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Mit dem Volvo zum Polarkreis : Der lange Weg in die Kälte

Wilde Kerle unterwegs nach Nordschweden Bild: Stefan Thiele

Wer noch ein richtiges Winterabenteuer erleben will, macht sich mit seinem Volvo-Oldtimer auf den Weg nach Lappland - zum Volvo Owners Meeting at the Arctic Circle. Boris Schmidt schaffte es in seinem neuen C30 sogar ohne Spikes ins Ziel.

          Wo ist nur der Winter geblieben? In Mitteleuropa findet er Jahr für Jahr nicht mehr statt, von einigen einsamen Tälern in den Alpen vielleicht abgesehen. Wer Kälte, klare Luft, Schnee und Eis noch erleben will, muss weit fahren. Dorthin, wo der Weihnachtsmann zu Hause ist. An den Polarkreis.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun ist das schon mit einem neuen Auto eine anspruchsvolle Aufgabe, es aber mit Oldtimern zu wagen, die eigentlich sonst in der dunklen Jahreszeit wohlbedeckt in einer warmen Garage vor sich hin schlummern, scheint doch ein gewisses Wagnis. Aber warum nicht? Ortwin Schröder, ein Deutscher, der seit sechs Jahren in der Nähe von Göteborg lebt und im Sommer am Volvo-Stammsitz das größte Volvo-Treffen der Welt mitorganisiert, träumte schon lange von einer ähnlichen Zusammenkunft unter Gleichgesinnten, nur eben unter anderen Vorzeichen. 20 Grad minus statt 20 Grad plus, einem Volvo macht das doch nichts aus.

          Eindeutige Bezüge zum „Schneewittchensarg“

          Nachdem Schröder im vergangenen Jahr zum ersten Mal „Vomac“ realisiert hatte - das Volvo Owners Meeting at the Arctic Circle - und auf breite Resonanz gestoßen war, rief er auch dieses Jahr wieder die kleine Volvo-Gemeinde in den Norden. Junsele in Lappland war das Ziel, wobei es für die meisten Teilnehmer schlicht um die Fahrt als solche geht. „Der Weg ist das Ziel“, sagen fast alle Vomac-Teilnehmer unisono, es ist einfach spannend, seinen geliebten Oldtimer (und sich selbst) in Abertausenden von Winter-Kilometern auf die Probe zu stellen. Patricia und Adrian sind mit ihrem 1970er Volvo 144 aus der Schweiz gekommen, das Ehepaar Schreiber aus dem Burgenland hat dem 22 Jahre alten 244 die Sporen gegeben.

          Rasante Seitenlage: Ohne ABS wird das Lenken schwierig
          Rasante Seitenlage: Ohne ABS wird das Lenken schwierig : Bild: Boris Schmidt

          Da in Schweden Toleranz ganz groß geschrieben wird, ist Vomac keine reine Oldie-Veranstaltung. Alle Volvo-Fahrer sind dabei. Auch jene, die mit dem Flugzeug anreisen und sich einen neuen Wagen mieten, sind gerngesehene Gäste - wie Vater und Sohn Mejer aus Holland. Nicht jeder kann sich im Februar eine ganze Woche freinehmen - so viel muss man für die Tour mindestens einplanen. Und wir hatten uns gedacht, wir nehmen die mehr als 2000 Kilometer von Frankfurt aus mit dem neuesten Volvo in Angriff - dem C30, jenem Kompaktwagen, der mit seiner gläsernen Heckklappe eindeutige Bezüge zum berühmten „Schneewittchensarg“ setzt - dem Volvo P 1800 ES, der von 1971 bis 1972 als zweitürige Kombi-Variante des P-1800-Coupes gebaut worden war.

          Schweden war meist nur grau und grün

          Gelernt haben wir viel auf der Fahrt. Der kleine C30 hat hervorragende Langstreckeneigenschaften, nicht nur wegen der bequemen Sitze. Er ist mit weniger als sieben Liter Diesel auf 100 Kilometer zu bewegen - trotz wunderbarer Automatik und dicker 5-Zylinder-Dieselmaschine mit 180 PS. Und sonst: Hell ist es selbst in Nordschweden Mitte Februar schon von 8 bis 17 Uhr, Flüssigkeit für die Scheibenwischanlage kann man fix und fertig gemischt kaufen oder gar tanken, und Diesel gibt es mit der Shell-Card direkt an der Säule.

          Schweden ist längst nicht mehr so teuer wie früher. Frieren muss man dabei kaum, auch in Skandinavien sind die Winter des 21. Jahrhunderts offenbar nahezu harmlos. Wir mussten froh sein, 600 Kilometer nördlich von Stockholm endlich auf verschneite Landschaften zu stoßen, sonst war Schweden meist nur braun und grau und grün.

          Trotz ESP im Schnee gelandet

          Dass die Temperaturen während des Treffens kaum niedriger als „-2“ waren, geriet dem Spaß aber nicht zum Nachteil. Im Gegenteil. Nur das geplante Fahren auf einem zugefrorenen See musste abgesagt werden, es war einfach nicht kalt genug gewesen, um mit den Autos gefahrlos aufs Eis zu gehen.

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