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Nach Zwischenfall : Kann der A 380 mit drei Triebwerken starten?

  • -Aktualisiert am

Eine Helikopterbesatzung fand kürzlich Trümmerteile im Eis. Bild: AIB Denmark/Air Greenland

Ungewöhnliche Probleme erfordern in der Aviatik besondere Lösungen. Möglicherweise soll der in Kanada mit einem zerstörten Triebwerk gelandete Airbus A 380 zurück nach Frankreich fliegen. Dies allerdings mit nur drei laufenden Turbinen.

          Goose Bay ist ein überschaubarer Militärflugplatz mitten im Niemandsland der kanadischen Wildnis von Neufundland. Ideal für Naturliebhaber und Trapper, weniger ideal, wenn das größte Passagierflugzeug der Welt hier havariert und repariert werden muss. Ein Airbus A 380 der Air France hatte am 30. September auf dem Weg nach Kalifornien über Grönland einen verheerenden Triebwerksschaden erlitten. Teile einer Turbine der GP7200-Reihe des Herstellers Engine Alliance, einem Gemeinschaftsunternehmen der Triebwerkhersteller General Electric und Pratt & Whitney, lösten sich mitsamt der Verkleidung und fielen herunter. Den Piloten gelang es, den nur noch dreimotorigen Vierstrahler im Rahmen einer Sicherheitslandung in Kanada ohne Probleme aufzusetzen. Handyaufnahmen verbreiteten sich weltweit. In Goose Bay scheint eine Reparatur aber nicht oder nur schwer möglich zu sein.

          Deshalb wird von Air France offenbar in Erwägung gezogen, das Flugzeug mit nur drei laufenden Triebwerken zurück nach Frankreich zu fliegen. Von der Air-France-Technik ist abzuklären, ob das kaputte Triebwerk im „Windmilling“-Modus während des Flugs mitdrehen kann. Dabei dreht sich die Turbine durch den Fahrtwind quasi wie ein mitlaufender Propeller. Falls hierbei keine Ölversorgung möglich ist, besteht jedoch die Gefahr, dass die Lager mangels ausreichender Schmierung trocken laufen. Darum darf ein solcher Überführungsflug nur eine genau definierte Zeit dauern. Dazu zählt man die Zeit vom Ausfall des Triebwerks bis zur Landung und den Überführungsflug. Zusammen dürfen dies beim A 380 nicht mehr als sieben Stunden sein.

          Da sich das Unfall-Triebwerk aber regelrecht zerlegt zu haben scheint und die vordere Triebwerksverkleidung mitsamt dem Fan weggebrochen ist, wird die Turbine womöglich komplett abmontiert. Dann soll ein anderes Triebwerk zwar angehängt werden, dieses wäre im Flug aber nicht in Funktion. Denn vermutlich sind auch Hydraulik- und andere Versorgungsleitungen in der Tragfläche beschädigt, die in Goose Bay nicht auf die Schnelle repariert werden können. Ganz ohne das Triebwerk zu fliegen geht wiederum aus Gründen des Schwerpunkts und der Lastverteilung nicht.

          Vor dem Start war noch alles in Ordnung. Bilderstrecke

          Start und Flug mit nur drei Triebwerken sind prinzipiell möglich, wie ein Testpilot von Airbus in Toulouse auf Anfrage bestätigte. Werkspiloten des Herstellers testen im Rahmen der Flugerprobung ohnehin, wie sich der A 380 beim Ausfall von einem oder sogar zwei Triebwerken fliegen und landen oder mit nur drei laufenden Motoren starten lässt. Für eine Airbus-Werkscrew seien daher ein Start sowie Überführungsflug des A 380 mit nur drei laufenden Triebwerken gut beherrschbar, sagt der Profi.

          Ein derartiger Überführungsflug kann auch von einer entsprechend lizenzierten A 380-Crew der jeweiligen Fluggesellschaft vorgenommen werden. Es müssen also nicht zwingend Testpiloten von Airbus fliegen. Dazu gibt es offizielle Hersteller-Checklisten, wie und unter welchen Bedingungen ein derartiger Flug zu geschehen hat. So muss eine Überführungs-Crew zunächst ein gültiges Training für den „A 380 Three Engine Ferryflight“ nachweisen. Zudem werden der Start wie auch der Flug mehrere Male im Simulator des Airbus A 380 geübt. Das geschieht unter den Wetterbedingungen, unter denen der Flug stattfinden soll, und für den Flughafen, von dem es losgehen soll.

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