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Harley-Davidson, Milwaukee : Miles and Roar

Rauchen gefährdet die Gesundheit Ihrer Reifen: Auf der Brady Street von Milwaukee zeigt eine Harley-Davidson Street Glide starke Symptome eines Burnout. Bild: Wille

Ein stänkernder Präsident, Sorgen um den Nachwuchs, aber im Feiern Weltklasse. Besuch bei Harley-Davidson in Milwaukee.

          Da gibt es Geschichten wie die von Jorge Moreno aus Medellín in Kolumbien, der in einer Gruppe von fünf Motorradfahrern nach Milwaukee, Wisconsin, aufgebrochen war und in Nicaragua mit einer freilaufenden Kuh kollidierte. Einen Blinker und den Windschild seiner Harley büßte er beim Sturz ein, was ihn aber nicht davon abhielt, seinen Tausende Meilen weiten Weg fortzusetzen. Bis nach Tulsa, Oklahoma, schaffte er es, wo er auf dem Interstate-Highway 44 von einer Matratze getroffen wurde, die sich von der Ladefläche eines Pick-up-Trucks gelöst hatte.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Theodore Roosevelt hieß der Präsident der Vereinigten Staaten, als in einer mickrigen Holzbude an der 38. Straße von Milwaukee drei Männer – zwei Davidsons und ein Harley – begannen, Motorräder zu bauen. 1903 war das. Seitdem sind 115 Jahre vergangen, Präsidenten kamen und gingen, 19 an der Zahl bis heute, solche und solche. Aber keiner wie Trump.

          Neulich rief der Präsident aller Amerikaner alle Amerikaner indirekt dazu auf, Harley-Davidson zu meiden. Dass viele Harley-Besitzer planten, das Unternehmen zu boykottieren, finde er großartig, twitterte der mächtige Mann im Weißen Haus. Vor kurzem noch galt ihm Harley-Davidson als großartig, die wahre amerikanische Ikone. Nun ist die Motor Company in der Gunst des Präsidenten von ganz oben nach ganz unten abgestürzt. So schnell ändern sich die Zeiten. Da hilft die ganze Tradition von 115 Jahren nichts.

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          In ihrem ersten Jahr stellten der Überlieferung zufolge die drei Wagemutigen drei Motorräder her. Ob es wirklich drei Maschinen waren, ist nicht verbürgt, angeblich verdoppelten sich schon 1904 die Stückzahl und die Größe der Bretterbude. 1907 schloss sich ein dritter Davidson-Bruder an, die Jahresproduktion lag bei 150 Motorrädern, alles Einzylinder bis dahin.

          Die ehemaligen Feierabendbastler hatten ihre alten Berufe schon aufgegeben und ein zweigeschossiges Holzgebäude an der heutigen Juneau Avenue bezogen, als William Harley, der Konstrukteur unter den vier Pionieren, den ersten V-Twin entwarf: Die beiden Zylinder des Modells 5D standen im bis heute typischen 45-Grad-Winkel zueinander. In der abermals vergrößerten Fabrik arbeiteten 35 Angestellte. 1149 Motorräder rollten aus der Halle, es ging bergauf.

          Der Kunde entscheidet

          Trumps Äußerungen dürfen wohl als geschäftsschädigend gewertet werden. Vielleicht kauft sich andererseits manch einer jetzt erst recht eine Harley. Wer weiß. Und wer weiß, wohin der Entschluss der heutigen Harley-Bosse führt, einen Teil der Produktion aus Amerika abzuziehen, um in Asien billiger fertigen zu können, was den leicht entflammbaren Staatslenker so erzürnte.

          Am Ende entscheidet über ein Unternehmen wie Harley-Davidson nicht der Präsident, sondern der Kunde. Wenige Unternehmen haben Kunden wie Harley-Davidson. Solche wie Jorge Moreno, den Kolumbianer mit dem Matratzen-Unfall. Seine Harley war danach endgültig hinüber, nicht aber seine Entschlossenheit, an den Feiern aus Anlass des 115. Geburtstags teilzunehmen. Mit gebrochenem Arm und Mietwagen setzte er seine Reise fort.

          Die Harley-Vielfahrer

          Wie keine andere Marke versteht es Harley-Davidson, die Anhängerschaft zu mobilisieren. Wenn alle fünf Jahre eine Großinszenierung des Gutdraufseins und Spritverfeuerns ansteht, pilgern die Angehörigen der Bar-and-Shield-Glaubensgemeinschaft aus aller Welt nach Wisconsin. Vorige Woche, beim 115., entstand keineswegs der Eindruck, es könnte ein Boykott im Gange sein.

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