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Megayachten : So viel Luxus macht schwindlig

Megayacht aus Rendsburg: „Sapphire”, 73,52 Meter lang Bild: Nobiskrug

Megayachten von mehr als 60 Meter Länge sind die Spezialität einiger weniger norddeutscher Werften. Warum bloß sind die führend in der Welt? Ein Besuch bei Nobiskrug in Rendsburg.

          Nur eine halbe Stunde Zeit zum Begutachten all der Räume auf vier Decks, sämtlicher 73,5 Meter, der ganzen 1550 Tonnen Schiff. Da fühlt man sich, als öffne sich einem einmal im Leben ganz kurz das Tor zu Onkel Dagoberts Geldspeicher. Viel zu wenig Zeit, darin zu baden. Und mitnehmen darf man auch nichts. Bloß eine halbe Stunde für die ganze Pracht. Bei den Gesprächen mit Werftchefin und -chef war die Uhr in Vergessenheit geraten, und nun lässt das Heimreiseticket keinen Spielraum mehr. Also rasch Samtschlappen überstreifen, um dem geschätzte 75 Millionen Euro teuren Werk keinen Striemen zuzufügen, hineinhechten und an Wahrnehmungen aufsaugen, was geht. Im Eiltempo hoch und runter, vor und zurück. Die Eindrücke sind so erstaunlich, „Sapphires“ Dimensionen so weit jenseits des Gewohnten, dass einem die Orientierung abhandenkommt. Glücklicherweise marschiert die Werftleitung vorneweg.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Nobiskrug - das klingt für manchen noch immer nach Fregatte in Marinegrau, nach Frachter, Tanker, Fähre, nach Prahm, Ponton, Schwimmkran. Baunummer eins des Rendsburger Unternehmens war 1905 eine Klappschute. Inzwischen sind die Nummern 781, 782 und 783 in Arbeit, drei Motoryachten der Kategorie 75 Meter. 782 und 783 werden einmal „Mogambo“ und „Graffiti“ heißen: beides noch Baustellen, von Behelmten mit Werkzeug bevölkert, aufgereiht im 159 Meter langen, permanent überdachten Trockendock I, auch „Superyachthalle“ genannt. Das mächtige Bauwerk mit seinen angegliederten Werkstätten und Büros, seit 2005 in Betrieb, ist komplett klimatisiert, die Luftfeuchtigkeit wird geregelt. Susanne Wiegand und Holger Kahl, die beiden Geschäftsführer, sprechen von der „modernsten Ausrüstungshalle der Welt“.

          Bis der Rohbau eines künftigen Privatschiffs in dieser Halle angekommen ist, sind schon einige Jahre vergangen. Projekte wie 781 bis 783, an denen alles Sonderanfertigung ist, sind derart komplex, dass ein Jahr mit Verhandlungen und Planungen vergehen kann, bevor Werft und Eigner überhaupt zum Vertragsabschluss kommen. „Werkstattbeginn“ ist schon Monate vor der Kiellegung, rund ein Jahr dauert es dann, bis die Stahlsektionen des Rumpfs zusammengeschweißt sind und der Stapellauf auf dem Helgen stattfinden kann: ab ins Wasser der Eider, die in Sichtweite mit dem Nord-Ostsee-Kanal zusammenfließt.

          „Tatoosh”, 93 Meter lang, Auslieferung 2000
          „Tatoosh”, 93 Meter lang, Auslieferung 2000 : Bild: Nobiskrug

          Ein Quadratmeter Inneneinrichtung für 15.000 Euro

          Nach dem Stapellauf geht es für ein bis anderthalb Jahre ins Trockendock, wo der Rohbau ausgerüstet wird. Es folgen eine mehrmonatige Testphase, während der sämtliche Systeme geprüft und nebenher letzte Arbeiten ausgeführt werden, und schließlich eine mehrtägige Erprobung auf der Ostsee. Solch ein Objekt ist eine gigantische Konjunkturmaßnahme. Es gibt Auftraggeber, die mehr als ein Schiff dieses Kalibers gleichzeitig in Arbeit haben - um sie später selbst zu nutzen, gleich weiterzuverkaufen oder für vielleicht 600.000 Euro die Woche zu verchartern. Ein Quadratmeter Inneneinrichtung auf Topniveau kostet nach einem groben Richtwert 15.000 Euro, deswegen leuchtet es uns ein, dass wir bei unserem Eilrundgang zur Erkundung von 781 - „Sapphire“ - weiche Schläppchen über den Schuhen tragen sollen. Sie liegt im zweiten, 193 Meter langen Trockendock, wo sie von einem temporären Dach vor Wetter und Blicken geschützt wird, ist praktisch fertig, schwimmt, war sogar schon auf Testfahrt. Die Auslieferung steht unmittelbar bevor, es läuft der „Final Touch“: Solch ein Schiff hat anscheinend den Gepflogenheiten der Branche zufolge die Werft ohne Fussel und Fingerabdruck zu verlassen.

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