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Brough Superior SS 100 : Ein Motorrad für 63.000 Euro

  • -Aktualisiert am

Im September sollen die ersten SS 100 den „Roll out“ absolvieren. Bild: Böhringer

Fast 80 Jahre nach ihrem Hinscheiden kehrt die Motorradmarke Brough Superior ins Leben zurück. Ein Besuch in der Manufaktur und eine Probefahrt mit dem Modell SS 100.

          Das aufsehenerregende zweistöckige Gebäude aus Glas und Metall in einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Toulouse haben sie 2010 selbst entworfen. Sie, das sind Thierry Henriette, Inhaber des Unternehmens Boxer Design, und Albert Castaigne, seine rechte Hand seit Jahren und Geschäftsführer von Brough Superior Motorcycles SAS. Design ist ihr Geschäft, seit 1980. Viele Motorräder haben sie als Prototypen auf die Räder gestellt, im Auftrag großer Kunden, über deren Namen man nicht spricht, einige auch mit zugekauften Motoren in kleiner Serie gebaut. Warum soll man da nicht auch ein Gebäude entwerfen können? Und warum soll man mit all der Erfahrung aus mehr als 30 Jahren Prototypenbau nicht auch selbst ein komplettes Motorrad bauen können?

          „Wir haben viel gelernt in dieser Zeit, über Produktion, Zulieferer und Materialien, jetzt sind wir fit für ein eigenes Projekt“, sagt Castaigne. Im September sollen die ersten SS 100 den „Roll out“ absolvieren. Momentan fahren nur Prototypen ein und aus. Einer davon ist „The Mule“. Das Maultier sammelt Kilometer. Bald ist die Marke 50.000 erreicht.

          SS steht für „Super Sports“, die Zahl 100 hat Tradition, wie auch der englische Markenname Brough Superior. Man spricht das Brough als „Braff“. Die Marke, 1919 in Nottingham entstanden, galt in den Dreißigern als „Rolls-Royce auf zwei Rädern“. Sagenhafte 100 Meilen in der Stunde schaffte die 1925 auf den Markt gebrachte SS 100, immerhin 160 km/h. Broughs waren teuer damals, nur Betuchte konnten sich so etwas leisten. Einer war Thomas Edward Lawrence, zu Ruhm gekommen als „Lawrence of Arabia“. Der englische Offizier liebte die Brough Superior SS 100, besaß sieben Stück davon. Die achte war schon bestellt, da verunglückte er. Tödlich.

          Man spricht das Brough als „Braff“. Bilderstrecke

          Der beginnende Zweite Weltkrieg raffte die Marke 1940 dahin, nach rund 3000 produzierten Fahrzeugen verschwand sie in der Versenkung. Wer heute ein Original besitzt, ist ein reicher Mann. Der in Österreich lebende Engländer Mark Upham, ein auf den Handel mit englischen Motorrad-Oldtimern spezialisierter Zweirad-Enthusiast, schaffte es, sich die Markenrechte zu sichern. Und er traute Thierry Henriette zu, diese Marke zu revitalisieren. So ergab es sich, dass im südfranzösischen Toulouse, dem Sitz von Boxer Design, „englische“ Maschinen entstehen.

          Der Startschuss fiel im Sommer 2013. In nur 90 Tagen stellten die zwölf Boxer- Mitarbeiter einen Prototyp der Brough Superior SS 100 auf die Räder; er war das Gesprächsthema der Mailänder Motorradmesse Eicma 2013. Seither wurden verschiedene Einzelheiten geändert, doch vieles wurde beibehalten: die nah am Original aus den dreißiger Jahren liegende Form des 15 Liter-Tanks, die Konstruktionsprinzipien des flüssigkeitsgekühlten, mit dem französischen Motorenspezialisten Akira entwickelten V2-Triebwerks, die doppelten Beringer-Doppelscheibenbremsen im Vorderrad, der ungewöhnliche LED-Scheinwerfer und auch das Material des Rahmens. Der besteht aus Titan, ist vermutlich der derzeit leichteste der Motorradwelt.

          Die Entwicklung der ersten Serie von 300 Fahrzeugen ist abgeschlossen, die Homologation nach der Euro-3-Norm beendet. 60 Stück werden noch 2016 gebaut, 240 im nächsten Jahr. „Dann endet die Kleinserien-Ausnahmegenehmigung und auch wir müssen auf die Norm Euro-4 umstellen“, sagt Castaigne. Dann muss ein ABS eingebaut, auf niedrigere Abgaswerte und das Vorhandensein einer Onboard-Diagnoseleuchte geachtet werden. Die erste Serie ist längst ausverkauft - noch bevor das erste Motorrad gebaut wurde. Immerhin 62.900 Euro beträgt der Basispreis. Sonderwünsche lassen sich angesichts der Produktion in Handarbeit erfüllen.

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