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Unterwegs mit Sebastian Vettel : „Zur Halbzeit Bratwurst“

Da ist man gern Beifahrer: Sebastian Vettel im Ferrari California T mit F.A.Z.-Redakteur Boris Schmidt. Bild: Ferrari

War der Auto-Führerschein für Sebastian Vettel eigentlich noch etwas Besonderes? Der vierfache Formel-1-Weltmeister nimmt uns mit und spricht über das Autofahren, die Eintracht und warum er alte Motorräder liebt.

          Die Redaktion hat sich mit dem vierfachen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zu einer Spritztour im Rheingau verabredet. Er bringt einen Ferrari California T mit und bittet mich, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Das Dach ist bereits im Kofferraum abgelegt, schon am Morgen sind es weit mehr als 20 Grad. Sebastian Vettel ist ganz locker, das Wetter ist prima, nah seiner südhessischen Heimat fühlt er sich offenbar besonders wohl. Zuvor hat er in Wiesbaden seinen Antrittsbesuch bei Ferrari Deutschland gemacht, dazu war bisher noch keine Gelegenheit gewesen. Und über die Formel 1 wollen wir nicht sprechen, das ist vereinbart. Aber das Autofahren soll Thema sein.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Fahren Sie noch gern Auto, also jetzt nicht auf der Rennstrecke, sondern im Alltag?

          Gute Frage. Ehrlich, ich fahre nicht mehr so gern. In den zehn Jahren, seit denen ich auf öffentlichen Straßen unterwegs bin, hat sich schon viel geändert. Die Straßen sind voller, es gibt viel mehr Staus. Anderseits liebe ich es natürlich, auf einer Passstraße unterwegs zu sein, das genieße ich schon noch.

          Mit welchem Auto?

          Na ja, Ferrari 458 Speciale. Ein Dienstwagen sozusagen. Der California hier ist aber auch sehr schön, da kann man hinten sogar noch Kinder reinsetzen.

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          Und alte Autos. Mögen Sie auch alte Autos?

          Sogar sehr. Die Technik, die Formen von damals. Das alles fasziniert mich sehr. Wenn was kaputt ist, macht man die Haube auf, und man sieht in der Regel sofort, worum es geht. Das hast du heute einfach nicht mehr. Eines meiner Lieblingsautos ist der alte Fiat 500, der mit den gegenläufigen Türen. Der ist einfach süß.

          Und alte Rennwagen?

          Selbstverständlich auch. Ich bin neulich mal einen Ferrari von Gerhard Berger gefahren. Und früher mal einen Brabham. Bergers Auto – Anfang der neunziger Jahre – ist ja schon weit weg von heute, aber der Brabham, das sind Welten. Auf der Strecke ein wahres Erlebnis, nur passieren darf nichts. Die passive Sicherheit war früher lausig.

          Was war das Auto Ihrer Kindheit?

          Da muss ich einen Moment überlegen. Ja, das Golf I Cabrio, das wir mal eine Weile hatten. Das fand ich als kleiner Junge unheimlich cool. Und natürlich der erste Mercedes meines Vaters. Damals war die Bezeichnung E-Klasse ganz neu.

          Was war Ihr erstes eigenes Auto?

          Damals wurde ich von BMW gesponsert, ein X3, damals ganz neu als Baureihe.

          Seit Sie ein kleiner Junge sind, betreiben Sie Motorsport. War der Auto-Führerschein noch etwas Besonderes für Sie?

          Und ob. Ich habe ihn schon mit 17 gemacht, damals mit Sondergenehmigung, damit meine Eltern nicht immer mit mir zu den Rennen fahren mussten, die fingen oft schon am Donnerstag an, und beide mussten arbeiten.

          Haben Sie eine reguläre Fahrschule besucht?

          Ja, in Heppenheim, Fahrschule Meyer. Mein Wagen war auch hier ein X3.

