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Neuer Flughafen in Istanbul : Auf vermintem Gelände

In Istanbul soll nicht weniger entstehen als der größte Flughafen Europas Bild: IGA

Die Türkei manövriert sich politisch ins Abseits. Das ändert nichts an hochfliegenden Plänen für neue Infrastruktur. In Istanbul entsteht der größte Flughafen Europas auf schwierigem Boden. Und die Lufthansa soll davon profitieren.

          Die Türkei ist auf direktem Wege, sich zu isolieren, sich unter ihrem Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von den Werten einer Europäischen Union zu verabschieden, in die sie vor kurzem noch eintreten wollte. Der politische Kurs macht womöglich einen Strich durch die Rechnung eines der spektakulärsten Infrastrukturprojekte, das derzeit erschaffen wird. Denn in Istanbul soll nicht weniger entstehen als der größte Flughafen Europas, und wenn die Türkei schon mal dabei ist, dann auch gleich einer der größten und beeindruckendsten Flughäfen der Welt. Bereits die erste Phase ist von keinerlei Zurückhaltung geprägt. Der bisherige Platzhirsch London-Heathrow? Soll überholt werden. Bis Ende 2018 sollen drei Landebahnen betriebsbereit sein, im dazugehörigen Terminal ist die Abfertigung von 90 Millionen Passagieren im Jahr vorgesehen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Damit nicht genug. Im Jahr 2022 sollen fünf Landebahnen in Betrieb sein, bis 2028 soll die sechste hinzukommen. Vollständig fertiggestellt, ist die Abfertigung von 150 Fluggesellschaften mit 350 Reisezielen geplant, bis zu 200 Millionen Passagiere sollen dann jährlich nach und über Istanbul fliegen. Zum Vergleich: Der Flughafen Frankfurt schafft derzeit maximal 65 Millionen Passagiere und soll nach dem Bau des dritten Terminals bis zu 88 Millionen Passagiere abfertigen können. Aber die Achse, welche die Betreiber im Blick haben, reicht sowieso viel weiter. Istanbul soll sich in eine fliegerische Welt einreihen, die geographisch von New York bis Schanghai reicht.

          Im Jahr 2025 werden rund 225.000 Menschen am und um den Flughafen beschäftigt sein, so der Plan. Bilderstrecke

          Der neue Flughafen entsteht mitsamt allen Nebengebäuden auf einer Fläche von 76 Millionen Quadratmetern. Damit ist er siebenmal größer als der bestehende Atatürk-Airport. Er liegt im Norden Istanbuls, rund 35 Kilometer von der Innenstadt entfernt. Der Weg dorthin mit dem Auto dürfte beschwerlich sein, aber die übrige Infrastruktur soll mitwachsen. Der Flughafen wird über die dritte Bosporus-Brücke und die nördliche Marmara-Autobahn angeschlossen, außerdem befindet sich eine neue U-Bahn im Bau.

          Deren Erstellung ist dem Vernehmen nach zwar etwas in Verzug, aber noch sind die Bauherren zuversichtlich, dass sie bis Ende 2018 ebenfalls einsatzbereit sein wird. Mit flinken Zügen soll der Flughafen binnen 26 Minuten erreichbar sein, die 34 Kilometer lange Metro hält an sieben Stationen.

          Alles kein Problem, denkt der Beobachter nun, der türkische Staat wird das schon richten. „Weit gefehlt“, sagt Yusuf Akcayoglu, Vorstandsvorsitzender der Betreiberfirma IGA Istanbul New Airport. „Wir sind ein vollständig privat finanziertes Unternehmen, das den Flughafen im Rahmen eines BOT-Modells 25 Jahre lang betreiben will.“ Deshalb ist ihm an politisch stabilen Beziehungen gelegen. Bislang, meint er, spüre er keinen negativen Einfluss auf sein Bauvorhaben. Es habe keine Schwierigkeiten gegeben, das erforderliche Geld aufzunehmen. Drei Banken und drei Unternehmen haben in einer ersten Tranche sechs Milliarden Euro bereitgestellt, bis zum Endausbau reichen die Schätzungen von 10 bis 30 Milliarden Euro. Vom Staat direkt sei kein Geld geflossen, versichert der Vorstand.

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