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Kraftstoffverbrauch : Von der Norm zur Normalität

  • -Aktualisiert am

Ein Rollenprüfstand kann viel, aber den Fahrbetrieb im Alltag kann er nicht ersetzen Bild: picture alliance / dpa

Umweltverbände und Medien stellen die Automobilindustrie wegen Falschangaben zum Kraftstoffverbrauch an den Pranger. Sind die Vorwürfe begründet?

          Es wäre so einfach. Eine Studie im Internet recherchieren, ein Anruf bei der Deutschen Umwelthilfe, eine Statistik der im Fahrtbericht ermittelten Verbräuche. Und fertig wäre ein Artikel, der sich nahtlos in den medialen Chor einreiht. Selbst ansonsten meist ernst zu nehmende Publikationen sind sich einig: Die Automobilindustrie betrügt ihre eigenen Kunden, weil die in den Prospekten angegebenen Normverbräuche in der Realität nicht erreicht werden.

          Ist das wirklich so? Wir nähern uns dem Thema mit einer einfachen Frage: Wie realistisch ist das Verfahren, mit dem die Normverbräuche ermittelt werden? Seit 1996 gilt in Europa der „Neue Europäische Fahrzyklus“ (NEFZ). Entwickelt wurde er allerdings nicht, um den Verbrauch zu bestimmen, sondern zur Messung von Abgas-Schadstoffen wie Stickoxid und Rußpartikel. Der NEFZ tat dabei gute Dienste, denn er definiert klare Ausgangsbedingungen für den Test: Auf einem Rollenprüfstand wird eine Strecke von etwa elf Kilometern in rund 20 Minuten zurückgelegt. Die Geschwindigkeit ist für jeden Zeitpunkt genau definiert. Die Beschleunigungen sind so moderat, dass auch ein Kleinwagen mit 50 PS mithalten kann.

          Die Durchschnittsgeschwindigkeit im Normzyklus liegt also bei 33,6 km/h, während alle Feldversuche zeigen, dass auf deutschen Straßen rund 60 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren wird. Trotzdem kann, wer sehr sanft mit dem Gaspedal umgeht, den Prospektverbrauch erreichen. Dies gilt allerdings nur für den, der die Autobahn meidet, denn die maximale Geschwindigkeit liegt im Zyklus bei 120 km/h.

          Bild: F.A.Z.

          Einige Verbrauchstreiber wurden bei der Definition des NEFZ gar nicht berücksichtigt. So galt eine Klimaanlage damals als Luxusausstattung. Der Verbrauch steigt jedoch durch den Klimakompressor um 0,3 bis 0,5 Liter auf 100 Kilometer. Und dass elektrische Großverbraucher an Bord - Infotainmentsysteme etwa - zum Massenphänomen werden, war nicht absehbar. Schließlich lenken die Autos auf dem Rollenprüfstand nicht, technisch wäre das früher nicht umzusetzen gewesen. Eine Servolenkung, heute auch im Kleinwagen unverzichtbar, kostet jedoch weitere Zehntelliter.

          Es finden sich also ausreichend handfeste Gründe, warum bei normaler Fahrt der reale Verbrauch nicht der Norm entsprechen kann. Einen Mehrverbrauch von einem Liter hält daher auch Ulrich Eichhorn, Technik-Geschäftsführer des Branchenverbandes VDA, für normal. Aber nimmt die Diskrepanz zwischen Papier und Realität durch moderne Motorentechnik nicht zu? Erstaunlicherweise bejaht Eichhorn: „Ein Liter ist ein Liter. Wenn ein Auto aber nur noch fünf statt früher acht Liter verbraucht, dann ist die prozentuale Abweichung viel höher.“

          Jüngst als „Motor des Jahres“ ausgezeichnet

          Allerdings gibt es auch technische Gründe, die zu einem wachsenden Abstand führen. Gut beobachten lassen sie sich anhand des neuen Ford-Dreizylindermotors, jüngst als „Motor des Jahres“ ausgezeichnet. Durch seine hohe Leistungsdichte von bis zu 100 Kilowatt je Liter Hubraum wird der Motor im Normtest fast ausschließlich in besonders verbrauchsgünstigen Bereichen betrieben, also mit moderater Drehzahl und mittlerer Last. In einem Focus Turnier kommt das Aggregat auf 4,9 Liter Normverbrauch. Die Redaktion Technik und Motor konnte im Fahrtbericht diesen Wert mit 4,8 Liter sogar unterbieten. Freilich nur auf einer Sparrunde, eine forcierte Autobahnfahrt wurde mit 8,3 Liter quittiert.

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