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Fan-Treffen in Goodwood : Voll auf Speed

Die Kunst, die Reifen richtig rauchen zu lassen, nennt man Donut Bild: Veranstalter

Die Autohersteller entdecken mehr und mehr den Charme von großen Fan-Treffen: Beim Festival of Speed im englischen Goodwood feiern mehr als 200.000 Besucher vier Tage eine Dauerparty.

          Schon der Name „Festvial of Speed“ ist eine Kampfansage an alle grün Angehauchten und Autogegner. Ein Fest der Geschwindigkeit, das dem Auto und der schnellen Fortbewegung frönt, natürlich Motorräder mit einschließt und jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit Düsenjäger übers Gelände donnern lässt. In Deutschland schwer vorstellbar. Ohnehin wird fast so viel geflogen wie gefahren in Goodwood. Ständig kreisen Hubschrauber und manchmal auch Kleinflugzeuge über dem riesigen Festivalgelände, sie bringen Besucher zur Party. Das Festival ist auch ein gesellschaftliches Ereignis, hier in Sussex in Südengland. Zum Ball am Samstagabend kommen mehr als 1600 geladene Gäste.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aus einem kleinen, eintägigen Zusammenkommen von vielleicht 50 Motorsport-Enthusiasten vor 24 Jahren hat sich eine riesige Veranstaltung entwickelt, die inzwischen immer mehr Autohersteller nutzen, um sich zu präsentieren. Porsche stellte in Goodwood den neuen 911 GT2 RS und den auf 500 Einheiten limitierten 911 Turbo S Exclusive Series vor. Rolls-Royce präsentierte ein neues Modell, Jaguar ebenfalls. Vergangenes Jahr debütierte der Mercedes-AMG GT R, um nur einige Beispiele zu nennen.

          Kern des Ganzen war und ist ein in England so beliebtes Hill Race. Gefahren wird nicht gegeneinander, sondern gegen die Zeit. In Goodwood führt die Strecke in einem rund 1,8 Kilometer langen Bogen insgesamt 90 Meter in die Höhe, die Schnellsten schaffen das in gut 40 Sekunden. Dass sich daraus so ein riesiges Spektakel entwickelt, war nach dem 20. Juli 1993, einem Sonntag, natürlich noch nicht abzusehen. Möglich machte und macht alles der Earl of March, dem das gesamte mehrere Quadratkilometer große Gelände gehört. In unmittelbarer Nähe gibt es zudem einen kleinen Rundkurs, der aber (noch) nicht in die Veranstaltung einbezogen ist. Die großen Tribünen, die man schon aus der Ferne sieht, gehören zu einer Pferderennbahn. Alles gehört dem Earl.

          Der Earl auf March und ein McLaren ganz aus Lego Bilderstrecke

          Die Fahrten gegen die Uhr sind immer noch ein wesentlicher Teil der Show, vor allem weil so ziemlich alles antritt, was auf zwei oder vier Rädern motorsporthistorische Bedeutung hat. Das trifft sowohl auf die Fahrzeuge als auch auf die Fahrer zu. Die Teilnehmerliste liest sich wie ein Who’s who der Branche, angefangen von Giacomo Agostini über Valtteri Bottas und Emerson Fittipaldi bis hin zu Nico Rosberg.

          Doch nicht nur Rennwagen messen ihre Kräfte, dazu kommen neue (Super-)Sportwagen und auch das eine oder andere schicke Elektroauto. Man geht ja mit der Zeit. Auf mehreren Tribünen kann das Renngeschehen verfolgt werden, für Novizen mag das auf den ersten Blick eher langweilig sein, dennoch sind die Grandstands, für die zusätzlich Eintritt gezahlt werden muss, vor allem sonntags, wenn letztlich der Sieger gekürt wird, rappelvoll.

          Und nebenan tut sich wahrlich genug. Im Wald am Nordende des Geländes wird auf einer kleinen Strecke Rallye gefahren, es gibt dort oben in der Nähe des Ziels außerdem noch Offroad-Vorführungen von Zulieferer Brittpart, von Honda, Audi und Porsche. Und da geht es richtig zur Sache. Brittpart lässt die Land Rover fliegen, die sich mit Teilen aus dem Lieferprogramm des Zulieferers zu Offroad-Rennern umbauen lassen. Etwas weiter unten werden die Besucher auf einem Mini-Rundkurs im Jaguar F-Type schwindelig gefahren. Dafür und für einen künstlichen Offroad-Parcours direkt am riesigen Jaguar/Land-Rover(JLR)-Stand, der jeder Automesse Ehre machen würde, nehmen die Auto-Enthusiasten mehr als zwei Stunden Wartezeit in Kauf. Das Besondere an dem JLR-Stand ist die Tatsache, dass er um einen nicht kleinen Baum herumgebaut ist. Da wird sehr viel Geld in die Hand genommen, nicht nur von JLR. Große Stände, alle zwei- oder mehrstöckig wie auf einer „richtigen“ Automesse, haben weiterhin Honda, Lexus, Bentley, BMW, Mini, Maserati, Alfa Romeo, Ford und Renault. Alle sind zusammengruppiert, etwas abseits, direkt an der Strecke logiert Mercedes-AMG. Wer seinen Mercedes-Autoschlüssel dabeihat, darf auf eine kleine Tribüne und hat besten Blick auf die Boliden, die oft unter ohrenbetäubendem Lärm die Strecke entlangfetzen.

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