Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer, tönte die eine Seite. Gesetzliche Helmpflicht schreckt vom erwünschten, weil umweltfreundlichen und gesunden Fahrradfahren ab, hielt die Front der Gegner dagegen. Gernot Sieg hat nun solche Positionen in Form von trockenen Zahlen quantifiziert, und er kommt zum Schluss: „A Bicycle helmet law for Germany is found to be a waste of ressources.“ Auf Deutsch: Die gesamtgesellschaftlichen Kosten einer Helmpflicht wären höher als der – ebenfalls in Cent und Euro berechnete – Nutzen.

          Weniger Kopfverletzungen

          Dass es nach Einführung einer Helmpflicht insgesamt weniger und weniger schwere Kopfverletzungen bei Radfahrern geben würde, gilt als einigermaßen unstrittig. (Das gleiche würde übrigens auch für Fußgänger gelten, falls ein Gesetz vorschriebe, man dürfe sich nur noch mit Helm fußläufig im Straßenverkehr bewegen.) Dass der Helm nicht bei jeder Art von Unfall den Radfahrer schützt, ist ebenfalls klar. Die Studie geht nun von der Voraussetzung aus, dass jeder zweite durch eine Kopfverletzung getötete Radfahrer nach Einführung der Helmpflicht überleben könnte und jeder zweite schwer Verletzte nur leichte Kopfverletzungen davontrüge.

          Um das in Geldeswert umzurechnen, stützt sich die Studie auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO: Die hat für ihre Statistiken den Wert eines Lebens in Westeuropa auf etwas mehr als 1,5 Millionen Euro berechnet; eine schwere Verletzung schlägt mit 205.000 Euro zu Buche, eine leichte mit 16.000 Euro. Wenn man diese Werte nun, wie es Verkehrswissenschaftler Sieg getan hat, mit den Zahlen der deutschen Unfallstatistik verknüpft und berücksichtigt, dass zur Zeit nur 13 Prozent der deutschen Radfahrer einen Helm tragen, und schließlich noch die 401 Kilometer, die  statistisch betrachtet jeder Deutsche im Jahr Rad fährt, ins Spiel bringt, dann ergibt sich: Der jährliche Nutzen einer Helmpflicht würde 570 Millionen Euro betragen, umgelegt auf die Strecke wären das 2,08 Cent je gefahrenen Kilometer.    

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