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Hans-Peter Porsches Traumwerk : Dem Glück der Kindheit so nah

Seine kleine, unglaublich große Welt: Hans-Peter Porsche, seht her, wie es ihm gefällt. Bild: Christoph Bauer

Ein Besuch im Traumwerk des Hans-Peter Porsche mit märchenhaftem Sternenhimmel, pünktlicher Eisenbahn und der Verletzlichkeit des Spielzeugs aus Blech.

          Es gibt Breikinder, Mamakinder, Schreikinder. „Ich bin ein Spielkind“, sagt der ältere Herr mit einem Lächeln, das an Verschmitztheit nicht zu überbieten ist. Der Mann trägt an diesem heißen Sommertag das weiße Haar sehr locker gescheitelt, ein weit geschnittenes Hemd ohne Krawatte und eine leicht schlabberige Hose. Auf einen Binder aus seinem berühmten Bestand mit Bärchenmotiven hat er heute verzichtet.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wir treffen Hans-Peter (Kurzform: HP) Porsche in einem schmuck-modernen Anwesen, das als sein spätes Lebenswerk gelten darf und das nicht nur so heißt, sondern auch sein Traumwerk ist.

          Es ist ein neuerrichteter Gebäudekomplex auf der grünen Wiese: für klassische Fahrzeuge, für eine atemraubende Modelleisenbahn und für die wunderbare Spielzeugsammlung des HP Porsche. Es ist kein Museum, eher schon der öffentliche Ort für eine sehr persönliche Sammlung. Man könnte auch sagen, es sind die Zeugnisse einer lebenslangen Leidenschaft, die sich nährt aus der Verbindung kindlicher Freude und erwachsener Sammeltätigkeit. Es geht um die Liebe zum alten Spielzeug und zum Entdecken der kindlichen Traumpfade aus vergangener Zeit, die auch bei den Erwachsenen in ihren Erinnerungen noch zu finden sind. „Es war eine wunderschöne Kindheit und Jugend“, sagt Porsche und geht mit schnellen Schritten voraus. Er will uns sein Traumwerk zeigen, und er ist wohl aus gutem Grund stolz darauf. Porsche hat auf bayerischer Wiese seine eigene, aber für jedermann geeignete Welt zur spielerischen Nachdenklichkeit gebaut. Nicht weit von Salzburg, unweit der Autobahn A 8, im schönen Berchtesgadener Land, zur Gemeinde Anger gehörend. Der Standort scheint gut gewählt, schon wegen der Nähe zu den Bergen und wegen der hier schon etwas ermatteten Niederländer, denen auf dem Weg ins Alpine oder weiter in den Süden eine Rast guttut.

          Alles begann für klein Hans-Peter mit dem Urwagen vom Großvater Ferdinand Porsche. Bilderstrecke
          Alles begann für klein Hans-Peter mit dem Urwagen vom Großvater Ferdinand Porsche. :

          Nach dem Spatenstich am 1. September 2011 wurde auf einer Grundstücksfläche von 55 000 Quadratmetern das Traumwerk er- und eingerichtet, 20 000 sind als Garten gestaltet, mitsamt einer mittelgroßen Gartenbahn, die sich für die Fahrgäste auf einer Gleislänge von 1,3 Kilometern mit großer Pünktlichkeit bewegt. Drinnen pulst das ewige Bahn-Herz der gesamten Sammlung im Modell und entzückt alle, nicht nur jeden vorbelasteten Besucher, der im Keller oder auf dem Dachboden sein eigener Herr über alle Fahrpläne ist: In Baugröße H 0 werden 2,7 Kilometer Gleise, dazu 540 Weichen, 176 Signale bespielt, 32 Schattenbahnhöfe nehmen ruhende Züge auf, 80 fahrende Modellautos und von 180 Zügen insgesamt sind bis zu 40 Einheiten mit Lok und Waggons kontinuierlich unterwegs. Auf einer Grundfläche von 400 Quadratmetern wird ein rühriger und anrührender Eisenbahn-Betrieb unterhalten. Denn nicht nur die wie von Geisterhand präzise bewegten Züge sind unterwegs, Autos fahren und folgen den Verkehrssignalen, alles unter eigenem Licht, die alltägliche Bahnwelt im präzise nachgebildeten Kleinformat erlebt einen kompletten Tagesablauf im Zeitraffertempo. Die Sonne geht auf und unter, es wird Nacht über der märchenhaften Anlage, der Sternenhimmel zieht herauf, manche Besucherpaare umarmen sich jetzt. Romantische Momente in der Modellwelt des Traumwerks.

          Es ziehen Wolken auf, und Porsche verspricht mit leuchtenden Augen: „Wir haben ein Gewitter mit Blitz und Donner.“ Für die Simulationen sind 30 HD-Videoprojektoren als Illusionisten tätig, in den Kulissen denken 16 Rechnergehirne mit, es gibt rund 40 menschliche Mitarbeiter. Sehr real wirken die winzig-eleganten Skiläufer auf einer beschneiten Piste, dazu zwei Wanderer, die mit Stock und Rucksäcken unterwegs sind, die Arbeiter am Gotthard-Tunnel und die miniaturisierten Landschaften, die Bahnhöfe und Orte mit Marktplätzen und dem Biergarten, die Fabriken (natürlich auch das Porschewerk in Zuffenhausen) sind nach den realen Vorbildern im richtigen Maßstab entworfen und gebaut worden. Auch ein wenig Ironie darf sein: So blickt HP Porsche korrekt gekleidet selbst im Modellformat vor seinem Bootshaus am Wörther See sinnend ins Weite. Aus der Summe Tausender liebevoller Details ist eine harmonische und spannende Modell-Landschaft entstanden, die ob ihrer Sorgfalt und Authentizität dem Besucher fast den Atem nimmt. Kinder und Erwachsene spüren das Gänsehautgefühl, und es ist schwer, nicht ergriffen zu sein: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

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