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Fahrtbericht Audi S 8 : Halbtagsjob im Achtzylinder

Bild: Hersteller

Audi macht aus seinem großen A 8 einen kräftigen S8 und legt zur Zügelung des Durstes zeitweise die Hälfte der Zylinder still. Und Mikrofone sammeln die Vibrationen ein.

          Wie wohl so ein Arbeitstag in der oberen Etage von Audi aussieht? Da müssen ein paar ManagerInnen sitzen, die gewöhnlich hinten rechts Platz nehmen, ab und an gerne selbst zugreifen, dann aber was richtig scharfes in der Hand haben wollen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Also entscheiden sie: Lasst uns von unserem großen A 8 nicht nur eine Langversion, einen Zwölfzylinder und einen mit Hybridantrieb machen, sondern auch einen, dem der Dampf zu den Kotflügeln rauskommt. Nur saufen darf er nicht. Den nennen wir S 8, das Marketing macht daraus „luxuriöse Sportlichkeit und intelligente Kraft“, und an die Technik ergeht der Auftrag, das Oberhaupt der S-Modelle auf die Räder zu stellen.

          Wie wohl so ein Arbeitstag in der Entwicklungsabteilung von Audi aussieht? Da müssen ein paar Jungs und Mädels monatelang an Kleinigkeiten tüfteln, um dann eines Tages mit einer genialen Idee wie Q aus der Kiste zu springen. Achtzylinder mit 520 PS und 650 Nm Drehmoment, geht klar, aber das kann nicht alles sein.

          Liebe zum Detail

          Während der Fahrt aus Versehen den Hebel für die Motorhaubenentriegelung ziehen? Im Audi S 8 unmöglich, weil eine elegant eingearbeitete Ausbuchtung der Fahrertür den Hebel blockiert, solange die Tür geschlossen ist. Eine Randbemerkung unter Konzernbrüdern: Das gleiche System findet sich im neuen VW Golf.

          Die elektrischen Heber lassen die Fenster nie genau an der Stelle stehen, die sich der Kommandant wünscht? Dann baut Audi eben welche ein, die in zwei Geschwindigkeiten laufen, langsamer, solange die Taste sanft gedrückt gehalten wird, schnell, sobald die Taste kurz komplett gedrückt wird.

          Solcherlei Firlefanz braucht kein Mensch? Da wären wir nicht so sicher. Derlei Liebe zum Detail macht aus einem guten ein begehrenswertes Auto. Wer mindestens 112.000 Euro ausgibt, verlangt das gewisse Etwas über die fulminanten Fahrleistungen und die gekonnte Einrichtung hinaus, die dieser Audi ohnehin wie selbstverständlich mitbringt.

          Motor

          Der größte Coup steckt im Motorraum. Innen ist er auf zweierlei Art sichtbar: Eine Anzeige im Kombiinstrument mit der von Weiß auf Grün wechselnden Aufschrift „4-Zylinder-Modus“ sowie vier dezent in den Dachhimmel eingelassene Mikrofone jeweils im Format eines Ein-Cent-Stücks.

          „Cylinder on demand“ (Zylinder auf Anfrage) nennt sich die Technik in offenbar unvermeidlichem Englisch, und sie macht aus dem 4.0TFSI mit seinen acht Zylindern in bestimmten Fahrsituationen einen (sparsameren) Vierzylinder.

          Das System wird bei geringer bis mittlerer Motorlast tätig. Und das Kühlmittel muss warm sein, im Getriebe muss der dritte oder ein höherer Gang eingelegt sein, die Drehzahl muss zwischen 960 und 3500/min liegen. Sodann werden die Ein- und Auslassventile der Zylinder 2, 3, 5 und 8 geschlossen. Der V8 arbeitet als V4. Umschalten dauert zwischen einer Hundertstel- und vier Hundertstelsekunden, es funktioniert auch bei Geschwindigkeiten, die man nicht erwartet. Wir lasen einmal bei 180km/h den Hinweis „4-Zylinder-Modus“.

          Verbrauch

          Der Fahrer bekommt von dem Eingriff nur etwas mit, wenn er darauf achtet. Der Abschaltvorgang vollzieht sich gar vollends unmerklich, beim Zuschalten lässt sich kurz vor der Wiederinbetriebnahme der Teilzeitkräfte ein etwas rauher Lauf erkennen. Einmal dachten wir, ha, jetzt haben wir die Schlafmützen erwischt, doch da fiel ein Schaltvorgang des formidabel arbeitenden Achtgangautomaten genau in den Moment, als die halbe Zylinderreihe in den vorübergehenden Ruhestand geschickt wurde.

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