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MV Agusta : Ein Fall für zwei

Die Neuauflage der 140 PS starken Brutale 800 RR. Bild: Hersteller

Mercedes-AMG ist raus, ein neuer Investor drin. MV Agusta versucht den Neustart und reaktiviert nebenbei die Marke Cagiva.

          Einen Motorradhersteller wie MV Agusta gibt es kein zweites Mal. Ganz abgesehen vom erstaunlich idyllisch gelegenen Firmensitz am Ufer des Lago di Varese: Da ist die ruhmreiche Rennsport-Historie voller Weltmeistertitel, da sind die einzigartigen Maschinen in herausragendem Design. Aber da ist auch eine jüngere Vergangenheit voller Turbulenzen und Merkwürdigkeiten, finanzieller Schieflagen und irritierender Wendungen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Leider prägt Letzteres derzeit das Image der Marke mehr als alles andere. Zwei Konstanten gibt es bei alldem: erstens den Namen Castiglioni und zweitens die Tatsache, dass immer wieder die Geier kreisen über dem Werksgelände. Doch eröffnet sich dank der nach wie vor enormen Strahlkraft der Marke, die 1980 untergegangen und in den Neunzigern von den Castiglionis wiederbelebt wurde, stets ein Weg, wie es mit frischem Geld dann doch weitergeht.

          Kurz zurückgeblättert: Die Geschichte war schon eine wechselhafte gewesen, bevor Harley-Davidson 2008 das Unternehmen erwarb. Nur zwei Jahre später, als die Amerikaner wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise selbst wackelten, ließen sie MV Agusta fallen wie eine heiße Kartoffel. Häufig ist zu lesen, sie hätten rund 70 Millionen Euro gezahlt und nur einen symbolischen Euro bekommen, als sie MV an die Castiglionis zurückgaben. Der jetzige MV-Chef Giovanni Castiglioni, der das Amt von seinem 2011 gestorbenem Vater Claudio übernahm, stellt das heute im Gespräch mit dieser Zeitung so dar: Vom Verkaufspreis von „ungefähr etwa 120 Millionen Euro“ hätten beim Ausstieg Harley-Davidsons noch 80 Millionen ausgestanden, er habe auf 60 Millionen davon verzichtet, dafür das Unternehmen plus 20 Millionen bekommen und diese umgehend in den Betrieb investiert, um dessen Fortbestand zu sichern.

          Der Preis der Brutale: 15.670 Euro. Bilderstrecke
          Der Preis der Brutale: 15.670 Euro. :

          Anschließend suchte MV Agusta, immer klein, aber fein und hochexklusiv, den Erfolg mit einer neuen Strategie: Die Italiener verordneten sich starkes Wachstum, verbreiterten die Produktpalette, versuchten mit günstigeren, zum Teil für weniger als 10 000 Euro angebotenen Einstiegsmodellen die Stückzahlen in die Höhe zu treiben. Immense Entwicklungskosten fielen an. Zwar wuchsen die Produktionszahlen, doch nicht in ausreichendem Maße. Mit Mercedes-AMG fand sich 2014 ein Investor, der 25 Prozent der Firmenanteile übernahm, womit sich die Gelegenheit bot, Löcher zu stopfen. Die Zusammenarbeit mit der Mercedes-Tochter war „langfristig“ angelegt, wie es seinerzeit hieß, doch die Deutschen waren Ende 2017 schon wieder raus. Und MV stand abermals vor dem Aus.

          Vielleicht, vermutet mancher im Nachhinein, hatte es sich um eine impulsive Kaufentscheidung gehandelt, nachdem Audi den Mercedes-Leuten Ducati vor der Nase weggeschnappt hatte. Wie dem auch sei, diese Beziehung sei ebenso ein Fehlschlag gewesen wie die Strategie der hohen Stückzahlen mit Blick auf einen möglichen Börsengang, sagt Castiglioni heute. Die Partner hätten nicht zusammengepasst, weder von der Größe noch von der „Kultur“ her. Seine Hoffnungen auf Unterstützung durch Kooperationen in Vertrieb, Marketing und Finanzierungsdienstleistungen hätten sich nicht erfüllt. AMG habe sich passiv verhalten, kein Interesse gezeigt, nichts sei passiert. „Für uns war es eine Ehre, aber wir hatten keine Priorität dort.“ Geld sahen die Deutschen offenbar nicht, als sie sich von ihren 25 Prozent wieder trennten. Angesichts nicht erbrachter Sachleistungen, meint Castiglioni, seien sie trotzdem gut davongekommen. „Uns hat die Partnerschaft schwer geschadet.“

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