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Flughafen Berlin Brandenburg : Nur Fliegen wäre schöner

  • -Aktualisiert am

Traumziele: Die auf den Abflugtafeln angezeigten Länder sind auch fünf Jahre später nicht vom neuen Berliner Flughafen zu erreichen. Bild: Peter Thomas

Der Flughafen Berlin Brandenburg galt im Frühsommer 2012 offiziell als fast einsatzbereit. Damals entstanden diese Fotografien. Tatsächlich wird an der Fehlerbehebung bis heute gearbeitet.

          Nebenan wuchteten Männer in gelber Warnkleidung Koffer durchs Terminal: Probelauf für den Passagierbetrieb. Vor uns rollten hinter zitternder Kunststofffolie die Destinationen über große, in ihrer Farbdarstellung noch nicht kalibrierte Bildschirme: Simulation der Abflugpläne. Dazu ein kontrapunktisches Gewirr aus Bohren und Hämmern, aus Handwerkerrufen und dem Klingeln der Mobiltelefone: Endspurt der Gewerke bis zur Fertigstellung eines Großprojektes.

          Wenige Wochen noch, dann würde sich ab dem 3. Juni 2012 diese Baustelle mit Passagieren füllen. Davon schienen an dem regnerischen Frühsommertag 2012 alle Menschen auf der Baustelle überzeugt. Denn an diesem Tag würde nach einem gigantischen Umzugsmarathon mit mehreren hundert Schwertransporten in der Nacht zuvor der neue Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ endlich an den Start gehen. Dass man den ersten Termin im Oktober 2011 hatte verschieben müssen – geschenkt. Jetzt würde es endlich losgehen mit dem Betrieb des BER. Ganz sicher!

          Alles bereit für den ersten Abflug

          Vor dem Terminal glänzte das leere Rollfeld wie frisch gewaschen. Die Gepäcksortierungshalle präsentierte sich aufgeräumt und einsatzbereit. Die Bilder auf dieser Seite entstanden abseits des Trubels: Stille Momente, mit dem Blick für die Industrieästhetik des scheinbar fast fertigen Baus festgehalten.

          Schattenspiel: Was zum internationalen Erfolgsprojekt werden sollte, hat sich als Negativbeispiel für die Planung und Steuerung einer Großbaustelle entwickelt. Bilderstrecke
          Schattenspiel: Was zum internationalen Erfolgsprojekt werden sollte, hat sich als Negativbeispiel für die Planung und Steuerung einer Großbaustelle entwickelt. :

          Tatsächlich zeigen die Fotos aber eine Art Reigen potemkischer Dörfer des 21. Jahrhunderts. Denn es kam alles anders als offiziell verkündet: Keine vier Wochen vor dem 3. Juni zog der damalige Flughafenchef Rainer Schwarz die Reißleine. Wegen Brandschutzmängeln könne der BER nicht in Betrieb gehen. Erst im März hatten Feuerwehren und Rettungsdienste auf dem BER eine große Katastrophenübung mit mehreren hundert Einsatzkräften durchgespielt. Das Szenario von „Crash BER 2012“ ging vom Brand eines Flugzeugs nach einem Unfall aus. Die Bruchlandung legte dann aber kein Flieger hin, sondern der Airport selbst.

          Verzögerung durch zahlreiche Mängel

          Statt des Ansturms der Passagiere erlebte der BER nun einen Sturm der Entrüstung – den das Auftauchen von immer mehr eklatanten Mängeln weiter anfachte: zu kurze Rolltreppen, die im Nichts enden. Vergessene Kabelkanäle und Geländer. Falsch bemessene oder aus falschem Material ausgeführte Verkabelungen, Verrohrungen und Klimatisierungen. Eine völlig falsch ausgelegte Entrauchungsanlage war der Gipfel.

          Funktioniert hätte damals immerhin der unterirdische Bahnhof. Der kann aber ohne Passagierbetrieb nicht sinnvoll genutzt werden. Also fährt die Bahn regelmäßig mit Leerzügen durch die Anlage und pustet so die Tunnelröhren mit frischer Luft durch – nicht, dass der BER jetzt auch noch ein Schimmelproblem bekommt.

          Eröffnungstermin wird verschoben

          Wie es wohl heute, fünf Jahre nach der geplatzten Eröffnung, am BER aussieht? Eine Baustelle ist der Flughafen ja noch immer. Denn jedes neue Datum für die Eröffnung hat man bislang wieder absagen und verschieben müssen. Auf diese Weise tüftelt die Hauptstadt bis heute mit terminlicher Salamitaktik an der Bewältigung des Chaos. Derzeit gilt der Betriebsstart im kommenden Jahr immerhin als möglich. So richtig mag daran bislang niemand glauben. Dafür haben der Flughafen, seine Planer und Manager schon für zu viele negative Schlagzeilen gesorgt.

          Eines immerhin dürfte sich gründlich geändert haben: Nur wenige Flugpassagiere seien sich bewusst, hieß es an dieser Stelle im April 2012, wie komplex die im Verborgenen arbeitende Technik eines Airport sei. Von dieser Maschinerie und ihrer Anfälligkeit gegen Planungs- und Baufehler weiß mittlerweile dank des BER die ganze Welt.

          Quelle: F.A.S.

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