          Und die Prüfung?

          Vor der hatte ich mehr Angst als vor einem wichtigen Rennen. Aber es lief alles glatt, auch das Rückwärtsfahren um die Ecke. Die Prüferin war sehr zufrieden mit mir.

          Prüfung bestanden! War die Freude groß?

          Sehr groß. Der Führerschein und das Auto bedeuten eine große Freiheit. Ich verstehe gar nicht, dass viele junge Leute das nicht mehr so sehen. Denen ist das Smartphone wichtiger. Na ja, ich bin auch schon 28. (lacht)

          Haben Sie auch den Motorradführerschein gemacht?

          Ja, auf einer BMW.

          Und heute fahren Sie noch, oder dürfen Sie nicht?

          Ich darf und ich fahre auch. Ich beschäftige mich ein wenig mit alten Motorrädern, bis in die zwanziger Jahre zurück. Da siehst du die Technik noch besser wie bei einem alten Auto. Manchmal nehme ich so ein Oldtimer-Motorrad auch zu einem Rennen mit.

          Für Fotoaufnahmen wollen wir in einen kleinen Feldweg in die Weinberge einbiegen, plötzlich taucht dort ein Traktor auf.

          Vorsicht!

          Der Formel-1-Pilot hat natürlich alles im Griff. Der Mann auf dem Traktor staunt wohl mehr über den Ferrari als über den Fahrer.

          Wie peinlich, einem Formel-1-Weltmeister Hinweise zu geben.

          Macht nichts, ich bin auch nicht der beste Beifahrer.

          Anderes Thema: Es ist kein Geheimnis, dass Sie Fan von Eintracht Frankfurt sind. Was erwarten Sie von der kommenden Saison?

          Der Weggang von Torhüter Trapp ist ein großer Verlust. Hoffentlich kann der kompensiert werden. Es sind wohl noch ein paar gute Neueinkäufe nötig. Aber das wird schon.

          Seit wann sind Sie Eintracht-Fan?

          Seitdem ich 14 oder 15 Jahre bin.

          Gehen Sie auch ins Stadion?

          Ja, ich war aber jetzt schon länger nicht mehr. Es wird mal wieder Zeit. Wenn ich gehe, dann mit meinen alten Kumpels von früher. Vier, fünf Jungs. Und wir gehen nicht in die Loge, sondern ganz normal auf die Tribüne. Und in der Halbzeit Bratwurst, das gehört dazu.

          Und andere Klubs, welche mögen Sie?

          Also lieber Dortmund als Bayern. Und natürlich Darmstadt. Das ist ja vor meiner Haustür. Toll, was da passiert ist. Dass es das noch gibt, in der heutigen Zeit. Da funktioniert das Motto „Elf Freunde“ noch. Das geht heute leider im Sport so oft verloren. Auch im Motorsport.

          Spielen Sie selbst Fußball?

          Nein, nicht wirklich. Aber ich muss jeden Tag etwas für meine Kondition tun, das muss ich Ihnen ja nicht erzählen. Und das nicht wenig. Dass ich heute keinen Sport mache, ist eine große Ausnahme. Zum Ausgleich spiele ich gern Squash und Badminton. Tennis kann ich nicht so gut.

          Letzte Frage: Was passiert eher: Die Eintracht wird deutscher Meister, oder Sebastian Vettel wird mit Ferrari Weltmeister?

          Darauf kann ich doch keine ernsthafte Antwort geben. Nächste Saison wird Ferrari viel weiter sein als diese. Und die Eintracht bräuchte einfach andere finanzielle Mittel. Nur wo sollen die herkommen?

          Anm. der Redaktion: In diesem Text befand sich in einer vorherigen Version ein Video mit Fahrszenen und einem Interview, das unser Redakteur mit Sebastian Vettel geführt hat. Wir haben dieses Video entfernt, weil es nicht unseren redaktionellen Standards entsprach.

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