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Veröffentlicht: 07.08.2016, 08:38 Uhr

Flugzeug MC-30 Luciole Eigenbau-Flitzer mit 4-Liter-Verbrauch

Wie man ein kleines Flugzeug selbst baut, zeigt ein Freiburger Modellbauer mit seiner MC-30 Luciole. Der Einsitzer ist auch im Verbrauch genügsam.

von Jürgen Schelling
© Schelling MC 30 Luciole heißt der schnittige Tiefdecker.

Heinz Thoma aus Freiburg ist begeisterter Modellbauer und -flieger. Seit Jahrzehnten baut er ferngesteuerte Scale-Modelle, nimmt mit diesen an Wettbewerben teil und liebt es, wenn sich ein Haufen Balsa- und Sperrholz irgendwann in ein fertiges Flugmodell verwandelt. Mit mehr als 50 Jahren macht Thoma seine Privatpilotenlizenz für Motorflugzeuge, später kommt noch eine Berechtigung für Ultraleichtflugzeuge dazu. Und wer schon so lange und leidenschaftlich im kleinen Maßstab baut, will es irgendwann auch mal eine Nummer größer ausprobieren.

Die Initialzündung findet 2009 statt, als Thoma von einem Bekannten das Foto eines neuen Eigenbauflugzeugs aus Frankreich in die Hände bekommt. MC 30 Luciole heißt der schnittige Tiefdecker. Die Maschine wiegt leer unter 100 Kilogramm und hat gerade mal 6,90 Meter Spannweite. Ein preiswertes Ultraleichtflugzeug zu besitzen, die komplette Wartung dafür in Eigenregie übernehmen zu können, dazu geringer Spritverbrauch - Heinz Thoma ist bei dieser Vorstellung sofort Feuer und Flamme. Dazu benötigt der Pilot für diese sogenannten 120-Kilo-Flieger innerhalb der Ultraleichtflugzeugklasse nicht mal mehr ein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis.

41516946 © Schelling Vergrößern Heinz Thoma hat alles selbst gebaut.

Für den Einsitzer ganz aus Holz gibt es vom erfahrenen Konstrukteur Michel Colomban nur Pläne, aber keinen Bausatz. Deshalb fängt Thoma nach dem Kauf der Pläne zur Verblüffung seiner Frau an, die Wohnung umzudekorieren. An die Wände hängt er die maßstabsgerechten Zeichnungen der MC-30, um sich eine Vorstellung von den Dimensionen zu machen. Große Elemente wie Rumpf und Fläche entstehen im Segelflug-Hangar des Freiburger Flugplatzes, die kleineren wie Höhen- und Seitenleitwerk zu Hause in der Wohnung. Ein Viertakt-Zweizylinder von Briggs+Stratton treibt die Maschine an. Er hat etwa 26 PS und erinnert durch seine ungewöhnliche V-Form an die Motorräder von Moto Guzzi.

Viele Laien sind baff, wenn sie hören, dass man in Deutschland sein Flugzeug selbst bauen und in die Luft bringen kann, quasi wie ein überdimensionales Modellflugzeug. So einfach ist es aber nicht. So schauen in Deutschland auch Gutachter der sogenannten Oskar-Ursinus-Vereinigung für Flugzeug-Selbstbauer immer wieder bei ihren Probanden in die Werkstatt und überprüfen die Qualität der Bauausführung. Auch vor dem Erstflug wird penibel geprüft, ob das Flugzeug lufttüchtig ist und den Vorschriften entspricht. Und nach erfolgreichem Erstflug muss der Erbauer oder sein Testpilot eine ausführliche Flugerprobung vornehmen, um die Lufttüchtigkeit der Maschine genehmigt zu bekommen. Ohne die wäre auch keine Versicherung des Eigenbau-Flugzeugs oder Hubschraubers möglich.

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Dabei gibt es drei verschiedene Arten, sein Flugzeug selbst herzustellen. Etwa mit Hilfe bewährter Bausätze, die wie ein riesiges Modellflugzeug zusammengesetzt werden. Ihr Bauaufwand ist überschaubar, und man weiß, dass die Maschine eines Tages gut fliegen wird, weil sie bereits erprobt ist. Die zweite Möglichkeit ist, lediglich einen Plan zu kaufen so wie Heinz Thoma. Dann muss alles in Eigenregie hergestellt werden. Der Bau zieht sich naturgemäß in die Länge und ist nur für handwerklich sehr begabte Menschen zu empfehlen. Die dritte Alternative ist die Königsdisziplin. Der Selbstbauer konstruiert das ganze Flugzeug in Eigenregie. Und baut es anschließend. Dazu muss er sich in Aerodynamik, Statik, Werkstoffkunde und in vielen weiteren Disziplinen auskennen. Und er braucht normalerweise auch ein ordentliches Maß an Courage. Denn fast immer will der Erbauer den Erstflug seines Werks auch selbst vornehmen - manchmal auch zwangsweise, weil kein Testpilot das Risiko übernehmen will.

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