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Mercedes-Benz C111-IID : Die vergessenen Tage des Donners

  • -Aktualisiert am

Ein Traumwagen der Buben von damals und der Väter von heute: Der Mercedes Benz C111-IID blieb eine wunderschöne Studie Bild: Abele

Der Mercedes-Benz C111-IID mit Dieselmotor war 1976 ein Vorreiter der heutigen Hatz um effiziente Antriebe mit geringem Treibstoffverbrauch und damit auch niedrigem Schadstoffausstoß. Die Flunder sollte dem Diesel das Image des Behäbigen nehmen.

          Der 12. Juni 1976 ist ein Tag des Donners. Auf der Rundstrecke in Nardo, Italien, dreht ein Gefährt mit markantem Arbeitsgeräusch seine Runden: ein Mercedes-Sportwagen mit Dieselmotor. Unverkennbar sein Klang, ein grollendes Nageln, das von der Macht des Antriebs kündet. Unverkennbar ohnehin das Auto, das in dieser Ausbaustufe den offiziellen Namen C111-IID hat: Die Flunder trägt einen Orangeton, der - in den 1970er Jahren keine Selbstverständlichkeit - geschmacksicher ist und den treffenden Namen „Weißherbst“ hat. Sie ist angetreten, um zu dokumentieren, dass ein Dieselauto keine lahme Ente sein muss.

          Runde um Runde kreist das Fahrzeug, alle zweieinhalb Stunden und nach rund 630 Kilometern innerhalb weniger Minuten aufgefüllt mit 140 Liter Treibstoff, einem dreiviertel Liter Schmieröl und einem frischen Fahrer. Am Ende des Tages, der in diesem Fall sogar 60 Stunden hat und somit großzügig in die Folgetage hineinreicht, wird der Sportwagen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 252 km/h insgesamt 16 Rekorde geknackt haben. Noch einmal sei ausdrücklich erwähnt: mit einem Dieselmotor. Ihn zu haben ist die Großtat des C111-IID.

          Damals befand sich diese Antriebsart, gelinde gesagt, nicht ganz auf heutigem Niveau. Sondern vor allem in einer Ecke: Diesel-Personenwagen hatten zwar den Ruf einer guten Treibstoffökonomie, aber auch den der größtmöglichen Behäbigkeit auf vier Rädern - wer Diesel fuhr, musste früher aufstehen. Optisch illustriert wurde das Geschehen von einer Rußwolke.

          Die Flunder trägt orange: Der C111-IID bringt es auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 252 km/h

          Nun sollte der C111-IID alles ändern. Seine Väter bei Mercedes-Benz hatten vor, in Amerika eine S-Klasse mit Dieselmotor zu lancieren, den 300 SD. Nicht ganz freiwillig: Über den sogenannten Flottenverbrauch musste die Marke auf dem Papier den durchschnittlichen Verbrauch der dort angebotenen Modellpalette senken. Und das ging nur mit Hilfe des Diesels. Die weißherbstfarbene Flunder sollte ihren Teil zur Überzeugungsarbeit beitragen und dem Diesel das Image des Behäbigen nehmen.

          Die Kupplung ist etwas delikat

          Zeitsprung. 12. Juni 2010. Der nachhaltige Druck auf einen Knopf links hinter dem Fahrersitz versorgt die Glühkerzen mit Energie. Ein Zugschalter stellt die Treibstoffzufuhr her, hörbar über ein leises Sirren der passenden Pumpe, entweder aus dem 70-Liter-Tank im linken oder dem im rechten Schweller, ein weiterer Zugschalter schließt den Zündungskreislauf. Nun der Druck auf den „Starter“-Knopf - und der Fünfzylinder erwacht donnernd, gibt dem Auto zugleich ein Schütteln und Vibrieren mit, das bei dieser Gelegenheit aber nicht unangenehm wirkt, sondern vor allem von der Macht des Antriebs kündet. Die Kupplung, hatte man eben noch gesagt, sei etwas delikat, was der erste Anrollversuch dokumentiert, der bereits nach null Metern endet und den Motor absterben lässt. Doch Füße lernen schnell und bringen die Fuhre beim zweiten Versuch in Bewegung. Unterhalb von 3000/min arbeitet der Motor noch etwas arhythmisch, und das Auto bewegt sich mit unelegantem reiterlichem Schwung in Richtung Strecke. Doch höhere Drehzahlen und damit Tempi bringen eine Gleichmäßigkeit, die bereits die druckvolle Kraft dieses Autos erfühlen lässt.

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