http://www.faz.net/-gy9-77vac

Matula und der Alfa Romeo : Ein Fall für zwei

Einen Tag vor Drehbeginn noch ohne Auto: „Nehmen wir doch meins“, sagte Claus Theo Gärtner 1980 Bild: Eilmes, Wolfgang

Dreihundert Folgen lang löste ein geniales Duo Kriminalfälle im ZDF: Detektiv Matula und sein Alfa Romeo. Am Freitag ist Schluss. Leider. Eine Beweisaufnahme mit gefälschten Kennzeichen, Schrotflinten und einer weisen Mutter.

          Wer mit der Polizei keinen Ärger haben möchte, sollte nicht vierzig falsche Nummernschilder im Kofferraum liegen haben. Und zwei abgesägte Schrotflinten wirken auch nicht gerade deeskalierend auf die Ordnungshüter. Dreiunddreißig Jahre ist die Szene her, sie ist nie auf den Fernsehschirmen zu sehen gewesen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wäre die Sache schiefgegangen, würde heute niemand über den Privatdetektiv Josef Matula, seinen Alfa Romeo und dreihundert Folgen der beliebten Krimiserie „Ein Fall für zwei“ reden. Heute sitzt Claus Theo Gärtner alias Matula entspannt und erdverbunden in seinem charmanten Lieblingsrestaurant im weitestgehend als Sozialwohnung fungierenden Palast Hotel in Wiesbaden.

          Schrotflinten im Kofferraum

          Er trägt schwarze Lederjacke, Jeans, Hut und erzählt die Episode mit einem Schmunzeln. „Wir drehten mitten in der Nacht in Frankfurt. Ich war abgedreht, konnte also schon ins Basislager am Main fahren. Ich nahm unseren Toningenieur mit, am Hauptbahnhof haben wir einen Zwischenstopp an der Imbissbude eingelegt.  Als ich mit Hamburgern in der Hand wieder rauskomme, steht der Mann breitbeinig, die Hände aufs Dach gelegt, an unserem Auto.“

          „Zwei Polizisten mit Waffen hinter ihm. Da fiel es mir plötzlich ein: Wir hatten noch die gefälschten Nummernschilder vom Drehort drauf. Alle in der Serie fahrenden Autos bekommen Frankfurter Nummern, damit nicht auffällt, wenn wir mal in Groß-Gerau oder sonst wo drehen. Wir trugen also Parkas, hatten lange Haare, die falschen Nummernschilder, es war morgens um 3 Uhr. Die haben uns für Terroristen von Baader-Meinhof gehalten.“

          Einsatz in Mainhatten: Matula und sein Alfa, immer in hellen Farben

          Gärtner rief ihnen zu: „Das ist ein Filmauto“, woraufhin ihn der Polizist mit gezogener Waffe aufforderte, den Kofferraum zu öffnen. Darin: vierzig gefälschte Nummernschilder und zwei abgesägte Schrotflinten, die der Requisiteur dort zwischengelagert hatte. Nach einigen hektischen Erklärungen stellt sich die Wahrheit heraus, der Polizist verabschiedet Gärtner mit den Worten: „Ich wusste nicht, ob ich Sie vom Fahndungsplakat oder aus dem Fernsehen kenne.“

          1981 erschien die erste Folge. Sechs Stück sollten es werden. Ein Jahr lang warb der damalige Produzent Georg Althammer um die Zusage des Theaterschauspielers Gärtner, bis dieser schließlich auf einen Zettel kritzelte: „100 Folgen, ok. CTG.“ Am kommenden Freitag erscheint der dreihundertste und letzte Fall für zwei, eine Institution des ZDF-Freitagabendkrimis verschwindet.

          Matula fährt immer Alfa Romeo

          Über all die Jahre haben die Rechtsanwälte des kongenialen Duos gewechselt, die Sekretärin wurde getauscht, Wohnungen und Büros sehen anders aus, nur zwei Dinge sind so wie immer: Der Privatdetektiv ist Josef Matula, gespielt von Claus Theo Gärtner. Und Matula fährt Alfa Romeo. „Im Drehbuch“, erzählt Gärtner, „im Drehbuch stand: Der Detektiv fährt mit dem Auto über die Brücke. Irgendwann fragte einer aus der Filmcrew: Was für ein Auto soll das denn eigentlich sein? Niemand hatte eine Antwort, also überlegten wir. Einen Volkswagen.“

          Claus Theo Gärtner fährt seine Stunts selbst

          „Da sagten alle: O Mann, wie langweilig. Einen Porsche. Da sagten alle: Den kann sich ein armer Polizist, der zum Privatdetektiv wird, nicht leisten. Mini Cooper? Da sagte der Kameramann: Da passe ich mit meiner Ausrüstung nicht rein. Also vertagten wir das Thema.“ Einen Tag vor Drehbeginn war immer noch kein Auto gefunden, was gewissen Druck auslöste. Jemand schlug vor, man könne irgendeinen Mietwagen besorgen.

          Weitere Themen

          Chaotisch und teuer

          Neuer Test für Abgase : Chaotisch und teuer

          Die neue Abgasnorm soll realistischer zeigen, was ein Auto verbraucht und an Schadstoffen ausstößt. Doch zunächst stürzt sie nur die Industrie ins Chaos – und hat für die Kunden finanzielle Nachteile.

          Topmeldungen

          Putin-Merkel-Treffen : Vorsicht vor Halluzinationen

          Moskau ist kein leuchtendes Beispiel in Sachen Friedensbemühungen. Warum Putin jetzt die erstarkenden Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland in ein helles Licht rückt, ist völlig klar. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.