http://www.faz.net/-gy9-8dubb

Rundflüge mit dem Luftschiff : Der Zeppelin soll Münchner werden

  • -Aktualisiert am

Genügsam: Der Zeppelin braucht nicht nur wenig Treibstoff, sondern auch kaum Bodenpersonal. Bild: ZLT

Über der bayerischen Landeshauptstadt könnte bald regelmäßig ein Luftschiff Fluggäste befördern. Läutet das die Renaissance der gemächlichen Riesen ein?

          Am Flugplatz Oberschleißheim knapp nördlich von München sind normalerweise kleine Propellermaschinen zu sehen. Ein 75 Meter langes Luftschiff ist eher ungewöhnlich. Aber zumindest während zwei Wochen gehen hier seit Jahren Gäste mit dem Zeppelin zu Rundflügen in die Luft.

          Hat der Zeppelin NT, das NT steht für Neue Technologie, seine Reiseflughöhe von mindestens 300 Meter über Grund erreicht, sieht der Passagier je nach Blickrichtung die Fußballarena des FC Bayern, den Anflugverkehr auf den Flughafen München oder die bayerische Metropole. Bisher findet dieses Szenario immer nur an 14 Tagen im April während der Industrie-Messe Bauma statt.

          Erlebniswelt um Luftschiffhangar geplant

          Das soll sich ändern, denn das Münchner Unternehmen Hangarworld AG plant Großes, und zwar eine Erlebniswelt rings um einen neuerbauten Luftschiffhangar. Allerdings nicht direkt am Flugplatz Oberschleißheim, sondern voraussichtlich im nur einige hundert Meter östlich gelegenen Städtchen Garching. Dort soll eine futuristische Halle mit Restaurant und Erlebnispark entstehen, von der aus ein Zeppelin NT nahezu ganzjährig zu München-Rundflügen starten könnte.

          Mit knapp 70 Stundenkilometern reist man im Luftschiff alles andere als schnell – das macht allerdings die Aussicht wieder wett. Bilderstrecke

          Anfang Februar wurde von Hangarworld-Vorstand Arantxa Dörrié bestätigt, dass ihr Unternehmen über den Kauf eines Zeppelin NT mit Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen verhandle. Dieser ist laut der Unternehmerin für das Pilotprojekt vorgesehen. Im Erfolgsfall könnten weitere Luftschiff-Bestellungen für andere künftige Hangarworld-Standorte folgen. Das Luftschiff für Hangarworld würde allerdings nicht komplett neu gebaut. Es existiert schon, war früher im kalifornischen San Francisco im Einsatz und ist seit einiger Zeit in Einzelteilen im Zeppelin-Hangar am Bodensee eingelagert. Es wird komplett überholt, erhält die neueste Antriebstechnik sowie Flugsteuerungselektronik, zudem nimmt seine Kabine nun 14 statt wie früher zwölf Passagiere auf. Geht das Luftschiff in Betrieb, entspricht es technologisch einem komplett neugebauten Zeppelin NT.

          Er könnte schon in etwa zwei Jahren bei gutem Wetter täglich von Garching aus zu Rundflügen über München starten. Da der Zeppelin in den Vollgasphasen während Start und Landung weniger als 70 Dezibel laut ist, rechnen die Verantwortlichen von Hangarworld auch nicht mit Lärmbeschwerden der Anrainer. Ausgehend von den Erfahrungen der Friedrichshafener Zeppelin-Reederei, plant das Unternehmen mit etwa sechs Flügen täglich an insgesamt rund 200 Tagen im Jahr. In Garching fände der Betrieb des Luftschiffs auch am Rande des stark frequentierten und für den unkontrollierten Sichtflugverkehr gesperrten Luftraums des Flughafens München statt. Der Zeppelin käme also den dort startenden und landenden Airlinern nicht in die Quere.

          Alternative Standorte stehen bereit

          Offiziell spricht Dörrié aber bisher nur von einem Standort in der Münchner Region. Denn noch sind die Verhandlungen über den Kauf des geplanten Grundstücks und den Flugbetrieb wohl in der Schwebe. Sollte das Pilotprojekt nicht nahe der bayerischen Metropole verwirklicht werden können, favorisieren die Hangarworld-Verantwortlichen einen anderen Standort in einer bevölkerungsreichen Region, beispielsweise im Ruhrgebiet, in Berlin oder Hamburg. Insgesamt sind für den Erlebnispark rund 50 Millionen Euro an Investitionen vorgesehen. Etwa ein Viertel davon wird für den Kauf des Zeppelin NT fällig.

          Das freut Thomas Brandt. Er ist Geschäftsführer von Zeppelin Luftschifftechnik und Deutscher Zeppelin Reederei in Friedrichshafen. Brandt sieht in der Renaissance des Luftschiffs auch einen Trend zur Entschleunigung. Zudem sei der Zeppelin ein ungeheurer Sympathieträger. Der 1917 gestorbene Luftfahrt-Pionier Ferdinand Graf von Zeppelin gilt als Erfinder des sogenannten Starr-Luftschiffs mit einem festem Innenskelett aus Aluminium. Vor fünf Jahren erhielt die Zeppelin-Luftschifftechnik am Bodensee schon einmal einen Großauftrag, damals aus Nordamerika. Drei Zeppeline NT gingen an den Reifengiganten Goodyear, der seit vielen Jahren Luftschiffe zu Werbezwecken einsetzt und diese früher auch selbst produzierte. Das waren allerdings Prallluftschiffe, die über kein festes Innengerüst wie ein Zeppelin verfügen. Die Stabilität wird bei ihnen allein durch die mit Helium gefüllte Hülle gewährleistet. Deshalb sitzen die Motoren bei diesen sogenannten Blimps auch direkt an der Kabine. Dadurch sind sie lauter und schwerfälliger zu steuern als der Zeppelin vom Bodensee.

          Weitere Themen

          Samsung stellt faltbares Smartphone vor Video-Seite öffnen

          „Foldables“ : Samsung stellt faltbares Smartphone vor

          Mit seinem „Infinity Flex“ geht Samsung ins Rennen um die „Foldables“. Nutzer sollen das Gerät hunderttausende Male auf- und zuklappen können, ohne dass es kaputt geht. In den kommenden Monaten will der Konzern die Massenfertigung starten.

          Das ist Jacke wie Helm

          Sicher im Herbst? : Das ist Jacke wie Helm

          Regen und Dunkelheit machen die Fahrt mit dem Fahrrad ungemütlich und gefährlich – gerade jetzt im Herbst. Mit dem City Light von Uvex und dem Comp-Jacket von Haglöfs fährt man trocken und sicher.

          Topmeldungen

          Brexit : Einlenken, oder für immer schweigen

          Zum ersten Mal steht auf Papier, was der Brexit wirklich bedeutet. Jetzt sollen die Minister in London abstimmen. Verweigern sie Premierministerin May die Gefolgschaft, waren die erbitterten Austrittsverhandlungen vergebens. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.