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Mercedes E-Klasse : Zwei Augen zugedrückt

Mercedes-Benz Klassik: Chrom am Grill und Stern auf der Haube Bild: Hersteller

Mercedes-Benz will aus der Defensive heraus und überarbeitet seine E-Klasse mit hohem Aufwand. Erste Bilder zeigen ein stark verändertes Kleid.

          Vor rund einem Jahr rief ein besorgter Mercedes-Benz-Händler in der Redaktion an und fragte: „Wissen Sie, ob demnächst die E-Klasse erneuert wird? Ich höre Gerüchte, sie werde vorzeitig stark modernisiert. Das wäre auch bitter nötig, denn der Verkauf läuft enttäuschend.“ Eine Nachfrage in Stuttgart ergab wenig Erhellendes, es fielen Worte der Beschwichtigung und der Hinweis, kurzfristig werde sich nichts ändern. Doch hinter den offiziellen Verlautbarungen war schon zu spüren, wie es brodelte.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Mit den vier strengen Scheinwerfern und den seitlichen Backen war niemand mehr richtig glücklich, falls überhaupt je jemand richtig glücklich damit war. Die Kundschaft jedenfalls war es immer weniger. Nach anfänglichem Erfolg fuhr die E-Klasse mit ihren Ecken und Kanten zunehmend am Geschmack vorbei. BMW und Audi zogen mit 5er und A6 davon, das nagt am Selbstbewusstsein und an der Gewinnrechnung. Nun - genauer gesagt, im März 2013 - ist Schluss, lange genug die Augen zugedrückt. Nach nur vier Jahren Bauzeit unterzieht Mercedes seine für das Geschäft so wichtige Limousine einer Modellpflege, die weit über das hinausgeht, was üblicherweise gepflegt wird. Erste Bilder zeigen ein stark verändertes Kleid. In Stuttgart wird geflüstert, die Entwicklung habe die schier unglaubliche Summe von fast einer Milliarde Euro verschlungen, das wirft Fragen auf, ein komplett neues Auto hätte wohl „nur“ 500 Millionen Euro mehr gekostet.

          Flanken geglättet

          Das Designteam um Gorden Wagener spendierte eine neue Front, in der sich fortan zwei Scheinwerfer um Aufgaben der Ausleuchtung kümmern. Wer unbedingt will, kann im Verlauf der LED-Streifen noch einen Rest des Vier-Augen-Gesichts ausmachen. Die unten hängenden Tagfahrlichtleisten in der Frontschürze sind verschwunden. Je nach Ausstattungslinie wird ein Grill aus Chrom mitsamt Stern auf der Haube dargeboten oder - erstmals an den viertürigen Modellen - der sportlich ausgerichtete Grill mit integriertem Stern.

          Innenraum: Gediegenere Frische

          An den Flanken wurde geglättet, was zu glätten war, die Auswölbungen an den Hinterrädern sind zurückgenommen, die Linie läuft ruhiger aus, die seitliche Zierleiste entfaltet ihre Wirkung nun eine Etage tiefer. Rückleuchten und hinterer Stoßfänger sind ebenfalls neu gestaltet, auch wenn am Heck dezenter nachgeholfen wurde und die Änderungen erst auf den zweiten Blick auffallen. Im Innenraum bleibt es grundsätzlich bei der die Meinung spaltenden kantigen Architektur. Lenkrad und Instrumente wurden aber überarbeitet. Der Gang-Wählhebel ist nun am Lenkradstock so filigran ausgeführt wie in anderen Modellen der Marke üblich, in der Mittelkonsole ist Platz für Ablagen. Lobenswert: Es gibt eine Analoguhr zwischen den neu geformten zentralen Lüftungsdüsen.

          Stillschweigen zu Preisen

          Technisch gibt Daimler seiner neuen E-Klasse eine Vielzahl an Komfort- und Sicherheitssystemen mit, die in ihrer Fülle kaum noch zu überblicken sind. Eine Stereokamera mit zwei „Augen“ ersetzt die bisherige Monokamera. So lassen sich fortan andere Fahrzeuge, Fußgänger oder Straßenmarkierungen besser erkennen und an Abstandshalter, Kollisionswarner oder Hilfsbremse melden. Die Lenkung arbeitet elektromechanisch.

          Abschlussarbeit: Neue Heckleuchten, neuer Stoßfänger

          Die Familie der Ottomotoren wird um einen Zweiliter-Vierzylinder mit Direkteinspritzung ergänzt, der mit 135 oder 155 kW (184/211 PS) angeboten wird und in Kooperation mit der Siebengang-Automatik jeweils nur 5,8 Liter Normverbrauch erreichen soll. Für Spitzenleistungen der brachialeren Art soll ein neuer Dreiliter-Sechszylinder sorgen, der als E 400 Biturbo 245 kW (333 PS) entfaltet, in 5,9 Sekunden von Null auf 100 km/h sprintet und 7,5 Liter Normverbrauch ausweist. Die Daten kommen einem verdächtig bekannt vor beim Blick auf die Konkurrenz. Ob da jemand Ingolstadt und München im Blick hat? Aber das gilt ja für das ganze frisch gemachte Auto, das den Dreikampf neu eröffnen will.

          Die Änderungen gelten selbstredend auch für Derivate wie den T-Modell genannten Kombi. Über die Preise herrscht noch Stillschweigen.

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